Stadtderby in Neumünster – Die Situation hätte brisanter nicht sein können

von Olaf Wegerich

Nils Drauschke im letzten Derby hier noch im Trikot des PSV gegen Rafael Krause. © 2026 Olaf Wegerich

Nach Timo Barendt kommt heute bei YOUKICK in der Vorschau auf das Neumünsteraner Stadtderby zwischen dem PSV Neumünster und dem VfR Neumünster am Freitagabend um 19:00 Uhr auf dem PSV-Sportplatz an der Stettiner Straße mit Nils Drauschke ein weiterer Ausnahmefußballer zu Wort. Besonders brisant: Drauschke hatte noch bis zum Sommer fünf Jahre für den PSV gespielt, ehe er sich zu einem Wechsel zu Rasensport entschied.

In dem Exklusivgespräch mit YOUKICK schildert Drauschke unter anderem, wie es ihm nach seinem Mittelhandbruch gesundheitlich geht und wie er bei Rasensport aufgenommen wurde. Weitere Themen sind natürlich das Derby und die Zielsetzungen für die kommende Saison.

Du hattest dir im letzten Derby, damals noch als PSV-Spieler, einen Mittelhandbruch zugezogen. Wie geht es dir heute und ist deine Verletzung vollends ausgeheilt?

Grundsätzlich bin ich wieder gesund, der Bruch ist mittlerweile gut verheilt und fast vollends wieder zusammengewachsen. Aufgrund der operierten Platte inklusive Schrauben ist die Bewegungsfreiheit teilweise noch etwas eingeschränkt, aber das wird täglich besser. Jede Einheit, egal ob Fußball oder Physiotherapie, hilft mir, der Hand wieder mehr zu vertrauen.

Du hast fünf Jahre für den PSV Neumünster gespielt. Was bleibt da an schönen Erinnerungen für dich haften?

Die Jahre beim PSV waren zweifelsfrei die besten, die ich in meiner Karriere bislang erlebt habe. Für mich bleibt nur Positives haften. Ganz im Vordergrund stehen natürlich die entstandenen Freundschaften zu Spielern wie Fyn Claasen oder Timo Barendt, mit denen ich ja auch lange zusammengespielt habe. Fußballerisch bleiben vor allem die Teilnahme am Hallenmasters, das Spiel im Landespokalhalbfinale gegen den VfB Lübeck – wo wir ganz knapp das Finale im Elfmeterschießen verpasst haben – und die vielen Derbys in Erinnerung. Dazu muss man auch die legendären Abschlussfahrten nach Düsseldorf, Prag und Kroatien nennen, die immer ein absolutes Highlight waren.

Du spielst nun für Rasensport, einen Verein mit großer Historie. Wie wurdest du dort aufgenommen und welche Ziele hast du dir für die neue Saison persönlich gesetzt?

Ich wurde beim VfR perfekt aufgenommen – sei es von der Mannschaft, dem Trainerteam, den Verantwortlichen oder den Fans: Alle haben mir den Einstieg extrem leicht gemacht, was sehr geholfen hat, direkt nach der langen Verletzung wieder an die alte Form anknüpfen zu können.

Persönliche Ziele habe ich mir eigentlich kaum gesetzt. Natürlich möchte ich an die individuelle Form der letzten Jahre anknüpfen und mich noch einmal in einem neuen Setting beweisen. Im Vordergrund steht aber der mannschaftliche Erfolg. Wir wollen die erfolgreiche letzte Saison nutzen und dort weitermachen, wo aufgehört wurde. Um diese Ziele zu erreichen, werden von mir gewisse Führungsqualitäten erwartet, die ich mir aber auch vollends zutraue und die einen weiteren Schritt in meiner Entwicklung darstellen.

Die besten Spieler im direkten Duell - Nils Drauschke (am Ball, PSV Neumünster) gegen Serhat Yazgan (Kilia Kiel). © 2025 Ismail Yesilyurt
Nils Drauschke – hier noch im Trikot des PSV Neumünster behauptet den Ball gegen Serhat Yazgan (Kilia Kiel). © 2025 Ismail Yesilyurt

Gleich in deinem ersten Punktspiel und wenige Wochen später im Kreispokal geht es erneut gegen deinen alten Verein. Welche Bedeutung hat für dich persönlich das Derby, wie wichtig sind für dich die Rahmenbedingungen mit einer stimmungsvollen Kulisse und was traust du sportlich deinem neuen und alten Verein in der kommenden Saison zu?

Die Situation hätte brisanter nicht sein können für mich, muss ich ehrlich sagen. Nach fünf Jahren die Straßenseite zu wechseln und dann auch noch das Derby als Eröffnungsspiel zu haben, ist schon sehr besonders. Ich hoffe und erwarte eine große Kulisse, denn die Derbys der letzten Jahre haben eigentlich immer das geliefert, was man sich erhofft hatte: Spannung, Intensität, Tore, Leidenschaft. Vor so einer großen Kulisse spielen zu dürfen, motiviert enorm. Dennoch müssen wir auch darauf achten, nicht zu überpacen und in den entscheidenden Situationen die Ruhe zu behalten.

Wie bereits erwähnt, wollen wir an die erfolgreiche Saison aus dem Vorjahr anknüpfen. Wir haben uns intern das Ziel gesetzt, wieder die 50-Punkte-Marke zu knacken. Für welche Platzierung es dann reicht, wird man sehen. Mit den Transfers und dem aktuellen Kader wollen wir aber definitiv oben mitangreifen, und ich hoffe, dass ich im Januar dann noch einmal in der Ostseehalle beim Hallenmasters auflaufen darf – dieses Mal dann mit dem VfR.

Der PSV hat in diesem Jahr schon einen großen Umbruch vollzogen, weshalb es schwierig ist, Prognosen aufzustellen. Dennoch sind sie immer noch individuell und vor allem taktisch auf einem sehr hohen Niveau, da das Trainerteam sehr akribisch an festen Abläufen arbeitet. Hoffentlich bleiben sie diese Saison vom Verletzungspech verschont, dann traue ich ihnen schon zu, mindestens unter die Top 6 zu kommen.

Du bist mit 26 Jahren im besten Fußballeralter. Ist für dich mit deinen Qualitäten daher die Regionalliga noch einmal ein Thema?

Es ist schon mein Ziel, sportlich immer so hoch zu spielen, wie es mir möglich ist. In den letzten Jahren war die Regionalliga immer wieder ein Thema für mich, da ich als Student auch die Zeit dafür gehabt hätte. Aktuell schwebe ich beruflich so ein bisschen im Ungewissen, wann ich endlich mit meinem Referendariat fürs Lehramt starten kann. Ich warte nun schon fast ein Jahr auf einen Platz und muss mich mindestens noch bis zum 01.02.2027 gedulden. Wenn ich dann endlich einen Platz bekomme, wird es sehr schwierig, Regionalligafußball und das Referendariat miteinander zu verbinden. Weshalb es aktuell eher weniger ein Thema für mich ist – ausschließen würde ich es aber nicht.

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