Hermi’s Einwurf – “The drug is football”

von Hans-Hermann Lausen

Hans-Hermann Lausen. © Olaf Wegerich


Neu bei uns: Hans-Herman „Hermi“ Lausen schreibt ab jetzt bei Youkick über Themen im Amateurfußball. Ab jetzt nimmt Hermi uns mit in die Welt der Kabinen, der Taktik-Nervenbrüche und der unbezahlbaren Momente, wenn ein Plan am Sonntag um 16:45 Uhr doch mal aufgeht. Eine Liebeserklärung an den Amateurfußball – mit einer Portion Humor, ehrlicher Kritik und ganz viel Herzblut für die Basis des Fußballs.

Wir könnten uns keinen besseren Experten dafür wünschen. Hans-Hermann war fast zehn Jahre bei TuS Rotenhof als Trainer verantwortlich für den steilen Aufstieg der Rendsburger. Von der Kreisliga ging es bis in die Oberliga Schleswig-Holstein. Nach der Saison 2024/25 beendete der Rotenhöfer Kult-Trainer und lebende Legende seine Tätigkeit in Rotenhof.

In der ersten Folge widmet der 60-Jährige sich dem, was er an der Seitenlinie geatmet hat. Los geht es!

Trainer werden ist nicht schwer – sein dagegen sehr!?

Ab und zu möchte ich euch über die Saison verteilt an dieser Stelle an meinen Gedanken rund um den geliebten Amateurfußball teilhaben lassen.

Trainer werden ist nicht schwer – sein dagegen sehr!?

(aufgrund der besseren Verständlichkeit verzichte ich an vielen Stellen auf das Gendern, würde mich jedoch sehr freuen, wenn wir im ambitionierten Herrenfußball bald auch Frauen als Trainerinnen an der Seitenlinie sehen)

Trainer einer ambitionierten Herrenmannschaft wird man, indem man sich hocharbeitet, manchmal auch anbiedert oder kommt dazu wie ich, wie die Jungfrau zum Kinde. Und – das Schicksal spielt hierbei oft eine wichtige Rolle.

Freud und Leid, Zuckerbrot und Peitsche, Lob und Missgunst kennzeichnen die Berg- und Talfahrten, die wir als Trainer meistern müssen!

Wir Trainer müssen doch ein wenig verrückt sein. Bis auf wenige Ausnahmen in Schleswig – Holstein können finanzielle Anreize keine entscheidende Rolle spielen. Wer es vernünftig angeht, ist als Trainer 24/7 mit Fußball beschäftigt – Training, Spiel, Gespräche, Analysen, Planungen – Fußball geistert stets in unseren Köpfen!

Denke ich an meine Zeit als Spieler zurück, war alles ein wenig entspannter – arbeiten, noch ein wenig ausruhen oder den Beginn einer Vorabendsendung schauen (Internet gab es da noch nicht!!!) und dann ab zum Training – konsumieren, zusammensitzen und ab nach Hause!

Warum setzen wir uns als Trainer diesem Stress aus?

Und – wenn am Wochenende ein Heimspiel um 14.00 Uhr beginnt, klagen unsere sonst so verständnisvollen Partnerinnen oder Ehefrauen schon früh morgens, dass wir nicht mehr ansprechbar, nicht mehr zu gebrauchen sind!

Was uns wirklich antreibt? Leidenschaft, Herausforderung und Anerkennung!

Bei Ehefrauen fällt mir eine Analogie zu unseren Spielern ein, inspiriert beim Lesen von „Hope Street“ von Campino (Anm. für die jüngeren von einem Baby Boomer: Campino ist der Sänger von Die Toten Hosen und leidenschaftlicher Fußballfan).

Campino, von seiner Frau aufgrund seiner aus ihrer Sicht nicht angemessenen Fahrweise bei einer Autofahrt durch England, getadelt, beschwor die guten alten Zeiten, in denen seine Mutter als Beifahrerin sich niemals getraut hätte, seinem Vater das Autofahren zu erklären.

Früher war alles besser – als männlicher Autofahrer und als Trainer!?

Niemals wäre mir als Spieler in den Sinn gekommen, meinem Trainer zu erklären, wie er die Mannschaft aufzustellen oder zu trainieren hat. Da hatten die Trainer es in den guten alten Zeiten doch etwas leichter. Für mich als Trainer in unserer jetzigen, aber doch immer noch guten Zeit, ist es mir wichtig, mich mit meinen Spielern fachlich auszutauschen. Und es ist auch eine Stärke, Spielern zu vertrauen und eigene Fehler zuzugeben. Doch irgendwann sollte der Punkt kommen, wo frei nach Andy Möller die Spieler wie Matrosen handeln sollten, die dem Kurs ihres Kapitäns (Trainer) folgen, weil er den Kurs bestimmt, weil er die beste Expertise, den Weitblick und die Erfahrung hat.

Ergo müssen wir als Amateurtrainer eine hohe Kompetenz an Kommunikationsfähigkeit mitbringen, um den Laden am Laufen zu halten. „Bundestrainern“ in unseren Vereinen, die wissen, wie es besser geht, Funktionären, Freundinnen und Eltern der Spieler und den Spielern selbst müssen wir professionell kommunikativ entgegnen, damit wir das Ruder in der Hand behalten, insbesondere in stürmischen Zeiten. Wie sagte doch mein Co-Trainer einmal treffend: „In dieser Saison haben wir mehr mit den Spielern gesprochen, als trainiert!“

The drug is football“

Aber komme ich im Samstagmittag-Tunnel auf unseren Sportplatz, bin ich in einer anderen Welt – nur noch Fußball! Keine Kriege, kein Alltagsstress, nichts – nur noch Fußball, der wie eine berauschende Droge auf mich wirkt.

Anders ausgedrückt und inspiriert von Reinhard May:

Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben während eines Spiels verborgen und dann, würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein – the drug is football!

90 Minuten + in einer anderen Welt – berauscht durch Fußball – und beim TuS Rotenhof wird selbst in der Oberliga auch die 3. Halbzeit gepflegt – von Spielern, Fans, Spielereltern und manchmal auch Trainern und Schiedsrichtern – es gibt sie noch, die guten alten Zeiten!

Bleibt optimistisch und engagiert! Bis bald und eine gute Zeit wünscht euch

Hermi

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