Rot-Schwarz Kiel setzt Aufholjagd fort: Vierter Sieg in Folge

von Ismail Yesilyurt

Marc Zeller (Rot-Schwarz Kiel) hatnach der Partie gegen hattstedt schon 5 Tore auf seine Konto. © 2026 Ismail Yesilyurt

Bei der SSG Rot-Schwarz Kiel läuft es wieder. Nach drei Niederlagen und 0:5 Toren zum Saisonstart hat die Mannschaft von Trainer Ove Saß die Kurve eindrucksvoll bekommen. Mit dem 3:1 (2:0) gegen den TSV Hattstedt feierten die Kieler bereits den vierten Sieg in Folge und katapultierten sich in der Landesliga Schleswig von Platz 15 auf Rang 5.

Dabei hatte der Tabellenletzte aus Nordfriesland durchaus seine Möglichkeiten. Die Gäste erspielten sich genug hochkarätige Chancen, um als Sieger den Platz zu verlassen. Doch die Auswahl von Sebastian Kiesbye verzweifelte an der eigenen Abschlussqualität und den haarsträubenden Fehlern in der Defensive.

Blitzstart durch David Lohr

Die Partie war gerade einmal vier Minuten alt, da lag der Ball bereits im Hattstedter Netz. David Lohr nutzte einen Fehler in der Innenverteidigung der Gäste und brachte Rot-Schwarz früh mit 1:0 in Führung.

Für TSV-Trainer Sebastian Kiesbye war genau dieser Treffer symptomatisch für den gesamten Nachmittag. „Wir beginnen gut, machen dann, wie gesagt, den ersten Fehler in der Innenverteidigung, verstolpern den Ball“, erklärte der Coach. Rot-Schwarz habe den Ballgewinn anschließend gut ausgespielt.

Hattstedt ließ sich vom frühen Rückstand allerdings nicht aus der Bahn werfen. Im Gegenteil: Die Gäste erspielten sich anschließend eine ganze Reihe bester Möglichkeiten.

Hattstedt vergibt zu viel

Nach dem 0:1 entwickelte sich eine Partie, in der der Tabellenletzte spielerisch keineswegs wie ein Schlusslicht auftrat. Hattstedt kam immer wieder gefährlich vor das Kieler Tor, brachte den Ball aber einfach nicht über die Linie.

Sebastian Kiesbye und der TSV Hattstedt verließen mit dem 1:0 in Kropp den direkten Abstiegsplatz. © 2025 Ismail Yesilyurt
Sebastian Kiesbye und der TSV Hattstedt hatten viel Sch… am Fuß. © 2025 Ismail Yesilyurt

„Dann haben wir drei oder vier hochkarätige Chancen, wirklich sehr große Chancen, toll herausgespielt“, ärgerte sich Kiesbye. Nach seiner Einschätzung hätte es zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens 1:1 stehen müssen.

Doch neben der mangelnden Chancenverwertung sorgten weitere individuelle Fehler dafür, dass die Gäste sich selbst um den verdienten Lohn ihrer Arbeit brachten. Ein weiterer Fehlversuch in der Innenverteidigung leitete den zweiten Kieler Treffer ein.

Zeller erhöht kurz vor der Pause

Der zweite kapitale Fehler wurde von Rot-Schwarz konsequent bestraft. Ein Hattstedter Verteidiger wollte den Ball per Grätsche klären, hatte dabei laut Kiesbye eigentlich ausreichend Zeit, spielte den Ball jedoch direkt in den Fuß eines Kielers. Der Rettungsversuch blieb erfolglos, sodass Marc Zeller die Führung kurz vor der Pause auf zwei Tore ausbaute.

Damit war Hattstedt zur Halbzeit keineswegs chancenlos, lag aber dennoch mit 0:2 zurück. Und die Liste der vergebenen Möglichkeiten wurde immer länger. „Ich glaube, wir hatten in der ersten Halbzeit schon sechs, sieben hochkarätige Chancen“, sagte Kiesbye. Freie Abschlüsse aus rund zehn Metern, ein Versuch knapp am Pfosten vorbei und ein weiterer Ball an den Außenpfosten gehörten zu den vergebenen Gelegenheiten.

Dritter Fehler, drittes Gegentor

Die Halbzeitansprache fiel entsprechend eindeutig aus. „Die Ansage in der Halbzeit war bis auf kleine Stellschrauben eigentlich nur, die Chancen reinzumachen, die Fehler abzustellen“, berichtete Kiesbye. Doch die Fehler ließen sich nicht abstellen.

Hattstedt kam unmittelbar nach Wiederbeginn erneut zu einer großen Gelegenheit, vergab diese aber. Nur wenige Augenblicke später folgte der nächste folgenschwere Patzer. Torhüter Boy Tamme Boysen stand bei einem langen Ball zu weit vor seinem Tor und konnte nicht rechtzeitig zurückeilen.

Ein Hattstedter Verteidiger schoss bei einem Klärungsversuch zudem einen Gegenspieler an. Rot-Schwarz nutzte auch diesen Fehler gnadenlos aus. Marc Zeller nahm den Ball auf und schob ihn aus rund 30 Metern ins verwaiste Tor. 3:0 nach 52 Minuten – die Partie schien entschieden.

Kayali sieht Gelb-Rot, Hattstedt schöpft Hoffnung

Mit dem dritten Gegentreffer sanken bei den Gästen zunächst die Köpfe. Doch Hattstedt witterte noch einmal eine neue Chance, als Rot-Schwarz in der Schlussphase dezimiert wurde. Emre Kayali sah in der 76. Minute die Gelb-Rote Karte, sodass die Kieler die letzten Minuten in Unterzahl bestreiten mussten.

Hattstedt nutzte die numerische Überlegenheit und kam zwei Minuten später zum Anschlusstreffer. Tom Heldt verkürzte auf 1:3 und plötzlich war die Partie wieder etwas offen.

Auch das 3:2 liegt auf dem Fuß

Der TSV hätte beinahe tatsächlich noch einmal für Spannung gesorgt. Nach einer scharfen Hereingabe sprang der Ball gefährlich auf, doch der Hattstedter Außenstürmer setzte den Ball aus kurzer Distanz über das leere Tor. Kiesbye konnte diese Szene kaum fassen. „Aus drei Metern, vier oder fünf Metern leeres Tor“, schilderte der Trainer die vergebene Gelegenheit. Damit war die wohl letzte Möglichkeit auf eine spektakuläre Aufholjagd dahin.

„Dann verlierst du so ein Spiel 3:1“

Am Ende musste Hattstedt trotz einer offensiv starken Vorstellung mit einer 1:3-Niederlage die Heimreise antreten. Kiesbye zog entsprechend ernüchtert Bilanz. „Ich glaube, es waren fünfzehn Torchancen im gesamten Spiel, daraus ein Tor zu schießen und dann extreme, heftige drei Fehler zu machen“, bilanzierte Kiesbye, „dann verlierst du so ein Spiel 3:1, wirklich sehr unnötig.“ Aus seiner Sicht hatte Hattstedt sogar den besseren Fußball gezeigt und sich deutlich mehr Torchancen erarbeitet.

Stimmen zum Spiel

Sebastian Kiesbye (Trainer TSV Hattstedt)
  • SSG Rot-Schwarz Kiel: Philipp Ruehter – Justus Kiewald, Jonathan Elsner, Malte Kratzenberg – Bennet Leuschner (78. Jonathan Suchocki), Tim Kannenberg, Emre Kayali, Tim Jansa, David Lohr (46. Leif Lekebusch) – Chima. Iheagwaram, Marc Zeller (88. Malte Lüdtke)
  • Trainer: Ove Saß
  • TSV Hattstedt: Boy Tamme Boysen (72. Fynn Wachsmuth) – Ruven Jorden, Luca Sander, Leon Poschkamp (67. Tom Heldt), Tobias Wetzel – Mart Lewe Michelsen, Ruda Jaber, Nico Thiesen – Mirko Krueger, Rinor Ademi, Niklas Ludwig
  • Trainer: Sebastian Kiesbye
  • Schiedsrichter: Steffen Brandt (SV Wasbek)
  • Assistenten: Torben Jens John, Niclas Weiß
  • Zuschauer: 33
  • Gelb-Rote Karte: Emre Kayali (76., RS Kiel)
  • Tore: 1:0 David Lohr (4.), 2:0 Marc Zeller (43.), 3:0 Marc Zeller (52.), 3:1 Tom Heldt (78.)

Tabelle

Landesliga Schleswig
Platz Mannschaft Sp. G U V Tore Diff. Pkt.
1. (1) TSV Kronshagen 7610 23:71619
2. (2) Inter Türkspor Kiel (A) 7511 28:62216
3. (3) TSV Klausdorf 7430 14:8615
4. (↑ 5) SC Weiche Flensburg 08 II 7403 20:15512
5. (↑ 7) SSG Rot-Schwarz Kiel 7403 12:10212
6. (↓ 4) TuS Nortorf (N) 7403 13:12112
7. (↑ 8) SV Frisia 03 Risum-Lindholm 7322 19:17211
8. (↓ 6) Husumer SV (N) 7232 16:18-29
9. (↑ 11) Heikendorfer SV (N) 7223 11:17-68
10. (10) TSV Friedrichsberg-Busdorf 6213 6:10-47
11. (↓ 9) SV Dörpum 7214 9:14-57
12. (12) SpVg Eidertal Molfsee 7205 11:14-36
13. (13) TSV Rantrum 6123 14:16-25
14. (14) TSV Kropp 6123 6:15-95
15. (15) TSV Heiligenstedten (N) 7115 10:25-154
16. (16) TSV Hattstedt 6033 10:18-83

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