Torschütze Rene Guder (8, Holstein Kiel II) holt sich Glückwunsche vom Trainerteam und Mitspielern nach dem sehenswerten Freistoß zum 1-0. © 2026 Ismail Yesilyurt
Die Rollen vor dem Anpfiff des Spiels in der Oberliga Schleswig Holstein zwischen der U23 von Holstein Kiel und dem Oldenburger SV waren zwar klar verteilt, doch der Nachmittag im Citti-Fußballpark entwickelte sich zu einem echten Nervenkitzel. Eine Achterbahn der Gefühle bis zur letzten Sekunde wartete auf die 160 Zuschauern im CITTI FUSSBALL PARK und alle auf und neben dem Platz Beteiligten: Die wilde Begegnung mit Höhen und Tiefen entschieden die Jungstörche am Ende knapp mit 4:3, nachdem der Tabellenführer zwischenzeitlich eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben hatte.
Von Beginn an zeigte der Tabellensiebente aus Oldenburg, dass man sich keineswegs verstecken wollte. Mit viel Physis in den Zweikämpfen und schnellen Gegenangriffen stellte der Gast den Spitzenreiter vor spürbare Probleme. Doch auch Holstein hielt körperlich dagegen, sodass viele rassige Zweikämpfe entstanden in einem sehr interessanten Duell.
Guder-Traumtor und OSV-Doppelschlag vor der Pause
Die Kieler, die mit einer extrem jungen Startelf, u. a. mit den beiden U19-Spielern Len Kloppenburg und Valton Mehmeti, ins Rennen gingen, sahen sich großer Gegenwehr ausgesetzt. Nach einer umkämpften Anfangsphase blieben erste Gelegenheiten ungenutzt.

In der zweiten Minute traf Oldenburgs Tolas Shamzin im Strafraumzentrum den Ball nicht voll. Kurz darauf klärte OSV-Keeper Mike Benecke einen Schuss von Jorden Winter per Fußabwehr. In der 17. Minute war Islam Matene nach einem langen Ball schneller am Spielgerät als der aus seinem Strafraum herausgelaufene Benecke, doch Abwehrrecke Robin Büning verhinderte den möglichen Treffer. Auch ein Kopfball von OSV-Kapitän Rico Mielke ging knapp vorbei.
„Stressen, stressen, stressen“
Holstein versuchte immer wieder, mit schnellen Kombinationen ins gefährliche Drittel zu kommen. Doch die Oldenburger verteidigten resolut und konsequent. „Stressen, stressen, stressen“, rief in dieser Phase Holstein-Trainer Freddy Kaps seinen Spielern mehrfach zu, wenn die Oldenburger in der eigenen Hälfte den Ball hatten. Doch das Pressing wirkte irgendwie halbherzig und nicht konsquent von den Jungstörchen, sodass die Gäste hier und da gefährliche Konter ansetzen konnten.
Ein Freistoß brachte dann die Gastgeber in der 22. Minute sehenswert in Führung: Aus rund 28 Metern jagte Spielführer Rene Guder den Ball an der Schnur gezogen unhaltbar in den linken oberen Winkel. Als Leland-Jordan Junge in der 39. Minute nach einer Guder-Ecke per Kopfball an den Innenpfosten auf 2:0 erhöhte, schien das Spiel den erwarteten Verlauf zu nehmen.
Doch die Gäste aus Ostholstein, in Abwesenheit von Chefcoach Florian Stahl von Philip Bohnsack und Philip Nielsen betreut, zeigten eine starke Moral. Erst traf Marvin Müller nach einem Einwurf per Direktabnahme aus 10 Metern zum 1:2-Anschlusstreffer (41.).
Die Gastgeber hatten nun plötzlich kurzzeitig ihre Ordnung verloren. Das nutzte der Oldenburger SV aus. Kurz vor der Halbzeitpause setzte sich Rico Mielke energisch und an der Grenze des Erlaubten an der Strafraumgrenze durch und bediente Daniel Junge mit einem präzisen Schnittstellenpass. Der Mittelstürmer war einen Tick schneller am Ball als Keeper Henrie Müller-Kalthoff und schob cool zum 2:2 ein.

Silas Bünning dreht das Spiel für den OSV
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie offen, auch wenn die Gastgeber die Schlagzahl erhöht hatten. Oldenburg blieb seinem von viel Kampf geprägtem Konzept treu und suchte seine Chancen weiterhin über schnelle Gegenangriffe und Standards. Das zahlte sich aus: Nach einer Ecke stand Robin Bünning am zweiten Pfosten goldrichtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Aus dem 0:2 war ein 3:2 für den Außenseiter geworden.
Joker Kjell Knaak und Kian Tack entscheiden das Spiel
Kiel wirkte kurzzeitig angezählt, war aber schnell wieder auf den Beinen. Nach einem Fernschuss von Valton Mehmeti, der nur die Latte traf, gelang doch noch der Ausgleich: In der 67. Minute schlug Kjell Knaak zu. Der kurz zuvor eingewechselte Offensivspieler vollendete einen gelungenen Angriff über die rechte Seite am ersten Pfosten zum 3:3. Acht Minuten später führte erneut ein Eckball zum nächsten Treffer. Kian Tack hämmerte den Ball zum umjubelten 4:3-Endstand in die Maschen.
Oldenburg gab sich allerdings keineswegs geschlagen. Die Gäste blieben auch in der Schlussphase gefährlich, während Holstein alles hineinwarf, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.
Freddy Kaps stolz auf die Reaktion seiner Mannschaft
Für Freddy Kaps war vor allem die Reaktion nach der Pause entscheidend. „In der ersten Halbzeit haben wir unser Pressing nicht mit der nötigen Intensität auf den Platz gebracht und auch nicht ausreichend Torchancen kreiert“, analysierte der Holstein-Trainer.
In der Kabine habe man genau diese Punkte angesprochen. „Die Jungs haben im zweiten Durchgang eine starke Reaktion gezeigt. Ich bin sehr stolz, dass wir diese Partie hinten heraus noch gezogen haben“, sagte Kaps.
„Wir haben einige Zeit gebraucht, aber dann gezeigt, was den OSV ausmacht und Moral bewiesen“, lautete das Fazit von Oldenburgs Co-Trainer Philip Bohnsack. Nach dem 2:2 zur Pause habe die Mannschaft mit guter mentaler Stärke sogar die Führung übernommen.
Besonders bitter für Bohnsack: Drei der vier Kieler Treffer fielen nach Standardsituationen. „Heute schlagen drei Tore bei uns durch Standards ein und so verlierst du ein Spiel, was meiner Meinung nach auch mit einem Unentschieden verdient gewesen wäre“, lautete die Analyse.

Tatsächlich war Oldenburg über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner und brachte den Tabellenführer an den Rand eines Punktverlustes. „Glückwunsch an Freddy und Team. Für uns heißt es Mund abwischen und voller Fokus auf Eichede“, blickte Bohnsack voraus
„Es war auf jeden Fall ein chaotisches Spiel“
Auch Kjell Knaak, der mit seinem Treffer die Wende einleitete, wusste die Partie anschließend nur schwer in eine Schublade zu stecken. „Es war auf jeden Fall ein chaotisches Spiel“, sagte der Kieler Joker. Gleichzeitig habe die Mannschaft gewusst, dass der OSV gerade bei Standards gefährlich ist. „Wir wussten, dass Oldenburg bei Standards gefährlich ist, und haben es zu spüren bekommen.“
Nach der Pause habe sich das Spiel dann zugunsten der Kieler gedreht. „Das Momentum ist auf unsere Seite gekippt, auch weil wir mit mehr Tempo agiert haben.“ Knaaks Fazit fiel entsprechend knapp aus: „Am Ende zählt der Sieg. Wir haben Moral bewiesen, und es macht uns dieses Jahr auch aus, dass wir solche Spiele noch für uns entscheiden können.“
Genau darin lag am Ende der entscheidende Unterschied. Der Oldenburger SV war taktisch hervorragend eingestellt, stellte den Spitzenreiter vor große Probleme und schnupperte lange an der Überraschung und einem verdienten Punktgewinn. Holstein Kiel II zeigte jedoch jene Widerstandsfähigkeit, die in der vergangenen Saison bei vergleichbaren Spielen noch gefehlt hatte.
Fünfter Sieg in Serie, Tabellenführung verteidigt und ein 2:3 noch in ein 4:3 verwandelt: Die Jungstörche bleiben damit das Maß der Dinge in der Flens-Oberliga.
- Holstein Kiel II – U23: Henrie Müller-Kalthoff – Leland-Jordan Junge, Len Kloppenburg, Felix Lüth, Rene Guder – Veit Lückner (61. Kjell Knaak), Kevin Hahn, Henrik Westphal (77. Cengizhan Koc), Valton Mehmeti (89. Mätthi Meyer) – Islam Matene (46. Kian Tack), Jorden Winter (90. +4 Maximilian Raspe)
- Trainer: Freddy Kaps
- Oldenburger SV: Mike Benecke – Jan-Eric Kränzke, Robin Bünning, Rico Mielke, Marvin Müller – Luca Neumann (81. Leon Wellendorf) – Silas Bünning, Mika Wölk (72. Finn Philipp Severin), Marcell Sobotta, Tolas Shamzin (71. Noah Enseleit) – Daniel Junge
- Trainer: Philip Bohnsack
- Schiedsrichter: Falk Schmidt (TSV Gadeland)
- Assistenten: Jan-Malte Ganz, Jan Malte Plath
- Zuschauer: 160
- Tore: 1:0 Rene Guder (22.), 2:0 Leland-Jordan Junge (39.), 2:1 Marvin Müller (41.), 2:2 Daniel Junge (45.), 2:3 Robin Bünning (56.), 3:3 Kjell Knaak (67.), 4:3 Kian Tack (75.)
Tabelle
| Platz | Mannschaft | Sp. | G | U | V | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (1) | Holstein Kiel II | 8 | 6 | 1 | 1 | 26:12 | 14 | 19 |
| 2. (2) | VfR Neumünster | 8 | 6 | 1 | 1 | 22:9 | 13 | 19 |
| 3. (3) | FC Kilia Kiel | 8 | 5 | 2 | 1 | 19:10 | 9 | 17 |
| 4. (4) | SC Rapid Lübeck (N) | 8 | 5 | 0 | 3 | 19:15 | 4 | 15 |
| 5. (5) | TSB Flensburg (N) | 8 | 3 | 2 | 3 | 21:15 | 6 | 11 |
| 6. (6) | 1.FC Phönix Lübeck II | 8 | 3 | 2 | 3 | 20:20 | 0 | 11 |
| 7. (↑ 11) | Heider SV | 8 | 3 | 2 | 3 | 14:21 | -7 | 11 |
| 8. (↓ 7) | Oldenburger SV | 8 | 3 | 1 | 4 | 19:21 | -2 | 10 |
| 9. (↑ 12) | TuS Rotenhof | 8 | 2 | 4 | 2 | 14:17 | -3 | 10 |
| 10. (↓ 8) | TSV Nordmark Satrup | 8 | 3 | 1 | 4 | 12:17 | -5 | 10 |
| 11. (↓ 9) | PSV Neumünster | 8 | 2 | 3 | 3 | 13:17 | -4 | 9 |
| 12. (↓ 10) | Kaltenkirchener TS | 8 | 2 | 2 | 4 | 14:18 | -4 | 8 |
| 13. (↑ 15) | VfB Lübeck II (N) | 8 | 2 | 1 | 5 | 12:22 | -10 | 7 |
| 14. (↓ 13) | SV Eichede | 8 | 1 | 3 | 4 | 8:10 | -2 | 6 |
| 15. (↓ 14) | MTSV Hohenwestedt | 7 | 1 | 3 | 3 | 15:18 | -3 | 6 |
| 16. (16) | Eckernförder SV (N) | 7 | 2 | 0 | 5 | 13:19 | -6 | 6 |
