1:3-Heimpleite gegen Aufsteiger – Heider SV verpatzt den Saisonstart

von Olaf Wegerich

Fabian Arndt (Heider SV) wird von Lasse Meier (li), Ivan Taritas und Emmanuel Rivera (Rapid Lübeck) in die Zange genommen. © 2026 Volker Schlichting


Bruchlandung für den Heider SV: Der Saisonauftakt in der Flens-Oberliga ist der Mannschaft von Trainer Markus Wichmann völlig missglückt. Nach einer blutleeren Vorstellung unterliegen die Dithmarscher dem mutig aufspielenden Aufsteiger SC Rapid Lübeck völlig verdient mit 1:3 (0:0) und finden sich vorerst am Tabellenende wieder. Am Mittwoch steht der schwere Gang zum Titelaspiranten Nummer Eins, Holstein Kiel II, auf dem Programm. Sollten sich die Heider nicht deutlich steigern, droht ein klassischer Fehlstart. Die Hansestädter überzeugten vor 375 Zuschauern im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße mit einer couragierten Leistung und krönten ihre Oberligapremiere gleich mit einem verdienten Auswärtssieg.

Vor dem Spiel stand Heides Trainer Markus Wichmann vor der Qual der Wahl, welche Akteure nicht den Sprung in den Spieltagskader schaffen. Diesmal erwischte es Torhüter Niklas Simson, Helge Kröger und Luca Wichmann.

Rapid legt munter los

Bereits in den Anfangsminuten zeigte der Aufsteiger, der im 60. Jahr nach seiner Gründung erstmalig den Sprung in die höchste Amateurklasse des Landes geschafft hat, keine Scheu vor dem großen Namen – was bei einer Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von nur 21 Jahren durchaus Respekt abnötigt. Mit dem 35-jährigen Kapitän Emmanuel Rivera – der bereits für den VfR Neumünster und den NTSV Strand 08 fast 100 Oberligaspiele absolviert hatte – stand nur ein wirklich erfahrener Akteur in der Startelf. Drei Spieler von Rapid, dem kleinen Verein aus dem Stadtteil St. Lorenz, haben keinerlei Oberligaerfahrung vorzuweisen.

(Rapid Lübeck) blockt den Schussversuch von Steffen Neelsen (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting
Leon Bilic (Rapid Lübeck) blockt den Schussversuch von Steffen Neelsen (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting

Lorenz verhindert frühen Rückstand

Bereits nach 120 Sekunden musste Heides Torhüter Mika Lorenz – der diesmal den Vorzug vor Christopher Thomsen erhalten hatte – all sein Können aufbieten, um bei einem Distanzschuss der Marzipanstädter einen frühen Rückstand zu verhindern.

Die Gastgeber konnten im ersten Durchgang in einem sehr zerfahrenen Spiel zwar deutliche Feldvorteile für sich verbuchen, aber außer zwei Großchancen von Mika Kieselbach, der einmal an Torhüter Sami Aboukassim scheiterte und beim zweiten Versuch den Ball neben das Tor schlenzte, wurde es kaum einmal gefährlich.

Deutlich entschlossener und zielstrebiger agierte hingegen der Aufsteiger, der keinen Zweikampf scheute und sich das Remis zur Pause durchaus verdiente. Wäre Amir Aboukassim nicht frei vor dem glänzend reagierenden Mika Lorenz gescheitert, hätte der vermeintliche Außenseiter bereits zur Pause geführt.

Wer von den Zuschauern bei den Gastgebern nach dem Seitenwechsel auf eine Leistungssteigerung gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Die Darbietung nach der Pause wurde eher noch dürftiger, und das wussten die selbstbewussten Gäste konsequent zu nutzen.

Walid El Gafsi (Rapid Lübeck) versucht Mathis Harms (Heider SV) zu stoppen. © 2026 Volker Schlichting
Walid El Gafsi (Rapid Lübeck) versucht Mathis Harms (Heider SV) zu stoppen. © 2026 Volker Schlichting

Doppelschlag von Dürr bringt Rapid die Führung

Nur zwei Minuten nach dem Seitenwechsel schlagen die Lübecker mit ihren schnellen Spitzen eiskalt zu. Dabei wird Sturmspitze Jonas Dürr (47.) von Amir Aboukassim perfekt freigespielt, dreht auf, lässt einen Gegenspieler stehen und vollendet abgebrüht zum Führungstreffer.

Doch damit nicht genug: Nur acht Minuten später können die Rapidler gegen völlig indisponierte Gastgeber den zweiten Treffer nachlegen. Erneut ist Jonas Dürr (55.) der Torschütze, diesmal kam die Vorarbeit von Ivan Taritas. Wieder lässt der Doppeltorschütze einen Heider Gegenspieler alt aussehen, um dann zum 2:0 einzuschieben.

70 Prozent reichen nicht

Doch auch nach dem Zwei-Tore-Rückstand ist kaum ein ernsthaftes Aufbäumen bei den Gastgebern zu erkennen. „Rapid hat uns den Schneid abgekauft. Nach den guten Auftritten gegen den TSB Flensburg und den VfB Lübeck haben vielleicht einige gedacht, dass heute 70 Prozent reichen“, räumte HSV-Trainer Markus Wichmann ein und bemängelte vor allem die mangelnde Einstellung der meisten seiner Akteure auf dem Platz.

Auch ein Vierfachwechsel nach 56 Minuten, als mit Jonah Gieseler, Henrik Fleige, Marvin Wolf und dem erst 17-jährigen Rafail Lampros noch einmal frische Kräfte kamen, verpuffte nahezu wirkungslos.

Aus einer schwachen Heider Mannschaft wussten allenfalls Jonah Gieseler, Patrick Storb und mit Abstrichen Tarek von Böhlen zu gefallen. „Da hat keiner so richtig das Heft in die Hand genommen und versucht, das Schiff zu lenken“, fand Wichmann deutliche Worte.

Emmanuel Rivera (Rapid Lübeck) im Duell mit Thede Reimers (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting
Emmanuel Rivera (Rapid Lübeck) im Duell mit Thede Reimers (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting

Auch Christopher Buchtmann konnte in dieser schwierigen Phase mit all seiner Erfahrung aus dem Profifußball der Mannschaft nicht den richtigen Halt geben und blieb nach den starken Leistungen in den letzten Spielen diesmal deutlich unter seinen Möglichkeiten. „Buchti ist diesmal nicht so in Erscheinung getreten“, erkannte auch Wichmann. Allerdings gab es dafür auch Gründe, denn den 34-jährigen Führungsspieler plagten Leistenprobleme, wie Geschäftsführer Hannes Nissen gegenüber Youkick einräumte.

Zwar kamen die Dithmarscher in der Folge zu einigen guten Torchancen, doch Henrik Fleige traf aus drei Metern nur die Latte und Mathis Harms sowie Jonah Gieseler vergaben weitere gute Gelegenheiten, als sie am Lübecker Torhüter scheiterten.

Heide defensiv anfällig

Die Kehrseite der Medaille: Die Gastgeber waren hinten offen wie ein Scheunentor und hätten in der zweiten Hälfte bei den vielen Lübecker Großchancen durch die schnell vorgetragenen Konterangriffe auch deutlich mehr Gegentore schlucken können. Das sah auch Trainer Wichmann so: „Uns sind immer wieder Fehler im Spielaufbau unterlaufen. Es hat uns einfach die Zielstrebigkeit gefehlt. Wenn wir in der zweiten Hälfte fünf oder sechs Gegentore kassieren, dürfen wir uns auch nicht beschweren.“

Während bei den Gästen nach gut siebzig Minuten zunehmend die Kräfte schwinden, sieht sich auch Rapid-Coach Christian Arp in der Schlussphase zu vier Wechseln gezwungen.

Kieselbach verwandelt Foulelfmeter

Doch dreizehn Minuten vor Spielende schöpfen die Gastgeber nach einem Foulspiel an Jonah Gieseler, der im Strafraum gelegt wurde, durch einen verwandelten Foulelfmeter des ansonsten oft glücklos agierenden Mika Kieselbach (77.) noch einmal Hoffnung.

Hendrik Fleige vom Heider SV behauptet den Ball. © 2026 Volker Schlichting
Hendrik Fleige vom Heider SV behauptet den Ball. © 2026 Volker Schlichting

Schlussoffensive ohne Ertrag

Heide wirft zwar noch einmal alles nach vorne, doch die Mannschaft von Trainer Christian Arp („Meine Jungs haben wie die Löwen gekämpft“) wirft sich in jeden Schussversuch und verteidigt mit viel Leidenschaft und Herzblut die knappe Führung. Herausragend dabei: Abwehrchef Emmanuel Rivera, der den Laden zusammenhält. Der Routinier aus der Dominikanischen Republik kann in der hektischen Schlussphase, als Heide noch einmal Morgenluft wittert, mit großem Einsatz und voller Hingabe mehrere Schussversuche der Dithmarscher erfolgreich blocken und wird dabei zum Turm in der Abwehrschlacht.

Aber die Gastgeber machen sich bei ihrer Schlussoffensive das Leben auch selbst schwer. Neben der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit bemängelte Geschäftsführer Nissen gegenüber Youkick sogar eine körperliche Unterlegenheit in der Zweikampfführung und sprach nach Spielende von einer der schlechtesten Leistungen der Mannschaft in seiner fast vierjährigen Amtszeit.

Ein weiterer Grund für die mangelnde Effizienz aufseiten der Gastgeber waren die oft schlecht getimten Flanken. „Die Bälle auf den zweiten Pfosten waren alle zu lange in der Luft. Da fehlte die Passschärfe“, äußerte auch hier Wichmann deutliche Kritik.

Flugeinlage von Torhüter Sami Aboukassim (Rapid Lübeck). © 2026 Volker Schlichting

Treffer von Arp bringt die Entscheidung

Spätestens mit dem dritten Treffer der Gäste durch Trainersohn Tino Arp (81.) mit einem Schlenzer in den Winkel ist die Heider Blamage perfekt. „Das war eine absolut verdiente Niederlage. Vielleicht war das noch rechtzeitig ein Schuss vor den Bug“, sagte der Heider Trainer abschließend.

Stimmen zum Spiel

Geschäftsführer Hannes Nissen (Heider SV): „Der Start ist natürlich komplett misslungen. Das müssen wir jetzt akzeptieren. Wir haben viele Dinge vermissen lassen. Die Jungs wissen selbst am besten, dass sie heute schlecht performt haben. Wir verlieren jetzt nicht die Ruhe. Sammeln, analysieren und dann Mittwoch besser machen.“

Jonah Gieseler (Heider SV): „Aus meiner Sicht hat über weite Strecken im Spiel die Entschlossenheit gefehlt. Einmal defensiv – wir haben das den guten Einzelspielern von Rapid zu einfach gemacht, zu leicht gemacht. Im Zweikampf haben wir uns da nicht gut angestellt; das, was wir die letzten Spiele gut gemacht haben: im geschlossenen Pressing immer wieder Druck zu machen und die Gegner unter Druck zu setzen, damit sie keine Lösungen finden können. Das hat einfach ein bisschen gefehlt. Dann fand ich, war es einfach ein Spiel, das in beide Richtungen 6:3 ausgehen kann. Ich fand, wir haben auch viele Chancen gehabt. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir noch einmal guten Schwung in das Spiel reinbekommen. Das 1:2 gemacht. Am Ende fehlt nachher ein bisschen die Entschlossenheit auch im Abschluss, vielleicht auch das Quäntchen Glück mit unserem Lattentreffer. Unterm Strich, so wie wir heute gespielt haben, eine verdiente Niederlage. Wir müssen jetzt den Fokus auf Mittwoch richten und da mit vollem Willen gegen Holstein antreten.“

Stimmen Pressekonferenz

Christian Arp (Trainer Rapid Lübeck) PK
Markus Wichmann (Trainer Heider SV) PK
Christian Arp (Trainer Rapid Lübeck)
  • Heider SV: Lorenz – Busch (56. Fleige), Neelsen (56. Lampros), Storb, von Böhlen – Buchtmann, Reimers – Arndt (56. Gieseler), Harms, Selcuk (56. Wolf) – Kieselbach.
  • Trainer: Markus Wichmann.
  • SC Rapid Lübeck: Sami Aboukassim – Knott (76. Nagel), Meier, Rivera, El Gafsi (63. Spieker) – Voeks (78. Cann), Taritas, Arp (88. Betani-Baku), Bilic, Amir Aboukassim (64. Morr) – Dürr.
  • Trainer: Christian Arp und Dario Bilic.
  • Schiedsrichter: Sven Erik Asmussen (TSV Altenholz).
  • Assistenten: Tobias Illner und Jonas Fischer.
  • Zuschauer: 375 im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße in Heide.
  • Tore: 0:1 Jonas Dürr (47.), 0:2 Jonas Dürr (55.), 1:2 Mika Kieselbach (76. Foulelfmeter), 1:3 Tino Arp (81.).

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