Mit Marvin Bruhn verliert Frisia Risum-Lindholm seinen wichtigsten Spieler durch eine Fußverletzung. © 2025 Olaf Wegerich
Eigentlich ist das ein Schlag, von dem man nur schwer aufsteht: Erst ein Treffer in die Leber in der 40. Minute, wenige Augenblicke vor dem Halbzeitgong dann der nächste als Kinnhaken. Zwei Tore von Jawad Shams hatten den SV Frisia 03 Risum-Lindholm in der Landesliga Schleswig gegen die SSG Rot-Schwarz Kiel kurz vor der Pause komfortabel mit 2:0 in Front gebracht. Doch die Kieler, die bereits in der Vorsaison als absolute Mentalitätstruppe und echtes „Stehaufmännchen“ glänzten, schlugen auf eindrucksvolle Art und Weise zurück und feierten am Ende einen bejubelten 4:2 (0:2)-Auswärtssieg.
Frisia dominiert den ersten Durchgang
Die Hausherren legten im ersten Durchgang einen starken Auftritt hin, ließen den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen und erspielten sich ein Übergewicht an Torchancen. Der Führungstreffer fiel über die rechte Seite: Renz Rapräeger kam zum Abschluss, der Gäste-Torhüter konnte das Leder nur nach vorne abwehren, und Jawad Shams staubte eiskalt zum 1:0 ab (40.).
Kurz darauf folgte der zweite Treffer: Nach einem mustergültigen Zuspiel von Morten Höfer aus dem Zentrum blieb Shams aus rund 20 bis 25 Metern völlig cool und setzte den Ball flach ins rechte Eck (45.).
„Die erste Hälfte war wirklich gut von uns. Wir haben den Ball laufen lassen, uns Chancen herausgespielt und hätten das 3:0 machen können. Nach dem Anschlusstreffer haben wir dann etwas den Faden verloren, die Abstände im Zentrum wurden zu groß und wir hatten zunehmend Probleme, den Ball sauber nach vorne zu bekommen“, resümierte Morten Höfer.
Kieler Mentalitätsleistung nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Gesicht der Partie komplett. Rot-Schwarz Kiel biss sich in die Begegnung hinein und übernahm zunehmend die Kontrolle.
„Ja, ich glaube, auswärts in Risum-Lindholm ist es immer ein schweres Spiel. Geben das dann aber aus der Hand und lassen so ein paar Kleinigkeiten vermissen und die werden dann eiskalt bestraft und so geht Risum-Lindholm dann auch verdient in Führung. Innerhalb von fünf Minuten klingelt es da bei uns zweimal und ja, dann hat man, finde ich, in der zweiten Hälfte gesehen, was uns so stark macht, dass wir in der Lage sind, nicht aufzustecken.“

In der 65. Minute zündete Tim Kannenberg mit dem 1:2 die Aufholjagd der Gäste. Nur wenig später stellte Marc Zeller per Volleyschuss nach einer Hereingabe aus dem Rückraum den 2:2-Ausgleich her (72.). Die Hausherren, die nach dem Seitenwechsel in einigen Aktionen zu spät kamen, verloren völlig den Zugriff im Zentrum.
Vier Tore in 25 Minuten: Rot-Schwarz dreht das Spiel komplett
Das Momentum war nun komplett aufseiten der Kieler. Nach einem folgenschweren Ballverlust der Nordfriesländer im zentralen Aufbau schaltete Rot-Schwarz blitzschnell um, nutzte die sich bietende Lücke und ging durch Finn Logemann erstmals mit 3:2 in Führung (75.).
Frisia gab sich zwar nicht auf und drängte seinerseits auf den Ausgleich – unter anderem verfehlten Renz Rapräeger, Morten Höfer und Eduard Klemmer mit einem Lupfer das Tor nur knapp –, doch die Gäste blieben im Umschaltspiel brandgefährlich. In der Schlussminute (90.) machte erneut Finn Logemann mit seinem zweiten Treffer zum 4:2 endgültig den Deckel drauf.
Ove Saß freute sich über den Kraftakt seiner Mannschaft nach der Pause: „Und Ziel war es erst mal überhaupt, wieder ein Zugriff aufs Spiel zu bekommen und zu treffen. Das ist uns dann in der 65. Minute gelungen und ich glaube auch, wenn man dann auswärts in Risum-Lindholm innerhalb von 25 Minuten noch vier Dinger macht mit dem Aufwand, geht man da schlussendlich auch verdient als Sieger vom Platz.“
Bittere Pillen für Frisia: Niederlage und schwerer Schock um den Kapitän
Für die Gastgeber bleibt am Ende eine extrem schmerzhafte Niederlage nach eigentlich starker erster Halbzeit. Was schwerer wiegt als die Niederlage: Frisia-Motor und -Kapitän Marvin Bruhn, der ohnehin angeschlagen in die Partie gegangen war, zog sich einen Mittelfußbruch zu und fällt den Nordfriesländern in ohnehin dünn besetztem Kader nun schmerzlich aus.
Stime zum Spiel
- SV Frisia 03 Risum-Lindholm: Jorge Hansen – Jannik Danielsen, Lasse Böckenholt, Malte Bethke – Yannik Schwerdtfeger (70. Justin Paulsen), Erwin Höfer, Eduard Klemmer, Marvin Bruhn (32. Tobias Klaus Pause), Jesse Traber (78. Lennox Sodemekou) – Jawad Shams, Renz Rapräeger
- Trainer: Uwe Petersen
- SSG Rot-Schwarz Kiel: Oliver Stein – Justus Kiewald, Jonathan Elsner (46. Lasse Möhr (61. Emre Kayali)), Malte Kratzenberg – David Bennet Lohr (83. Leif Lekebusch), Tim Kannenberg, Chima Iheagwaram, Rasmus Backhaus, Tim Jansa – Finn Logemann, Marc Zeller (90. Malte Lüdtke)
- Trainer: Ove Saß
- Schiedsrichter: Lutz Jessen (IF Stj. Flensborg)
- Assistenten: Finn Dettmer, Danny Opitz
- Zuschauer: 100
- Tore: 1:0 Jawad Shams (40.), 2:0 Jawad Shams (45.), 2:1 Tim Kannenberg (65.), 2:2 Marc Zeller (72.), 2:3 Finn Logemann (75.), 2:4 Finn Logemann (90.)
Tabelle
| Platz | Mannschaft | Sp. | G | U | V | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (1) | TSV Kronshagen | 6 | 5 | 1 | 0 | 16:4 | 12 | 16 |
| 2. (↑ 4) | Inter Türkspor Kiel (A) | 6 | 4 | 1 | 1 | 25:6 | 19 | 13 |
| 3. (↓ 2) | TSV Klausdorf | 6 | 3 | 3 | 0 | 11:6 | 5 | 12 |
| 4. (↓ 3) | TuS Nortorf (N) | 6 | 4 | 0 | 2 | 11:9 | 2 | 12 |
| 5. (5) | SC Weiche Flensburg 08 II | 6 | 3 | 0 | 3 | 16:12 | 4 | 9 |
| 6. (6) | Husumer SV (N) | 6 | 2 | 3 | 1 | 13:11 | 2 | 9 |
| 7. (↑ 10) | SSG Rot-Schwarz Kiel | 6 | 3 | 0 | 3 | 9:9 | 0 | 9 |
| 8. (↓ 7) | SV Frisia 03 Risum-Lindholm | 6 | 2 | 2 | 2 | 15:17 | -2 | 8 |
| 9. (↓ 8) | SV Dörpum | 6 | 2 | 1 | 3 | 9:11 | -2 | 7 |
| 10. (↓ 9) | TSV Friedrichsberg-Busdorf | 6 | 2 | 1 | 3 | 6:10 | -4 | 7 |
| 11. (↑ 12) | Heikendorfer SV (N) | 6 | 2 | 1 | 3 | 9:15 | -6 | 7 |
| 12. (↑ 15) | SpVg Eidertal Molfsee | 6 | 2 | 0 | 4 | 11:10 | 1 | 6 |
| 13. (↓ 11) | TSV Rantrum | 6 | 1 | 2 | 3 | 14:16 | -2 | 5 |
| 14. (↓ 13) | TSV Kropp | 5 | 1 | 1 | 3 | 4:13 | -9 | 4 |
| 15. (↓ 14) | TSV Heiligenstedten (N) | 6 | 1 | 1 | 4 | 7:21 | -14 | 4 |
| 16. (16) | TSV Hattstedt | 5 | 0 | 3 | 2 | 9:15 | -6 | 3 |
