Pokal SHFV-LOTTO-MASTERS. © 2026 Volker Schlichting
Mit diesen Worten hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther im letzten Jahr bei der Jubiläumsausgabe die SHFV-LOTTO-MASTERS treffend beschrieben. Auch die 26. Auflage des traditionsreichen Hallenevents in der Kieler Wunderino Arena begeisterte jung und alt – Frau und Mann gleichermaßen. Im Finale siegte der Tabellenerste gegen den Zweiten der Oberliga Schleswig-Holstein – 3:1 für den SV Todesfelde gegen Holstein Kiel, das seine Jungstörche ins Rennen geschickt hatte.
„Wir wollen auch in diesem Jahr wieder Emotionen wecken, die Zuschauer von den Sitzen reißen und am Ende alle mit einem positiven Gefühl nach Hause schicken. Dafür tun wir alles Erdenkliche. Mein tolles Team und ich versuchen, mit der bekannten Mischung aus Sport, Show und Unterhaltung die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass uns das auch diesmal wieder gelingt“, sagte Turnierchef Klaus Kuhn im Hallenmagazin.
Das gelang erneut: Das LOTTO-Hallenmasters, die inoffizielle Fußball-Landesmeisterschaft in der Wunderino Arena in Kiel, hat sich seit seiner Erstauflage 1999 zu einem Erfolgsmodell entwickelt, um das Schleswig-Holstein in ganz Deutschland beneidet wird. Das Leistungsprinzip, nach dem nur die am Stichtag besten SH-Teams startberechtigt sind, erklärt das Prestige dieser Veranstaltung. Hier erkämpft man sich die Startberechtigung und ist stolz, sich präsentieren zu dürfen und dabei zu sein – vor 8.650 Zuschauern. Die Halle ist Jahr für Jahr schnell ausverkauft.
2026: VfR Neumünster statt FC Kilia Kiel
Das aktuelle Teilnehmerfeld hatte sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Lediglich anstelle des FC Kilia Kiel qualifizierte sich diesmal der VfR Neumünster, beide aus dem YOUKICK-Berichtsgebiet. Ansonsten waren die gleichen Teams dabei wie im Vorjahr.
„Der schlafende Riese erwacht“
Die Teilnahme von Rasensport Neumünster kam für viele überraschend. Letztmalig war das Team von Trainer Danny Cornelius 2018 dabei. Dabei gehörte der Neumünsteraner Traditionsverein mit seinem immer noch recht schillernden Image lange zum festen Inventar der Veranstaltung. So ist man bei der 26. Auflage bereits zum zwanzigsten Mal dabei. In der Siegerliste rangiert Rasensport hinter Holstein (6 Siege) und ETSV Weiche 08 Flensburg (5 Siege) mit drei Erfolgen in den Jahren 2001 bis 2003 gleichauf mit dem VfB Lübeck weiterhin auf Platz drei. Auch in der ewigen Tabelle liegt man hinter Holstein und dem VfB Lübeck mit deutlichem Vorsprung vor dem SV Eichede auf Rang drei. Die kreativen VfR-Fans hatten passend dazu eine Choreografie vorbereitet.
Kramer, Schulz: VfR-Akteure mit ganz viel Masters-Erfahrung
Mit Christopher Kramer und Kevin Schulz hat der VfR Spieler im Kader, die jeweils zweistellige Masters-Teilnahmen vorweisen können. Während der mit dem ETSV Weiche beim Masters oft siegreiche Schulz diesmal auf einen Hallenauftritt verzichtete, war Kramer wieder dabei – inzwischen zum zehnten Mal. Dreimal gehörte er zum Siegerteam, zuletzt 2024 mit dem FC Kilia.

Bereits als ganz junger Spieler war er dreimal für den VfR dabei, bevor er in höhere Ligen wechselte. Keeper Christopher Newe steht schon so lange ununterbrochen für Rasensport zwischen den Pfosten, dass er bei den letzten Masters-Auftritten des VfR in der Ostseehalle ebenfalls schon dabei war. Es war das Masters-Comeback nach acht Jahren Pause.
Einst als Youngster dabei, als Routinier mit Rasensport zurück auf dem Wunderino-Kunstrasen
Während Kapitän Kenny Korup nach 2019 und 2020 (für den VfB Lübeck) nach sechs Jahren Pause wieder dabei ist, liegt Christoph Kahlckes letzter Auftritt noch länger zurück. Für ihn ist es ein Comeback nach neun Jahren. 2017 debütierte er beim damaligen Regionalliga-Absteiger TSV Schilksee ausgerechnet beim Hallenmasters in der Ligamannschaft, ohne zuvor überhaupt ein Oberligaspiel absolviert zu haben.
Last but not least: Trainer Danny Cornelius gewann 2011 mit dem VfB Lübeck das Hallenmasters. Co-Trainer Patrick Amponsah war viermal für Holstein Kiel beziehungsweise den TSV Schilksee dabei. Auch Co-Trainer Marcel Vones spielte zweimal in der Ostseehalle, unter anderem 2017 gemeinsam mit Amponsah und Kahlcke für Schilksee.
Nick Neca spielt Masters am 27. Geburtstag vor 8.500 Zuschauern
Nick Neca durfte seinen 27. Geburtstag als Spieler in der Wunderino Arena feiern. Für ihn war es nach 86 Oberligaspielen – wie für viele weitere Rasensportler – die Masters-Premiere. Dauerbrenner Neca hat in dieser Saison bislang sämtliche Punktspiele absolviert.
Schon als Kind dabei: Kastriot Alija
Für den Stürmer erfüllte sich ein Kindheitstraum. Schon als Kind war der Kieler mit seinem fußballbegeisterten Vater regelmäßiger Zuschauer beim Masters und wünschte sich damals sehnsüchtig, eines Tages selbst vor dieser Kulisse und in der ihn beeindruckenden Atmosphäre mit Lichtshow, Schleswig-Holstein-Lied und vielem mehr spielen zu dürfen. Gestern war es so weit.
Das VfR-Trainerteam entschied sich nach drei gespielten Hallenturnieren, bei denen sich jeder präsentieren konnte und insgesamt 19 Spieler zum Einsatz kamen, für den heutigen Kader.
Heider SV
Auch der Heider SV hatte sich gezielt in einer Soccerhalle in Tornesch auf das Event vorbereitet und wollte bei seiner zehnten Teilnahme endlich einmal das Halbfinale erreichen. Dafür nominierten die Dithmarscher ihren Kader.

In der Gruppe A galten die Lübecker Regionalligisten als klare Favoriten. Die beiden Oberligisten Heider SV und VfR Neumünster hatten sich jedoch sichtbar gut auf das Masters vorbereitet und feierten jeweils in der ersten Runde 1:0-Siege gegen den VfB Lübeck und den LBV Phönix. Pech hatte beim VfB Mika Lehnfeld. Für den drittligaerfahrenen Akteur war das Turnier bereits nach zwei Minuten verletzungsbedingt beendet.
Im Lübecker Regionalligaderby geht es bereits ums Überleben der Gruppenphase
Damit standen die beiden Regionalligisten im direkten Aufeinandertreffen bereits unter Zugzwang. Zwar ging der VfB mit 2:0 in Führung, doch Phönix drehte die Partie noch und siegte mit 3:2. Als sich anschließend Heide und Rasensport 2:2 trennten – ausgerechnet Geburtstagskind Nick Neca erzielte in der Schlussminute den Ausgleich – stand fest: Der VfB Lübeck ist ausgeschieden.

In der letzten Gruppenrunde reichten den Oberligisten jeweils ein Unentschieden. Zunächst musste Rasensport gegen den bereits ausgeschiedenen VfB antreten. Der ließ sich nicht hängen, doch der VfR hatte defensiv erneut Beton angerührt, und das Tor von Christopher Kramer reichte zum Sieg. Damit standen die Grün-Weißen punktlos am Tabellenende.
Auch in Gruppe A Regionalliga ausgeschieden
Im letzten Spiel der Gruppe musste Phönix unbedingt gewinnen, um noch das Halbfinale zu erreichen. Heide reichte ein Punkt zum Weiterkommen. Ein Sieg mit mindestens zwei erzielten Toren hätte sogar den Gruppensieg bedeutet. Tatsächlich führte der HSV durch zwei Treffer von Mathis Harms nach sechs Minuten mit 2:0, Phönix gelang nur noch der Anschlusstreffer. Genau wie in Gruppe B mit dem SC Weiche Flensburg waren damit hier die beiden höherklassigen Regionalligisten ausgeschieden, sodass das Semifinale eine reine Oberliga-Angelegenheit war.

In der Gruppe B holte sich die zweite Mannschaft von Holstein Kiel schon nach zwei Spielen bei sechs Punkten das Ticket für das Halbfinale. Dahinter entwickelte sich ein spannender Dreikampf um den letzten Platz im Halbfinale. Zur richtigen Zeit konnte der SV Todesfelde einen Gang höher legen. Mit Geschick, Können und Glück gab es den notwendigen Sieg gegen Holstein, um allen Rechenspielen im letzten Gruppenspiel zwischen dem SV Eichede und Weiche Flensburg aus dem Weg zu gehen.
SC Weiche Flensburg 08
Bei ihrer 13. Teilnahme stellten die Flensburger fest: Fortuna hat kein Auge auf Weiche geworfen. Nein, der römische König Servius Tullius war es auch nicht! Vielmehr kam der SV Todesfelde spät durch einen aus Flensburger Sicht vermeidbaren Neunmeter zum Ausgleich. Ein Treffer, der wohl möglich einen Turnierweg mit vertauschten Rollen verhinderte.

Gegen Holstein Kiel wachten die Weicher erst auf, als der Wecker bereits mehrfach geklingelt hatte. Und das abschließende Gruppenspiel gegen Eichede? Für das Halbfinale leider völlig irrelevant, aber unterhaltsam. Der Finalist des Vorjahres (0:1 gegen Todesfelde) hatte damit früher Feierabend als geplant.
SV Todesfelde
Aus solchem Holz sind Champions geschnitzt – und zwar das richtig harte! Die Mannschaft von Cheftrainer Björn Sörensen ließ sich von zwei Unentschieden zum Auftakt nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen wurde fokussiert und diszipliniert weitergearbeitet, Im wichtigen Spiel gegen die bis dato starken Kieler Störche hatten die Todesfelder dann erneut einen sechsten Mitspieler auf dem Court. Fortuna war wieder mit auf dem Feld – diesmal ganz klar im gelb-blauen Outfit. Das 2:1 gegen Holstein sorgt für ordentlich Rückenwind, der bis nach dem Endspiel wehte.

Holstein Kiel
Die spielerisch beste Mannschaft des Turniers? Dauert keine zwei Minuten, um diese Frage zu beantworten. Schon im ersten Spiel war klar: Die Jungstörche wollen endlich einmal nach gefühlt einem Vierteljahrhundert die Gruppenphase überstehen. Im Tor wurde die Arbeit geteilt – die U19-Keeper Timon Stührwohldt und Henrik Arnold standen im Kader. Linus Schewior, bei diesem Turnier federführend für das Oberliga-Team von Willi Weiße verantwortlich, durfte nach zwei Siegen bereits gedanklich das Halbfinale planen. Nach dem 3:2 gegen Eichede und dem 4:3 gegen Weiche war Platz eins sicher.

SV Eichede
Offenbar klingelte der Wecker bei den Bravehearts am Samstag etwas zu früh – oder zu spät. Jedenfalls erwischte das Team von Paul Kujawski keinen idealen Start. Trotz großer Bemühungen wollte der Erfolg nicht kommen, obwohl man zuvor mit zwei Turniersiegen ordentlich Hallen-Selbstvertrauen gesammelt hatte. Das Problem: zu viele Gegentore. Und das ausgerechnet bei einem Team, das sonst defensiv so stabil steht wie ein norddeutscher Deich. Somit reichten acht eigene Treffer nicht fürs Halbfinale.

Aber: Respekt, Bravehearts! Im letzten, sportlich eigentlich bedeutungslosen Gruppenspiel zeigte Eichede echte DNA. Nach dem 2:1-Sieg Todesfeldes gegen Holstein drehten die Stormarner ein 0:3 in ein 4:3 – pure Unterhaltung für die Ränge. Dass es am Ende noch 4:4 ausging, tat kaum weh. Die Top zwei waren ohnehin weg. Moral: überragend. Applaus inklusive.
