Pokal-Sensation im Joda-Sportpark: Todesfelde kegelt den VfB Lübeck raus

von Liridon Imeri

Benjamin Petrick (Tofe), hier gegen den ballführenden Fabian Istefo (VfB), öffnete die Tür zum Finale. © 2026 Olaf Wegerich


Der SV Todesfelde hat den Traum vom „Final dahoam“ des VfB Lübeck jäh beendet. In einem packenden Halbfinale des Schleswig-Holstein-Pokals setzte sich der ambitionierte Oberligist vor ausverkauftem Haus verdient mit 2:0 (1:0) gegen den Regionalligisten durch. Während die Gastgeber eine taktische Meisterleistung ablieferten, scheiterte der Favorit an der eigenen Ideenlosigkeit und folgenschweren individuellen Fehlern.

Es war die klassische Pokal-Konstellation: Ein galliger Außenseiter gegen einen spielbestimmenden, aber letztlich glücklosen Favoriten. Von Beginn an entwickelte sich eine stimmungs volle Atmosphäre. Todesfelde kaufte dem VfB mit Leidenschaft und taktischer Disziplin den Schneid ab und sicherte sich so das Finalticket gegen den 1. FC Phönix Lübeck.

Kaltstart für die Grün-Weißen

Die Partie begann für die Mannschaft von Guerino Capretti unter den denkbar schlechtesten Vorzeichen. Bereits in der 3. Minute nutzte der SVT einen Ballverlust im Lübecker Mittelfeld eiskalt aus. Benjamin Petrick profitierte von der Unordnung in der VfB-Defensive, lief frei auf Keeper Philipp Diestel zu und schob überlegt zur frühen 1:0-Führung ein.

Pawel Erfmann (Tofe) gegen Mika Lehnfeld (VfB). © 2026 Olaf Wegerich
Pawel Erfmann (Tofe) gegen Mika Lehnfeld (VfB). © 2026 Olaf Wegerich

Dieser frühe Nackenschlag zerstörte den Matchplan der Lübecker sofort. „Wenn du nach drei Minuten in Rückstand gerätst, ist der Plan natürlich erstmal dahin“, gestand VfB-Coach Capretti nach dem Spiel. Auch Verteidiger Luca Menke haderte mit dem Blitzstart der Hausherren: „Wenn du so früh das 0:1 bekommst, spielt das genau in die Karten von Todesfelde. Die stehen dann tief und machen es dir extrem schwer.“

Optische Überlegenheit ohne Ertrag

In der Folge zog sich Todesfelde weit zurück und überließ dem VfB weitgehend den Ball. Die Lübecker verbuchten zwar deutlich mehr Ballbesitz, fanden jedoch kaum Lücken im friesischen Abwehrbeton. Es fehlte im letzten Drittel an der nötigen Präzision und der zündenden Idee, um das Bollwerk zu knacken. „Wir sind eine Liga höher, wir müssen das Spiel an uns reißen. Das haben wir größtenteils geschafft, aber wir haben einfach zu wenig zwingende Chancen kreiert“, bilanzierte ein sichtlich enttäuschter Menke.

Gedrängel vor dem Todesfelder Tor. © 2026 Olaf Wegerich
Gedrängel vor dem Todesfelder Tor. © 2026 Olaf Wegerich

Erst kurz vor der Pause keimte etwas Gefahr auf, doch Diestel parierte auf der einen Seite stark gegen einen weiteren Todesfelder Abschluss, während die grün-weißen Bemühungen meist an einem vielbeinigen Abwehrblock hängen blieben.

Sternberg sorgt für die Entscheidung

Nach dem Seitenwechsel kam der VfB mit mehr Schwung aus der Kabine. Die beste Gelegenheit zum Ausgleich vergab Bjarne Pfundheller, dessen sehenswerter Volley aus 15 Metern vom Todesfelder Schlussmann glänzend entschärft wurde. Doch genau in die Drangphase der Gäste folgte der entscheidende Konter.

Janek Sternberg trifft zum 2-0 für Tofe. © 2026 Olaf Wegerich
Janek Sternberg trifft zum 2-0 für Tofe. © 2026 Olaf Wegerich

In der 72. Minute setzte sich ausgerechnet der Ex-Lübecker Janek Sternberg auf der linken Seite durch. Nach einem erneuten Fehler im Lübecker Aufbau behielt er vor Diestel die Nerven und vollendete zum 2:0. „Als wir das Gefühl hatten, dass wir besser ins Spiel kommen, fällt das 0:2. Das war natürlich ein Nackenschlag“, beschrieb Capretti die Vorentscheidung. Er nahm jedoch seinen jungen Innenverteidiger Gianluca Pelzer, der an den Gegentreffern beteiligt war, ausdrücklich in Schutz: „Fehler gehören dazu, auch wenn es in so einem Spiel extrem ärgerlich ist.“

Todesfelder Party – Lübecker Wundenlecken

In der hitzigen Schlussphase warf der VfB noch einmal alles nach vorne, doch ein Pfostentreffer kurz vor dem Ende blieb das einzige Highlight der Bemühungen. Todesfelde verteidigte diszipliniert bis zum Schlusspfiff und durfte nach 90 Minuten den verdienten Finaleinzug bejubeln.

Für den VfB Lübeck bleibt die bittere Erkenntnis, eine große Chance verspielt zu haben. „Zu verlieren fühlt sich einfach richtig schlecht an“, brachte es Luca Menke auf den Punkt. Sein Trainer fand derweil lobende Worte für den Gegner: „Glückwunsch an Todesfelde. Wenn du zwei Gegentore bekommst und selbst keines erzielst, dann ist der Sieg auch verdient.“

Während in Todesfelde nun vom nächsten Coup im Finale geträumt wird, muss der VfB die Enttäuschung schnell verarbeiten, um in der Regionalliga wieder in die Spur zu finden.

Stimmen zum Spiel

Björn Sörensen (Trainer SV Todesfelde)
Maximilian Musci (SV Todesfelde)

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