Tohuwabohu vor dem PSV-Tor – Kastriot Alija (VfR Neumünster) wird von Paul Eberhardt (PSV Neumünster) bedrängt. © Foto Olaf Wegerich
Rasensport von 1910 von der Geerdtstraße gegen den Polizei SV Union aus der Stettiner Straße, ca. 600 Meter Luftlinie entfernt! In der Gegenwart ein Mittelfeldduell der fünften Liga, sechster gegen den achten. Sportlich eigentlich bedeutungslos, aber heute trotzdem vor 847 Zuschauern: Es geht immerhin um die Frage, wer denn nun in diesem Jahr die Nr. 1 in Neumünster ist.
Zur Geschichte: In der Nachkriegszeit wurde der VfR schnell zur Nummer eins der Stadt, 1955 sogar Erstligist und landete 1963 sogar noch vor Holstein und war gar die Nummer eins im Bundesland! Alles nachzulesen in der hervorragenden neuen Vereinschronik „Wir waren mal 1. Liga!“.
Im Jahre 2019 stand allerdings der grünweiße Stadtrivale PSV-Union erstmals im stadtinternen Ranking vor den Lilaweißen. Zwischenzeitlich stieg der VfR sogar in die Landesliga ab, ist jetzt aber im dritten Jahr wieder Oberligist.
Die ewige Frage: Wer ist die Nummer 1 der Stadt?
Erstmals seit dem Wiederaufstieg 2023 deutet sich aktuell an, dass der VfR wieder seine traditionelle Rolle als erfolgreichster Fußballverein der Stadt einnehmen könnte. Unter diesem Vorzeichen stand die heutige Begegnung.

Zahlreiche Ausfälle auf beiden Seiten
Bei den Gästen von der Stettiner Straße fallen die schon länger verletzten Ehlert-Brüder, Tom Zarpe und Fyn Claasen sowie die gesperrten Ben Luca Nohns und Meiko Werner aus. Bei den Hausherren ist neben den Dauerverletzten Sven Freitag und Luis Schmidt zuletzt auch die Mittelfeldachse Visar Mehmeti / Radovan Karaman (beide Knieprobleme) weggebrochen. Außerdem musste heute mit Kevin Schulz der erfahrenste zentrale Mittelfeldakteur passen.
Nils Drauschke als Innenverteidiger
Während bei den Hausherren Berk Akcicek anstelle des angeschlagenen Kevin Schulz ins Team rückte, überraschte der PSV mit der Variante, den ansonstigen Offensivakteur Nils Drauschke neben Geart Latifi Innenverteidiger spielen zu lassen. Dafür blieb Winter-Neuzugang Mohammed Mahmud, von den Trainern nach seinen ersten Einsätzen für den PSV gelobt, der 2023/24 auch drei Oberligapartien für den VfR bestritt, heute auf der Bank.
Starke erste Hälfte: Körtzinger stark wie im Hinspiel
Bereits im Hinspiel, das der PSV mit 3:1 für sich entschied, war PSV-Keeper Tilmann Körtzinger der Matchwinner. Auch heute rettete er in Hälfte eins mit Glanzparaden nach Alija-Solo (24.), nach Krauses Geschoss aus fünf Metern (28.) und nach einem Serifi-Flachschuss (45. + 2) dreimal überragend. Zusätzlich hatten Adesanya (17., unbedrängt vorbei nach Krause-Flanke) und Serifi (44., aus 14 Metern vorbei) Riesengelegenheiten ausgelassen.

Zweite Hälfte: Weniger Chancen, aber intensiv und spannend
In der zweiten Hälfte verflachte das Spiel etwas. Der PSV wartete nach wie vor auf Umschaltsituationen und stand nun hinten besser. Der VfR kam deshalb zunächst nicht mehr zu allzu vielen Chancen, der PSV blieb aber weiter latent gefährlich. Und hätte nach 65 Minuten einen klaren Elfmeter bekommen müssen. Darin waren sich im Nachgang in der Mixed-Zone Spieler beider Klubs – zum Großteil ja befreundet – wieder völlig einig. Doch DFB-Schiedsrichterin Levke Scholz pfiff nicht – Konzessionsentscheidung?
Nachdem Alija nach Adesanya-Vorarbeit erneut halbrechts frei an Körtzinger scheiterte (69.), kam es, wie es oft kommt. Drückende Rasensportler erweisen sich dann doch teils als konteranfällig. Zunächst kann Restverteidiger Christoph Kahlcke (72.) den überragenden Tiedemann noch auf Kosten einer gelben Karte regelwidrig stoppen (72.), doch dann ist es wenig später so weit: Til Küfner nimmt links Tiedemann mit, der allzu leicht durch ist, aber aus wenigen Metern an Christopher Newe im VfR-Kasten scheitert. Den hoch abprallenden Ball setzt Timo Barendt im Stile eines Torjägers über den Umweg der Schulter des gerade eingewechselten Tom Schilling ins Netz: 1:2 (77.).

Der VfR legt nach, bringt mit Altmeister Christopher Kramer und Nachwuchstorjäger Manuel Carvalho seine Offensivjoker. Der PSV steht hinten weiter gut, hat aber auf der Bank scheinbar aber auch gar keine Alternativen. Lediglich Physiotherapeut Timon Pfennig – eigentlich schon gar nicht mehr zum Kader zählend – wird anstelle der Sturmspitze, des ehemaligen Rasensportlers Bouzoumita, eingewechselt (82.).
Alija vergibt…
Als Alija (84.) ziemlich freistehend von der 16-Meter-Linie drüber haut, scheint sich die Derbyniederlage des VfR abzuzeichnen. Doch unverdrossen wird weitergekämpft, der PSV hinten reingedrückt. Jan Lippegaus und Kenny Korup treiben mit ihrer physischen Stärke unermüdlich an.
…aber Kramer trifft
Weit in der fünfminütigen Nachspielzeit, von Scholz vorab klar kommuniziert, holt sich Krause mit letztem Einsatz an der Seitenauslinie noch den Ball, legt auf Serifi, dessen Flanke Carvalho per Kopf zu Kramer ablegt, der in seiner unnachahmlichen Art zum 2:2 trifft (90.+3). Wenig später (90.+5) hat PSV-Abwehrrecke Latifi Glück, dass es für sein absichtliches Handspiel nur Gelb gibt – Alija wäre wohl durch gewesen. Dann ist Schluss.
Fazit: Spannendes Spiel vor stattlicher Kulisse mit einem absolut gerechten Ausgang.
Stimmen zum Spiel
VfR Neumünster: Newe – Neca, Kahlcke (79. Kramer), Korup, Lippegaus – Serifi, Schomaker (79. Carvalho), Akcicek (67. Schilling), Krause – Alija, Adesanya.
Trainer: Danny Cornelius.
PSV Neumünster: Körtzinger – Eberhardt, Latifi, Drauschke, Küffner – Zinkondo, Jansa – Möller, Barendt, Tiedemann – Bouzoumita (83. Pfennig).
Trainer: Nils Voss / Dennis Buthmann.
Schiedsrichterin: Levke Scholz (VfB Lübeck). Unaufgeregte Spielleitung. Keine spielentscheidenden Fehler, die zwei fraglichen Elfmeterentscheidungen (einmal ja, einmal nein, siehe oben) wurden aber jeweils von beiden Parteien und den allermeisten Zuschauern als falsch empfunden, hoben sich aber sozusagen auf. Ließ bei gleichbleibender Linie viele Cattereinlagen beider Defensivreihen durchgehen.
Assistenten: Tim Hohmann, Lukas Klingelhöfer.
Zuschauer: 847.
Tore: 1:0 (9.) Adesanya, 1:1 (15., Foulelfmeter) Tiedemann, 1:2 (77.) Barendt, 2:2 (90.+3) Kramer.
| Pos | Verein | Sp. | Pkt. | Tore |
|---|---|---|---|---|
| 1 | SV Todesfelde (Ab) | 25 | 62 | 67:24 |
| 2 | Holstein Kiel U23 II (Ab) | 25 | 52 | 64:24 |
| 3 | SV Eichede | 23 | 49 | 51:23 |
| 4 | FC Kilia Kiel | 25 | 46 | 69:33 |
| 5 | Heider SV | 25 | 41 | 51:50 |
| 6 | VfR Neumünster | 23 | 39 | 50:42 |
| 7 | 1. FC Phönix Lübeck II (Auf) | 23 | 37 | 51:40 |
| 8 | Polizei SV Union Neumünster | 24 | 35 | 53:45 |
| 9 | Kaltenkirchener Turnerschaft (Auf) | 24 | 32 | 39:47 |
| 10 | TSV Nordmark Satrup | 23 | 30 | 31:33 |
| 11 | Oldenburger SV | 24 | 25 | 47:63 |
| 12 | MTSV Hohenwestedt | 24 | 21 | 36:56 |
| 13 | TuS Rotenhof | 24 | 21 | 40:64 |
| 14 | Inter Türkspor Kiel (Auf) | 25 | 20 | 27:66 |
| 15 | Eutin 08 | 23 | 18 | 23:51 |
| 16 | SV Preußen Reinfeld | 24 | 12 | 28:66 |
