Holstein-Pokaltraum im Viertelfinale geplatzt

von Ismail Yesilyurt

Adrian Kapralik (Holstein Kiel) vergab die Möglichkeit auf das 1-0- © 2026 Ismail Yesilyurt



Holstein Kiel muss seinen Pokaltraum im Viertelfinale begraben. Gegen den Erstligisten VfB Stuttgart unterliegt der Bundesliga-Absteiger im ausverkauften Holstein-Stadion am Ende mit 0:3. Ein Ergebnis, das zu hoch ausfällt und den couragierten Auftritt der Störche nur unzureichend widerspiegelt.

Starker Start der Störche bei eisigen Temperaturen

Vor bitterkalter Kulisse in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt erwischte die Mannschaft von Marcel Rapp einen furiosen Start. Mit viel Schwung und mutigem Offensivpressing suchte Holstein von Beginn an den Weg nach vorne. Bereits in der Anfangsviertelstunde lagen Großchancen in der Luft. Adrian Kapralik scheiterte zwei Mal, auch Andu Kelati avergab. Ein präziserer Abschluss oder der letzte Blick für den besser postierten Mitspieler und der Zweitligist hätte früh in Führung gehen können.

Stuttgart findet ins Spiel und übernimmt mehr Kontrolle

Der VfB Stuttgart benötigte rund 25 Minuten, um sich auf Gegner und Temperaturen einzustellen. Ein erster Warnschuss war der Kopfball von Nationalspieler Deniz Undav in der 25. Minute. In der Folge verlagerten sich die Spielanteile zunehmend zugunsten der Gäste. Holstein blieb jedoch seinem Plan treu, stand defensiv sehr kompakt und setzte immer wieder Nadelstiche. Das aggressive Pressing bereitete dem Titelverteidiger sichtbar Probleme, auch wenn sich die individuelle Klasse der Schwaben mehr und mehr bemerkbar machte.

Cheftrainer Marcel Rapp (Holstein Kiel) nahm fünf Veränderungen in der Startelf gegenübervdem Fürthspiel vor. © 2026 Ismail Yesilyurt
Cheftrainer Marcel Rapp (Holstein Kiel) nahm fünf Veränderungen in der Startelf gegenüber dem Fürthspiel vor. © 2026 Ismail Yesilyurt

Undav trifft nach Karazor-Vorarbeit zum 1:0

Der Knackpunkt der Partie folgte in der 57. Minute. Nach einem Freistoß von El Khannouss verlängerte der frühere Kieler Atakan Karazor den Ball quer durch den Strafraum. Dort reagierte Deniz Undav einen Tick schneller als Keeper Timo Weiner und seine Abwehrkollegen und spitzelte die Kugel zum 0:1 über die Linie.

Kiel wirft alles nach vorne

Der Rückstand traf Holstein spürbar. Die Störche gerieten ins Wanken, während Stuttgart nun seine Favoritenrolle unterstrich und deutlich mehr Druck entwickelte. Nach etwa einer Viertelstunde ließ die VfB-Wucht etwas nach und Kiel wagte wieder mehr. Marcel Rapp stellte offensiver um und brachte mit Aldin Jakupovic und Jonas Therkelsen frische Kräfte für den Angriff.

Führich macht Deckel drauf

Die Gastgeber kamen noch zu ihren Möglichkeiten. Jakupovic verzog in der 81. Minute aus halbrechter Position knapp. Phil Harres sorgte in der zweiten Halbzeit mit einem gefährlichen Distanzschuss für Unruhe. In der 83. Minute erhöhte Rapp das Risiko nochmals und brachte mit Müller einen zweiten Mittelstürmer.

Kapitän Steven Skrzybski (Holstein Kiel) verletzte sich beim Training und konnte nicht mitspielen. © 2026 Ismail Yesilyurt
Eine Verletzung beim Training von Kapitän Steven Skrzybski (Holstein Kiel) verhinderte einen Einsatz gegen Stuttgart. © 2026 Ismail Yesilyurt

Stuttgart lauerte nun auf Umschaltsituationen und schlug eiskalt zu. In der 89. Minute machte Chris Führich nach Vorarbeit von Undav alles klar, umkurvte Weiner und traf zum 0:2. In der Nachspielzeit mussten die Kieler auch noch das 0:3 hinnehmen, als ballführende Karazor im Strafraum zu Fall kam und mit einem kuriosen Flipper-Tor den Endstand erzielte.

Das Team von Sebastian Hoeneß ist nun seit neun Pflichtspielen ungeschlagen und zieht als zweite Mannschaft nach Leverkusen verdient ins Halbfinale. Auf Holstein Kiel wartet mit dem schweren Auswärtsspiel bei Hannover 96 der Zweitligaalltag im Samstagabend-Spiel.

Stimmen zum Spiel

„Ich glaube, die Bedingungen, die waren sehr, sehr schwierig. Schwieriger Platz, schwieriges Wetter, unangenehmer Gegner. Und da zählt einfach nur eine Runde weiterkommen. Und das war uns klar, darauf haben wir uns eingestellt. Am Ende war es nicht einfach, die Führung verdient. Gut, dass die Chance da nicht reingeht, dann wird es noch mal sehr, sehr eklig. Und am Ende spielen wir das sehr souverän runter“, sagte Chris Führich im ZDF-Interview.

Deniz Undav: „War ein hartes Spiel. Wir wussten, was auf uns zukommt bei der Kälte. Die Kieler sind ein bisschen daran gewöhnt an das kalte Wetter, wir noch nicht. War ein zweikampfbetontes Spiel, ein hartes Spiel.“

Timo Weinert: „Ich glaube, wir hatten heute mehr Chancen als wir vielleicht erwartet haben. Gerade in der ersten Hälfte. Davon müssen wir, in so einem Spiel, wenn du das ziehen willst, wahrscheinlich einen machen. Dann mit dem 1:0 eigentlich von Stuttgart wurde es halt immer schwieriger für uns. Am Ende machen wir auf. Das 2:0, das 3:0 das passiert. Dann spielen wir Eins-gegen-eins gegen die Jungs. Die spielen nächstes Jahr wahrscheinlich Champions League dann. Da kommt die Qualität einfach durch.“

Sebastian Hoeneß: „Ja, das war das erwartbare Spiel. Es war so, dass die Kieler sich auch was überlegt haben. Gerade am Anfang. Sie wollten gegen unsere Manndeckung extrem viele Spieler rausziehen. Da haben, sagen wir mal die ersten zehn Minuten gebraucht. Da hatten sie glaube ich auch eine Chance von rechts. So dann haben wir uns da ein bisschen darauf eingestellt. Und dann haben wir, sage ich, versäumt, selber ein Tor zu machen.“

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