Wilde Schlussphase: TSB Flensburg mit toller Moral im Finish zum spektakulären 4:4 bei Phönix

von Ismail Yesilyurt

Das schnelle 3:4 durch Jon Jessen (TSB Flensburg) nach dem 2:4 sorgte für den Turbo in den Schlussminuten. © 2026 Ismail Yesilyurt

Moral bewiesen, Spiel ausgeglichen und am Ende doch mit zwiespältigen Gefühlen im Bus gesessen: Der TSB Flensburg hat bei der Zweitvertretung des Regionalligisten 1. FC Phönix Lübeck ein absolutes Wechselbad der Gefühle genomen. Nach einem späten 2:4-Rückstand in der 85. Minute schien die Heimreise für den nördlichsten Oberligisten bereits ohne Punkte besiegelt. Doch Jon Jessen (86.) und Jakob Friedrichs (88.) sorgten mit einem furiosen Doppelpack für den wilden 4:4 (1:1)-Endstand und machten die Busfahrt zurück an die dänische Grenze doch noch zu einer fröhlichen Angelegenheit.

Trotz des späten Doppelpacks zum 4:4 hatte TSB-Coach Tore Wächter eine innere Unruhe: „Persönlich muss ich sagen, ob ich noch gar nicht weiß, ob ich mich über den Punkt freue oder über zwei nicht geholte Punkte oder drei nicht geholte Punkte ärgere.“ Fakt ist, dass die Flensburger eine sehr gute und überlegene Leistung nicht rechtzeitig mit einer sicheren Führung unterstreichen konnten. Und durch Konter die Nackenschläge einfingen. Das „all in“ in den letzten Minuten mit zwei Toren federte dann doch etwas ab. In einer höchst interessanten Partie für die wenigen Fans, die nach dem 4:4 noch zwei Mannschaften sahen, die den Sieg wollten.

Offener Schlagabtausch unter schwierigen Bedingungen

Die Partie bot den anwesenden Zuschauern von Beginn an Unterhaltung pur. Wie TSB-Coach Tore Wächter nach Abpfiff bilanzierte, war das Spiel extrem „geprägt durch den starken Wind und den sehr kleinen Platz“. Die Gäste aus Flensburg starteten hellwach in die Begegnung, verpassten es jedoch, ihre frühen Hochkaräter zur Führung zu nutzen. Stattdessen fingen sich die Gäste nach und nach Konter ein. Nach dem Rückstand durch Malek El Shaikh (38.) gelang Tom Schäpler kurz vor dem Pausenpfiff per Kopf nach Vorarbeit von Alton Zymeraj der wichtige 1:1-Ausgleich (45. +2).

Tom Schäpler aus der Dreier-Abwehrkette des TSB Flensburg. Hier im Hinspiel gegen Ole Sand (8, TSV Kronshagen). © 2025 Ismail Yesilyurt
Tom Schäpler (TSB Flensburg) sorgte für das 1:1. © 2025 Ismail Yesilyurt

Elf von Tore Wächter rennt ständig Rückstand hinterher

Nach dem Seitenwechsel überschlugen sich dann die Ereignisse. Phönix nutzte die Fehler der Gäste gnadenlos aus. Mika Meyer (49.) und erneut Malek El Shaikh (54.) per Fernschuss stellten auf 3:1 für die Hausherren. Zwar brachte der eingewechselte Tobias Zuth den TSB mit dem 3:2 schnell wieder heran (63.), doch ein weiterer Konter durch den eingewechselten Perry Dodoo schien in der 85. Minute die Entscheidung zugunsten der Lübecker zu bringen.

TSB-Trainer Tore Wächter beschrieb das auch nach der Pause turbulente Duell nach dem Abpfiff:

„Ja, Spiel heute kann man wirklich als wild beschreiben. Wir kriegen dann erneut im Konter das 3:1, total unnötig. Auch wieder ein Fernschuss. Ich glaube, alle Tore heute waren durch Fernschüsse. Kommen dann direkt zurück, machen das 3:2, drücken wieder. Verpassen das 3:3, kriegen das 4:2 im Konter. Gehen dann in den letzten Minuten all in und erzielen dann tatsächlich noch das dritte und vierte Tor zum 4:4.“

„Alles auf eine Karte“ und Kompliment an den Gegner

Mit dem „All-in“-Modus erzwangen die Flensburger schließlich in den Schlussminuten noch das hochverdiente Remis. Doch selbst danach wollten beide Teams mehr: In einer hektischen Nachspielzeit hatten sowohl Phönix bei Kontern als auch Flensburg noch Chancen auf den Siegtreffer.

Tore Wächters Lob ging auch an die Gegenseite, die nur zwei Feldspieler auf der Bank hatte: „Großes Kompliment an Phönix II, die mit deren wirklich dünnen Kader einen tollen Fußball spielen, schnell sind, passsicher sind. Und ich glaube, keine Laufkundschaft sind.“

Nach den strapazierenden Minuten heißt es für die Flensburger nun Beine ausschütteln, bevor am kommenden Wochenende das Derby gegen den Mitaufsteiger Eckernförder SV ansteht. Die Eckernförder stehen nach der Trennung von Trainer Mamadou Sabaly als Tabellenschlusslicht unter Zugzwang.

Stimme zum Spiel

Tore Wächter (Trainer TSB Flensburg)
  • 1. FC Phönix Lübeck II: Christopher Barkmann – Marvin Freund, Malek El Shaikh, Mika Meyer, Louis Grobauer, Avid Krogmann (55. Robie Seibt), Andrii Shalabai, Christen Mensah, Leon Dippert (83. Perry Dodoo), Lennard Luth, Astemir Boziev
  • Trainer: Björn Joppe
  • TSB Flensburg: Ole Rathmann – Alton Zymeraj, Tom Schäpler (59. Maxim Jurk), Patrick Thomsen – Jon Jessen, Felix Stuewe, Cosmo Nitsch, Jonatan Miranda (59. Leon Knittel), Cedric Neumann – Kean Wojnarowski (46. Tobias Zuth), Melf Siemund (76. Jakob Friedrichs)
  • Trainer: Tore Wächter
  • Schiedsrichter: Frederik Simon (Heikendorfer SV)
  • Assistenten: Tobias Illner, David Lemke
  • Zuschauer: nicht angegeben
  • Tore: 1:0 Malek El Shaikh (38.), 1:1 Tom Schäpler (45. +2), 2:1 Mika Meyer (49.), 3:1 Malek El Shaikh (54.), 3:2 Tobias Zuth (63.), 4:2 Perry Dodoo (85.), 4:3 Jon Jessen (86.), 4:4 Jakob Friedrichs (88.)

Tabelle

Oberliga Schleswig-Holstein
Platz Mannschaft Sp. G U V Tore Diff. Pkt.
1. (↑ 2) Holstein Kiel II 7511 22:91316
2. (↓ 1) VfR Neumünster 7511 19:91016
3. (↑ 4) FC Kilia Kiel 7421 17:9814
4. (↓ 3) SC Rapid Lübeck (N) 7403 13:13012
5. (5) TSB Flensburg (N) 7322 19:11811
6. (↑ 7) 1.FC Phönix Lübeck II 7322 19:18111
7. (↓ 6) Oldenburger SV 7313 16:17-110
8. (8) TSV Nordmark Satrup 7313 12:14-210
9. (9) PSV Neumünster 7232 11:13-29
10. (10) Kaltenkirchener TS 7223 12:1208
11. (11) Heider SV 7223 10:19-98
12. (↑ 13) TuS Rotenhof 7142 12:16-47
13. (↑ 14) SV Eichede 7133 7:8-16
14. (↓ 12) MTSV Hohenwestedt 6132 14:16-26
15. (↑ 16) VfB Lübeck II (N) 7115 10:21-114
16. (↓ 15) Eckernförder SV (N) 6105 9:17-83

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