Marvin Thiel (VfB Lübeck) lässt in der 97. Minute die Lohmühle beben. © Olaf Wegerich
Es lief bereits die siebte Minute der Nachspielzeit, als sich Marvin Thiel den Ball zurechtlegte. Die Flutlichtmasten der Lohmühle brannten, 2.665 Zuschauer hielten den Atem an. Ein Freistoß aus zentraler Position, die wohl allerletzte Aktion der Partie. Der Kapitän des VfB Lübeck trat an – und traf. Mit einem strammen, platzierten Schuss versenkte er das Leder im Netz und sorgte für Ekstase auf den Rängen. Das 1:1 (0:0) gegen die SV Drochtersen/Assel war ein Punktgewinn der Moral, ein Kraftakt in letzter Sekunde.
Zähes Ringen und ein Freistoß-Schock
Zuvor hatten sich die Grün-Weißen und die Gäste aus Niedersachsen einen intensiven und lange Zeit zerfahrenen Kampf geliefert. Der VfB war von Beginn an bemüht, die Spielkontrolle zu übernehmen, tat sich gegen die physisch präsenten Drochtersener jedoch schwer. Chancen gab es auf beiden Seiten, doch entweder parierten die Torhüter – Finn Böhmker auf Lübecker und Patrick Siefkes auf Gäste-Seite – oder es fehlte die letzte Präzision. So ging es folgerichtig torlos in die Kabinen.
Nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung umkämpft, ohne dass sich eines der Teams klare Vorteile erarbeiten konnte. In der 60. Minute dann der Schock für den VfB: Drochtersens Philipp Aue verwandelte einen Freistoß aus zentraler Position sehenswert zur 0:1-Führung. Lübeck bemühte sich um eine Antwort, rannte jedoch immer wieder gegen die kompakte Gäste-Defensive an. Als sich bereits alles auf eine bittere Heimniederlage einstellte, folgte Thiels großer Moment.
„Ein gewonnener Punkt“ – Joel Chinaemerem Amadi mit Comeback
Nach dem Schlusspfiff war die Erleichterung im Lübecker Lager greifbar. Mittelfeldspieler Julian Albrecht ordnete die Partie realistisch ein:
„Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, im Allgemeinen war es ein zähes Spiel. Viele lange Bälle, viel Kampf im Zentrum. So richtige Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht viele. Deswegen nehmen wir den Punkt am Ende auf jeden Fall gerne mit.“
Besonders wichtig war der Punktgewinn auch als Zeichen der Geschlossenheit in schwierigen Zeiten. „Das haben wir uns vor dem Spiel noch einmal gesagt, dass wir auf jeden Fall nicht verlieren wollen. Deswegen ist das für uns ein gewonnener Punkt“, so Albrecht.
Ein weiterer emotionaler Höhepunkt des Abends war das Comeback von Joel Chinaemerem Amadi, der nach längerer Verletzungspause wieder auf dem Platz stand und direkt für Torgefahr sorgte.
„Es hat sich auf jeden Fall gut angefühlt, wieder dabei zu sein und ein paar Minuten zu sammeln“, freute sich der Rückkehrer.
Dass er zwei gute Chancen auf den Ausgleich ungenutzt ließ, kommentierte er selbstbewusst: „Die Chancen, die ich vergeben habe – das ist die Spielpraxis. Wenn ich wieder komplett drin bin und Spiele sammle, mache ich die normalerweise easy rein.“
VfB Lübeck: Finn Böhmker – Arber Mrijaj, Bjarne Pfundheller, Marvin Thiel, Yusuf Wardak (84. Linus Goldmann), Gianluca Pelzer, Fabian Istefo, Dardan Karimani (88. Rohin Shivani), Julian Albrecht (64. Joel Chinaemerem Amadi), Mika Lehnfeld (88. Ramiz Demir), Davyd Ramaki.
Trainer: Guerino Capretti.
SV Drochtersen/Assel: Patrick Siefkes – Tjorve Mohr, Jannes Wulff, Jannes Elfers (70. Alla Hamid), Miguel Fernandes (80. Matti Cebulla), Haris Hyseni (90. Jelldrik Dallmann), Jorik Wulff, Nico von der Reith (94. Nikola Serra), Maurits Nagel, Liam Giwah, Philipp Aue.
Trainer: Oliver Ioannou.
Schiedsrichter: Florian Pötter (FC Voran Ohe).
Assistenten: Florian Schwarze, Björn Lassen.
Zuschauer: 2.665.
Tore: 0:1 Philipp Aue (60.), 1:1 Marvin Thiel (90.+7).
