Der VfR Neumünster darf sich zur neuen Saison auf Luca Aouci (SpVg Eidertal Molfsee) freuen. © Ismail Yesilyurt
Für die launische Diva der Landesliga Schleswig war es wieder einer dieser Tage: spektakulär, schrill, ein wenig gnadenlos. Der Tabellenfünfte SpVg Eidertal Molfsee schickte den TuS Jevenstedt mit einer 7:2-Packung nach Hause. Nach nicht einmal 20 Minuten bahnte sich ein Debakel für die Gäste an.
Vier Tore in 19 Minuten – Ausnahmezustand beim TuS
Es lief die erste Minute auf dem kleinen Kunstrasenplatz, da klingelte es bereits. Joel Prempeh traf zum 1:0. Zwei Minuten später erhöhte Louis Schütt. „Wenn man nach zweieinhalb Minuten 0:2 zurückliegt, ist alles, was man sich vorgenommen hat, erst mal umgestoßen“, sagte Jevenstedts Coach Jilani Ben Mahmoud.
Was folgte, war ein Sturmlauf mit Ansage. Marvin Blümke (11.) und Luca Aouci (19.) schraubten auf 4:0. Vor allem über die rechte Seite brannte es lichterloh. Luca Aouci wirbelte mit Tempo und Aktionsradius. „Wir waren von Anfang an da“, sagte Eidertals Trainer Nedim Hasanbegovic. „Und dann läuft so ein Spiel natürlich einfacher.“
Jevenstedt hingegen war nicht im Zweikampf, nicht in den Räumen, nicht im Spiel. „Wir haben gepennt“, brachte es Ben Mahmoud auf den Punkt.
Reaktion von der Bank
Nach einer halben Stunde zog der TuS die Notbremse. Jonas Richter kam als neuer Linksverteidiger und bekam die Aufgabe, Aouci einzufangen. Mit sichtbarem Effekt. Der Druck über außen nahm ab, Jevenstedt stabilisierte sich zumindest etwas.

Edison Sofia verkürzte in der 39. Minute auf 1:4, tunnelt den Torwart und sorgte für Ergebniskosmetik. Doch noch vor dem Pausenpfiff setzte Tom Wüllner das Sahnehäubchen auf die erste Halbzeit. Aus rund 50 Metern, manche sprechen von 70, sah er den zu weit vor dem Tor stehenden Keeper und hob den Ball traumhaft zum 5:1 ins Netz. Ein Treffer Marke Tor des Monats. „Das passte zu dem Spiel“, meinte Ben Mahmoud trocken.
Zweite Halbzeit mit Haltung
Nach dem Seitenwechsel hatte Jevenstedt keine Illusionen mehr. „Nach dem 1:5 hat man keine Ambitionen mehr, da noch einen Punkt mitzunehmen“, sagte der TuS-Coach. „Aber wir wollten die zweite Halbzeit wie ein 0:0 angehen.“
Und das gelang phasenweise. Richter, der nach seiner Einwechselung zum TuS-Topmann avancierte, traf in der 62. Minute zum 2:5. Auch Fynn Hochgreve und Lars Till brachten mehr Stabilität und Körperlichkeit ins Spiel. Der TuS zeigte Moral, suchte Zweikämpfe, stemmte sich gegen die völlige Demontage.
Doch Eidertal blieb überlegen. Smit (72.) und Laugwitz (79.) schraubten das Ergebnis auf 7:2. „Die Gegentore sind ärgerlich“, sagte Hasanbegovic, „aber wenn du sieben schießt, ist das im ersten Spiel noch schmerzbar.“
Elf Siege, acht Niederlagen – und viele Fragezeichen
Mit dem elften Sieg im 19. Spiel unterstreicht Eidertal seine Ambitionen. Rechnerisch lebt die Chance auf Platz zwei und damit zumindest die Hoffnung auf die Rückkehr ins schleswig-holsteinische Oberhaus für das Team das acht Niederlagen in der Landesliga-Bilanz stehen hat.

Doch die Realität ist komplexer. Markante Abgänge wie Leon Lembke und Tom Lemke im Winter sowie die angekündigten Wechsel von Aouci, Tobias Fölster und Wüllner im Sommer werfen Fragen auf. Soll man eine mögliche Relegation zur Flens-Oberliga wirklich anpeilen, wenn das Gesicht der Mannschaft bald ein anderes sein wird?
An diesem Nachmittag jedenfalls war davon nichts zu spüren. Da spielte Eidertal mit Lust, Tempo und klarer Überlegenheit. Jevenstedt dagegen merkte man die kurze Vorbereitung und den Kaltstart an. „Wir waren erst eine Woche im Training, kein Testspiel“, erklärte Ben Mahmoud. „Das hat man gemerkt.“
Am Ende blieb ein 7:2, das die Kräfteverhältnisse des Tages klar abbildete.
Stimmen zum Spiel
SpVg Eidertal Molfsee: Kuckella – Ramo, Foelster, Alberts (70. Braesch), Kristen – Wüllner (70. Smit), Wiegand (58. Laugwitz)– Aouci, Schütt (58. Podlipnikov), Blümke (70. Höckendorf) – Prempeh.
Trainer: Nedim Hasanbegovic.
TuS Jevenstedt: Jeromin – Mathis Mrosek, Gunther, Lühder, Brusberg (31. Jonas Richter) – Ranck, Rohwer, Tom Solterbeck, Sievers (46. Till) – Sofia (75. Ecke), Meyert.
Trainer: Jilani Ben Mahmoud.
SR: Florentin Gartz (VfL Oldesloe).
Ass.: Clemens Goepel, Timo Lupi.
Z.: 67.
Tore: 1:0 Joel Prempeh (1.), 2:0 Louis Schütt (3.), 3:0 Marvin Blümke (11.), 4:0 Luca Apouci (19.), 4:1 Edison Sofia (39.), 5:1 Tom Wüllner (44.), 5:2 Jonas Richter (62,), 6:2 Ken-Marvin Smit (72.), 7:2 Tom Laugwitz (79.).
