Matchwinner Marcel Reinke (Suchsdorfer SV) gegen Andreas Büssau (re., TSV Flintbek). © 2026 Ismail Yesilyurt
Der Fußballgott trug am Mittwochabend offenbar ein hellblaues Trikot. Im Nachholspiel des 8. Spieltags der Verbandsliga Ost setzte sich der Suchsdorfer SV beim TSV Flintbek mit 4:2 (1:1) durch. Glücklich, wie selbst SSV-Trainer Dennis Guscinas einräumte, aber mit einem Mann, der den Unterschied machte: Marcel Reinke erzielte sämtliche vier Treffer der Gäste und avancierte damit zum Matchwinner.
Guscinas und sein Team hatten nicht nur Beistand von ganz oben, sondern auch ihren Gott auf dem kleinen Kunstrasenplatz in Flintbek: Für Marcel Reinke war es ein Abend wie gemalt. Mit seinem Viererpack erhöhte der linke Mittelfeldspieler sein persönliches Saisonkonto auf sechs Treffer. Vier Chancen, vier Tore – Suchsdorfs Nummer 10 mit einer Traumquote im Abschluss.
Reinke bringt Suchsdorf früh in Führung
Die Flintbeker zeigten von Beginn an, wer die aktivere Mannschaft an diesem Abend ist. Die erste Möglichkeit lag auch auf Seiten der Elf von Stephan Mordhorst. Nach einem unnötigen Ballverlust der Kieler im eigenen Drittel scheiterte Nils Tietgen jedoch aus spitzem Winkel am in diesem Spiel starken Keeper Thore Peters (12.). Wenige Sekunden später schießt Tietgen aus guter Position über das Tor.
In der 16. Minute schlug dann Marcel Reinke erstmals zu und brachte den Suchsdorfer SV mit 1:0 in Führung. Nach einem Einwurf, bei dem engen Platz wurden daraus Flanken an den Torraum, schießt Reinke ins kurze Eck ein.

Flintbek ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und baute seine Kontrolle weiter aus, während der Gast auf schnelles Umschaltspiel setzte. Die Gastgeber erspielten sich gute Möglichkeiten, beim Ausgleich gab es eine kuriose Unterstützung vom Suchsdorfer SV. Beim Klärungsversuch gegen Sebastian Klimmek schießt Jan Thomsen seinen Außenverteidiger Luis Mlinski an und der Ball dann zum 1:1 im SSV-Gehäuse.
„Die erste Halbzeit gehört ganz klar Flintbek“, analysierte SSV-Trainer Dennis Guscinas anschließend. Dass es mit einem 1:1 in die Pause ging, bezeichnete er angesichts des Spielverlaufs als „relativ glücklich“.
Flintbek nutzt seine Chancen nicht konsequent
Nach dem Seitenwechsel schien sich das Blatt zunächst endgültig zugunsten des TSV zu wenden. In der 54. Minute verlängerte Sebastian Klimmek einen Einwurf in Richtung Torraum. Florian Wischnewski stand völlig frei und traf aus acht Metern zur 2:1-Führung.
Flintbek hatte nun die große Möglichkeit, den Vorsprung auszubauen. Die entscheidende Szene ereignete sich in der 67. Minute. Nach einem missglückten Quer-Rückpass von Suchsdorfs Innenverteidiger Tim Joneleit tauchte Fynn-Niklas Nordheim frei vor SSV-Torwart Thore Peters auf. Aus bester Mittelstürmerposition im Zentrum bot sich die Chance zum 3:1.
Doch Peters verkürzte geschickt den Winkel und parierte. „Die Situation zum 3:1, die wir da hatten, die ist ja aus sechs Meter Eins-gegen-ins auf den Torwart“, haderte Flintbeks Trainer Stefan Mordhorst. „Also ja, Wahnsinn.“
Keine 30 Sekunden später schlägt Reinke zu
Was danach geschah, passte zum gesamten Abend. Statt Flintbeks 3:1 fiel im direkten Gegenzug der Ausgleich. Marcel Reinke bekam den Ball im Strafraum und traf flach ins kurze Eck zum 2:2. Nur wenige Augenblicke zuvor hatte Flintbek die große Chance zur Vorentscheidung vergeben.
„Glück war auf unserer Seite“, gab Reinke nach Abpfiff offen zu. Gleichzeitig war der 25-Jährige überzeugt, dass sich seine Mannschaft den Erfolg nach den vergangenen Wochen erarbeitet hatte.
„Wir haben Emotionen gezeigt, echt Kampf gezeigt hier heute im ganzen Team, nicht aufgegeben“, sagte der vierfache Torschütze.
Flintbek vergibt, Reinke vollstreckt
Der gebrauchte Tag hatte für die Flintbeker noch Ende gefunden. Möglichkeiten zu erneuten Führung lagen vor. In der 70. Minute wäre beinahe das nächste Eigentor der Gäste gefallen beim Rettungsversuch von Jan Thomsen. Suchsdorf-Keeper Peters jedoch bereits aus seinem Tor herausgelaufen war. Der Ball rollte knapp am Pfosten vorbei.

In der Schlussphase entwickelte sich die Partie endgültig zu einem offenen Schlagabtausch. Flintbek hattezwei weitere gute Möglichkeiten, doch Peters bewahrte seine Mannschaft vor einem erneuten Rückstand.
Nach einem Angriff über die rechte Seite wurde der Ball quer an die Strafraumgrenze gespielt. Reinke nahm direkt Maß und setzte den Ball ins linke Eck. In der 86. Minute stand es 3:2 für den Suchsdorfer SV.
„Überragender Marci Reinke“, lobte Guscinas seinen Matchwinner. „Goldener Fuß heute, hat vier Abschlüsse, alle vier sind überragend.“ Auch der laufstarke Henning Eberling
Pfostenpech und ein trockener Schlusspunkt
Flintbek gab sich dennoch nicht geschlagen. In der 91. Minute klatschte ein Freistoß von Niklas Kock aus 22 Metern an den Pfosten. Eine Minute später verfehlte Nils Tietgen das Suchsdorfer Tor mit einem Flachschuss nur knapp.
Die endgültige Entscheidung blieb erneut Reinke vorbehalten. In der sechsten Minute der Nachspielzeit trat der Suchsdorfer zum Foulelfmeter an: Humorlos und trocken setzte er den Ball hoch in die Maschen und machte seinen Viererpack perfekt.
„Heute der glückliche Sieger“
Suchsdorfs Trainer Guscinas wollte den Erfolg trotz der Freude nicht schöner reden, als er war. „Insgesamt sehr, sehr glücklich“, lautete sein Fazit. Vor allem Torwart Thore Peters habe seine Mannschaft mehrfach im Spiel gehalten.
Auch Flintbeks Trainer Mordhorst sah eine Partie, deren Ergebnis nicht unbedingt den Spielverlauf widerspiegelte. „Bei der Chancenanzahl und der Chancenqualität, die wir heute auf dem Platz hatten, dass das Spiel nicht 8:4 ausgegangen ist, ist für mich unbegreiflich“, sagte er.
Gleichzeitig war Mordhorst mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. Flintbek habe aggressiv gespielt, früh gestört und daraus zahlreiche Torchancen kreiert. Nur die entscheidende Konsequenz vor dem Tor fehlte.
„Wenn du vorne keinen machst“, sagte Mordhorst mit einem Augenzwinkern, „dann zahle ich auch gerne fünf Euro ins Phrasenschwein, dann kriegst du die halt hinten rein.“
Suchsdorf nimmt wichtige drei Punkte mit
Für den Suchsdorfer SV war der Sieg nach einer längeren Spielpause ein wichtiges Erfolgserlebnis. Rund zweieinhalb Wochen hatte die Mannschaft kein Pflichtspiel bestritten. Guscinas sah deshalb durchaus fehlenden Rhythmus, verwies aber zugleich auf die gute Trainingsarbeit und die Rückkehr einiger Spieler.
„Wir haben durch die Bank heute das Spiel gewonnen“, bilanzierte der SSV-Coach. Und trotzdem blieb seine Einschätzung eindeutig: „Wir sind heute der glückliche Sieger.“
Marcel Reinke ordnete den auch aus seiner Sicht glücklichen Sieg etwas anders ein. Für ihn war die Mannschaft nach der schwierigen Phase bereit gewesen. „Wir sind heute hier nach Flintbek gefahren und wussten: Ey, das wird heute ein Dreier“, sagte der 4:2-Siegtorschütze.
Suchsdorf kann nun gegen Aufsteiger und Tabellenschlusslicht SG Dobersdorf/Probsteierhagen am kommenden Wochenende nachlegen und den Aufwärtstrend fortsetzen. „Da wollen wir drei Punkte holen“, so Guscinas.
Stimmen zum Spiel
- TSV Flintbek: Tjark Klarmann – Andreas Buessau (46. Toke Koerner), Niklas Kock, Corvin Rehder – Max Arnecke (46. Florian Wischnewski, Jan Niklas Ratjen, Burak Özcan, Christoph Rober – Fynn-Niklas Nordheim, Sebastian Klimmek (78. Malik Ferhat), Nils Tietgen
- Trainer: Stephan Mordhorst
- Suchsdorfer SV: Thore Peters – Luis Mlinski, Jan Thomsen (90. Melf Fildebrandt), Tim Joneleit, Benedikt Klose – Tim Bredtmann (76. Philip Hackethal), Fabian Plew (67. Jan Sellmer), Moritz Borchers (60. Nik Hesse), Marcel Reinke – Henning Eberling, Johan Frerichs
- Trainer: Dennis Guscinas
- Schiedsrichter: Jan Lühr (Con. Schönkirchen)
- Assistenten: Max Kühl, Leon-Elias Stühmer
- Zuschauer: 130
- Tore: 0:1 Marcel Reinke (16.), 1:1 Luis Mlinski (36., Eigentor), 2:1 Florian Wischnewski (54.), 2:2 Marcel Reinke (68.), 2:3 Marcel Reinke (86.), 2:4 Marcel Reinke (90. +6, FE)
