Stine Petersen im Anflug auf ein Tor. © 2026 Sönke Ehlers
Der SV Todesfelde hat Geschichte geschrieben: Im zweiten Saisonspiel der 2. Frauen-Bundesliga erkämpfte sich der Aufsteiger beim TSV Bayer 04 Leverkusen seinen ersten Punkt in der Vereinsgeschichte. Nach einer turbulenten Partie mit zahlreichen Führungswechseln und einer spektakulären Schlussphase stand in der fast ausverkauften Ludwig-Jahn-Halle in Lübeck ein 35:35 (18:17) auf der Anzeigetafel.
Knapp 500 Zuschauer erlebten einen Handball-Krimi, den der SVT eigentlich schon verloren glaubte. Doch in den letzten Sekunden schlugen die Blau-Gelben noch einmal zu.
Todesfelde dreht Rückstand kurz vor der Pause
Die Mannschaft von Trainer Henning Ammen erwischte einen guten Start und begegnete dem Rekordpokalsieger aus Leverkusen zunächst auf Augenhöhe. Bis zur 18. Minute blieb die Partie völlig offen, ehe sich Bayer erstmals etwas absetzen konnte.
Die Gastgeberinnen von Trainerin Franziska Garcia erspielten sich zwischenzeitlich sogar eine Drei-Tore-Führung. Todesfelde hatte in dieser Phase vor allem mit eigenen Fehlern zu kämpfen. Kurz vor der Pause reagierte Ammen jedoch und stellte im Angriff auf zwei Kreisläuferinnen um.
Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Die eingewechselte Lilly Ciudad Benitez feierte ihre ersten Minuten im Bundesliga-Dress und stellte die Leverkusener Abwehr mit ihren Sperren vor neue Aufgaben. Todesfelde kam zurück und drehte die Begegnung noch vor dem Seitenwechsel. Mit einer knappen 18:17-Führung ging der SVT in die Kabine.
Führungswechsel und viele technische Fehler
Auch nach Wiederbeginn erwischten die Todesfelderinnen den besseren Start. Ein Treffer von Marie Grabowski sowie einige wichtige Paraden von Torhüterin Victoria Nigbur sorgten erneut für eine Zwei-Tore-Führung.

Doch die Begegnung blieb zerfahren. Beide Mannschaften leisteten sich zahlreiche technische Fehler, wodurch nur selten ein flüssiger Spielfluss entstand. Die Führung wechselte immer wieder hin und her.
Keine der beiden Mannschaften konnte sich in dieser Phase entscheidend absetzen. Mehr als zwei Tore Vorsprung waren zunächst nicht drin. Für Todesfelde sollte sich die Fehleranfälligkeit allerdings in der Schlussphase beinahe rächen.
Drei Tore hinten: Leverkusen scheint auf der Siegerstraße
Ab der 57:21. Minute begann schließlich der Handball-Krimi. Leverkusen führte mit 35:32, und vieles sprach zu diesem Zeitpunkt für den ersten Saisonsieg der Gastgeberinnen.
Doch der SV Todesfelde stemmte sich gegen die drohende Niederlage. Lina Asmussen verkürzte in der 59. Minute auf 33:35. Als Leverkusen anschließend einen schnellen technischen Fehler produzierte, bekam Todesfelde noch einmal die Chance zum Anschlusstreffer.
Finja Harms ließ sich diese Möglichkeit nicht entgehen und erzielte rund 40 Sekunden vor dem Ende das 34:35. Die Stimmung in der Ludwig-Jahn-Halle explodierte förmlich. Plötzlich war der Punkt wieder greifbar.
15 Sekunden für den Todesfelder Wahnsinn
Leverkusen nahm bei 59:45 Minuten noch einmal eine Auszeit. Dem SVT blieben damit gerade einmal 15 Sekunden, um den Ball zurückzuerobern und noch zum Abschluss zu kommen.
Und tatsächlich: Die Todesfelder Abwehr hielt stand und eroberte den Ball. Was danach folgte, dürfte sich in die Vereinsgeschichte eingebrannt haben. Franziska Haupt spielte einen langen Pass über die gesamte Hallenhälfte. Am Kreis stand Rieka Thal völlig frei und nahm den Ball entgegen.

Die Todesfelderin blieb eiskalt und setzte den Ball zum 35:35 ins Tor. Ausgleich. Abpfiff. Jubel.
„Der wohl lauteste Jubel seit vielen Jahren“
Die Ludwig-Jahn-Halle in Bad Schwartau wurde endgültig zum Tollhaus. Der erste Punkt in der Zweitliga-Geschichte des SV Todesfelde war perfekt. Dabei durfte sich der Aufsteiger angesichts des gesamten Spielverlaufs durchaus darüber ärgern, dass nicht noch mehr möglich gewesen war. Gleichzeitig hätte die Partie wenige Minuten zuvor auch komplett verloren sein können. So überwog am Ende die Freude über einen Punkt, der sich nach dem dramatischen Finish wie ein Sieg anfühlte.
