Marcel Freund (Kilia Kiel) traf an alter Wirkungsstätte. © 2026 Ismail Yesilyurt
Der Oldenburger SV konnte seine ordentliche Ausgangsposition, u. a. mit einem starken 5:0 bei Rapid Lübeck am 6. Spieltag, am 7. Spieltag in der Flens-Oberliga nicht weiter ausbauen. Gegen den formstarken FC Kilia Kiel gerieten die Hausherren auf dem engen Kunstrasenplatz am Schauenburger Platz schnell ins Hintertreffen. Ein früh eingefangener 0:2-Rückstand und eine umstrittene Rote Karte für Rico Mielke sorgten letztlich dafür, dass das ambitionierte Kieler Spitzenteam die Partie souverän über die Zeit bringen und einen verdienten 3:0 (0:2)-Auswärtssieg bejubeln konnte.
Blitzstart der Gäste
Die Gäste aus der Landeshauptstadt legten bemerkenswert los. Bereits in der 4. Minute profitierte Kilia von einem Strafstoß, den Marcel Freund, letztes Jahr noch im Trikot des Oldenburger SV, eiskalt zur frühen 1:0-Führung verwandelte. Nur wenig später legten die Gäste nach: Nach einem Angriff über die Außenbahn schlug der Ball in der 12. Minute durch Marc Schwabe zum 2:0 ein.
Kilias Cheftrainer Nicola Soranno betonte nach dem Abpfiff, wie intensiv und körperlich die Partie auf dem schwierigen Geläuf geführt wurde: „Wir mussten heute sehr leiden, weil das schon ein sehr, sehr hartes Spiel war. Wir müssen Ove auch verletzt rausnehmen. Klare Rote Karte von hinten, einfach umgeknallt, ohne eine Chance auf den Ball zu haben. Und da waren ganz viele Situationen bei. Aber ich habe zu den Jungs auch gesagt: Damit müssen wir umgehen, müssen wir, ja, gegenhalten, annehmen die Bedingungen. Sowohl den Platz als auch die Art und Weise, wie der Gegner dann gespielt hat. Und die Jungs haben das unfassbar gut gemacht. Also sehr, sehr, sehr souverän in Summe.“

Oldenburgs Coach Florian Stahl haderte derweil mit der Entstehung der Gegentore: „Gehen dann aber nach einem Elfmeter in der vierten Minute ins Hintertreffen, wo wir eventuell uns einfach klüger anstellen können. Zweite Chance von Kiel, ich glaube, das war die zwölfte Minute, war es dann so, dass sie außen frei zur Flanke kommen. Kriegen wir die Füße nicht mehr vor, und dann schlägt der Ball zwischen Torwart und der Kette ein.“
Kein gutes Zeugnis für Oldenburger Offensivarbeit
Auch die mangelnde Effizienz seiner Mannschaft in der Drangphase zwischen der 12. und 30. Minute ärgerte den OSV-Coach. Die nötige Konsequenz im Abschluss verhinderte bei guten Positionen vor dem Gehäuse von Kilia-Keeper Tom Pachulski die Möglichkeit, womöglich einen Wendepunkt zu setzen mit einem Anschlusstreffer:
„Wo ich nicht will sagen, der Torwart überragend hält, aber wir den Torwart einfach stark schießen. Das waren Bälle, ja, die kann, muss man vielleicht halten als Torwart, aber wo wir einfach uns mehr konzentrieren müssen vorm Tor.“
Rote Karte für Rico Mielke
Die Partie blieb intensiv und emotional. Kurz vor der Pause schwächte sich der Oldenburger SV selbst: Nach einem Foul im Mittelfeld wollte Kapitän Rico Mielke das Spiel schnell fortführen, äußerte seinen Frust über die Verzögerung und sah vom Schiedsrichter die Rote Karte (37.).

Stahl kritisierte den Platzverweis als kahl und überzogen und brandmarkte diesen als absolute Fehlentscheidung: „Und dann kam irgendwie die Szene, die das Spiel von uns etwas zerstört hat. Ein einfaches Foul im Zentrum, wo mein Kapitän Mielke schnell spielen will und sich aufregt und sagt: ‚Meine Fresse.‘ Er hat ‚meine Fresse‘ gesagt. Hat sich einfach aufgeregt, dass er nicht schnell spielen konnte in dem Augenblick. Und der Schiedsrichter fühlt sich angesprochen, dass er ‚Halt die Fresse‘ gesagt hat, was absoluter Blödsinn ist.“
Reife Kieler Spielweise
Auf die Frage nach herausragenden Einzelspielern lobte Soranno die geschlossene Struktur seines Teams und die disziplinierte Leistung aller beteiligten Spieler:
„Genau, einfach alle. War es dann einer wie Louis Drews, der dann rein muss, sozusagen ins kalte Wasser für Ove, der dann verletzt raus musste. Hat das dann gut gemacht. Als auch dann die Spieler, die im Laufe des Spiels reinkamen. Von daher super, ja, reife Mannschaftsleistung. Aber am Ende bleibt es dabei: Wir müssen weiter arbeiten, weiter Gas geben, auch wenn wir gerade auf einem guten Weg sind mit den letzten beiden Spielen.“
Stahl-Truppe hält in Unterzahl gut mit
Auch in Unterzahl versuchte Oldenburg nach dem Seitenwechsel mit viel Mut und mehreren Ecken heranzukommen, doch Kilia stand defensiv kompakt, ließ wenig zu und spielte die Partie routiniert runter. Den Schlusspunkt unter ein hart umkämpftes Match setzte der eingewechselte Kevin Kortum in der 89. Minute mit dem Treffer zum 3:0-Endstand.
„Also sehr, sehr, sehr souverän in Summe. Klar, war es auch gut oder hat Pachu auch den einen oder anderen gehalten, weil du auf so einem engen Platz keinen Schuss verhindern kannst“, erinnerte Nicola Soranno an die kritische Phase in der ersten Halbzeit nach dem 0:2, als Keeper Tom Pachulski im Fokus stand.
Während Kilia Kiel damit nach dem 4:1 aus der Vorwoche beim PSV Neumünster den nächsten Dreier feiert, gilt es für den Oldenburger SV, im Kreispokal am kommenden Dienstag beim Kreisligisten SV Großenbrode die Wunden zu flicken. Danach geht es zum Spitzenreiter Holstein Kiel II ins nächste Punktspiel. Kilia spielt zeitgleich am Samstag zu Hause gegen den SV Eichede.
Stimme zum Spiel
- Oldenburger SV: Mike Benecke – Marvin Müller, Daniel Junge, Marcell Sobotta (78. Mika Wölk), Robin Bünning, Rico Mielke, Jan-Eric Kränzke (78. Tolas Shamzin), Patrick Schulz (53. Jan Bollesen), Luca Neumann, Silas Bünning, Finn Severin
- Trainer: Florian Stahl
- FC Kilia Kiel: Tom Pachulski – Yannik Jakubowski, Ove Witt (45. +2 Louis Drews), Berat Ayyildiz – Jannis Voß – Drilon Trepca, Felix Niebergall (58. Tino Klein), Marcel Freund (46. Luca Senger), Paul Meseberg – Lucas Groß (76. Marvin Müller), Marc Schwabe (88. Kevin Kortum)
- Trainer: Nicola Soranno
- Schiedsrichter: Mika Hems (TSV Oldenswort)
- Assistenten: Lennart Gawellek, Florian Heuchert
- Zuschauer: 212
- Rote Karte: Rico Mielke (37., Oldenburger SV)
- Tore: 0:1 Marcel Freund (4., Strafstoß), 0:2 Marc Schwabe (12.), 0:3 Kevin Kortum (89.)
