Auf Mika Lorenz war Verlass – Der Neuzugang rettete mit drei Paraden den Sieg. © 2026 Volker Schlichting
Der Heider SV hat das Viertelfinale im Kreispokal Westküste erreicht. Am Dienstagabend konnte sich der Flens-Oberligist äußerst knapp mit 3:2 bei der SG Geest (2:0) durchsetzen. Vor knapp 400 Zuschauern auf dem kleinen Platz in Eggstedt schnupperte der Verbandsligist in der zweiten Halbzeit sogar kurzzeitig an der Sensation, ehe dem Favoriten ein später Treffer von Tarek von Böhlen (84.) den Weg in die nächste Runde ebnete. Dort treffen die Heider in der letzten Augustwoche mit dem TSV Friedrichskoog erneut auf einen Verbandsligisten.
Heide mit fünf Ausfällen
Neben den Langzeitverletzten Jannis Hinz und Vasyl Tanchak musste der Flens-Oberligist auf fünf weitere Spieler verzichten. Patrick Storb und Fabian Arndt fehlten wegen Knieproblemen. Christopher Buchtmann (Muskelfaserriss an den Adduktoren) und Steffen Neelsen (gebrochener Finger) mussten ebenso passen wie Mika Kieselbach, der zum Saisonauftakt nach einem Zusammenprall mit dem Torhüter von Rapid Lübeck über anhaltende Kopfschmerzen klagt. Wahrscheinlich soll hier ein eingeklemmter Nerv die Ursache sein. Der Einsatz in Neumünster ist aber nicht gefährdet.
Gegen die defensiv sehr kompakt ausgerichteten Gastgeber spielte der Oberligist – im Duell der Finalisten der letztjährigen Pokalrunde – in der ersten Hälfte sehr konzentriert und abgeklärt.
Fleige mit dem Führungstreffer
Der verdiente Lohn für den guten Beginn war der frühe Führungstreffer durch Hendrik Fleige (9.) mit einem Flachschuss aus halblinker Position nach schöner Vorarbeit von Jonah Gieseler, der die Heider Sturmspitze mit einem Steckpass schön in Szene gesetzt hatte.
Busch mit dem zweiten Treffer
Mit viel Routine und einigen guten Chancen zwischendurch – die allesamt ungenutzt blieben – bestimmten die Gäste den ersten Durchgang deutlich, ehe der Oberligist nach knapp einer halben Stunde den zweiten Treffer nachlegen konnte. Nach einem Tiefenpass von Thede Reimers lässt Jonah Gieseler an der Strafraumgrenze den Ball klatschen für Lennart Busch, der mit einem Schuss aus gut 15 Metern flach in die rechte Ecke erfolgreich ist.
Bei gefühlt 75 Prozent Ballbesitz für den Oberligisten, der es verpasst, sich bis zur Pause deutlicher abzusetzen, scheint das Spiel nach 45 Minuten entschieden.
Doch nach einer deutlichen Ansprache von Trainer Andi Köller kommt der Verbandsligist wie verwandelt mit einer ganz anderen Körpersprache und Energie aus der Halbzeitpause zurück.

Lorenz mit zwei Paraden
Zweimal kann Heides Torhüter Mika Lorenz kurz nach dem Seitenwechsel seine Mannschaft vor dem Anschlusstreffer der bis dahin harmlosen Gastgeber bewahren. Zunächst kann der 23-Jährige nach einem langen Ball gegen Jarrik Freund (47.) klären, und nur zwei Minuten später ist der 1,98 Meter große Hüne mit einer Fußabwehr zur Stelle.
Jarrik Freund mit dem Anschlusstreffer
Doch die Gastgeber sind jetzt endlich aus ihrer Lethargie erwacht und liefern dem Heider SV einen ansehnlichen Pokalfight. Nach einem Steckpass kann sich der robuste Jarrik Freund erfolgreich im Laufduell gegen Helge Kroeger (54.) behaupten und mit einem Flachschuss den 1:2-Anschlusstreffer erzielen. „Da war Eggstedt am Kochen“, freute sich Geest-Trainer Andi Köller über die typische Pokalatmosphäre, wenn der Außenseiter drauf und dran ist, dem Favoriten ein Bein zu stellen.
Heide verpasst die Vorentscheidung
Auf der Gegenseite verpasst es der Oberligist, den alten Zwei-Tore-Abstand wiederherzustellen. Dabei scheitert Mathis Harms am glänzend reagierenden Torhüter Torben Franzenburg, und Jonah Gieseler setzt einen Kopfball in aussichtsreicher Position knapp über das Tor.

Distanzschuss von Rohwedder bringt den Ausgleich
Aber die Gastgeber glauben weiter an ihre Chance und versuchen es immer wieder mit langen Bällen auf ihre Spitzen Jarrik Freund und Alexander Marohn. Mit einem Distanzschuss aus gut 20 Metern ins linke untere Eck gelingt Tewes Rohwedder (67.) in einem inzwischen sehr wilden Spiel tatsächlich der nicht unverdiente 2:2-Gleichstand. Alexander Marohn hatte zuvor den Ball am Fünfmeterraum festgemacht und dann für Rohwedder aufgelegt.
Marohn scheitert an Lorenz
Und es hätte für die Gastgeber noch viel besser kommen können: Denn als Alexander Marohn (72.) aus gut sieben Metern völlig freistehend am glänzend parierenden Mika Lorenz im Heider Tor mit einer Wahnsinnsparade scheitert, lag sogar die Sensation in der Luft.
Von Böhlen mit dem Siegtreffer
Aber die Heider Qualität bei ruhenden Bällen sorgt für den entscheidenden Treffer. Nach einem Freistoß von Azat Selcuk kommt Tarek von Böhlen (84.) im Strafraum aus dem Gewühl zum Schuss, und durch ganz viele Beine hindurch findet der Ball den Weg zum 3:2 in das Tor der Gastgeber. Damit ist die Partie zugunsten des Favoriten entschieden, der sich dabei aber wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat.

Lorenz und von Böhlen mit Bestnoten
Heide überzeugte in der hektischen Schlussphase allenfalls mit viel Willenskraft. Herausragend war Torhüter Mika Lorenz mit drei ganz wichtigen Paraden. Im selben Atemzug ist Siegtorschütze Tarek von Böhlen zu nennen, der mit seiner Robustheit und Körperlichkeit gerade zum Spielende hin ein ganz wesentlicher Faktor für den Heider Sieg wurde.
Rudelbildung nach Spielende
Nach gegenseitigen Provokationen gab es unmittelbar nach Spielende noch eine kleine Rudelbildung zwischen Spielern beider Mannschaften – darunter auch der spät eingewechselte Heider Marwan Abduljabar, der bereits verwarnt gewesen war. Daraufhin zeigte Schiedsrichter Paulsen dem erst 17-Jährigen die Gelb-Rote Karte, während der Geester Spieler die Gelbe Karte sah.
Stimmen zum Spiel
Trainer Andi Köller (SG Geest 05): „Ein Superpokalfight von uns. Wir haben das richtig stark angenommen. Leider konnten wir uns nicht belohnen. Wenn wir das 3:2 machen, ist da noch einmal viel mehr Action drin. Dann kommt Heide in Not. Wir haben beim Stand von 2:2 das Spiel viel mehr an uns genommen. Haben Heide da teilweise auch schlecht aussehen lassen. Die waren recht ideenlos. Es war noch einmal richtig spannend. Da war das Spiel auf des Messers Schneide. Da merkte man schon, dass viel Druck auf dem Kessel stand.“
Geschäftsführer Hannes Nissen (Heider SV): „In der ersten Halbzeit haben wir, trotz Ausfalls sämtlicher Leistungsträger, eine sehr dominante und ansehnliche Leistung gezeigt. Wir müssen 3:0, eigentlich eher 4:0 führen. Nach der Halbzeit lassen wir es dann gefühlt drei, vier Gänge ruhiger angehen und holen den aufopferungsvoll kämpfenden Gegner zurück ins Spiel. Das darf niemals passieren.
Mit dem 2:2 wird es dann ein Pokalfight und ein sehr unkontrolliertes Spiel. Am Ende bin ich froh, dass die Mannschaft diese Herausforderung angenommen hat und das Weiterkommen erzwungen hat. Wir sollten dennoch in Zukunft solche Spiele früher entscheiden und es vermeiden, unnötig Spannung aufkommen zu lassen. Das muss unser Anspruch sein.“
- SG Geest: Franzenburg – Eggertz, Clausen, David Freund, Rohwedder (82. Claußen) – Hartz (46. Steffensen), Kuhrt, Schmidt (55. Butzek), Vollert – Marohn, Jarrik Freund (90.+3 Neelsen).
- Trainer: André Köller.
- Heider SV: Lorenz – Busch, Luca Wichmann, Kröger, Lampros (57. von Böhlen) – Reimers – Wolf (71. Abduljabar), Harms (90.+4 Boukara), Gieseler, Selcuk (90. Dreyer) – Fleige.
- Trainer: Markus Wichmann.
- Schiedsrichter: Patrick Paulsen (FC Offenbüttel).
- Assistenten: Dennis Martens und Tobias Busch.
- Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte für Marwan Abduljabar (90.+5, Heider SV). War beteiligt an einer Rudelbildung nach Spielende und hatte bereits zuvor die Gelbe Karte gesehen.
- Zuschauer: 400 auf dem Sportplatz in Eggstedt.
- Tore: 0:1 Hendrik Fleige (9.), 0:2 Lennart Busch (32.), 1:2 Jarrik Freund (54.), 2:2 Tewes Rohwedder (67.), 2:3 Tarek von Böhlen (84.).
