Kilia überrollt Eutin nach der Pause – 7:0-Kantersieg

von Ismail Yesilyurt

Tino Klein (Kilia Kiel) mit einem perfekten Schuss rechts oben zum 3-0 gleich nach der Pause. © 2026 Ismail Yesilyurt


Für Kilia hätte der Abend kaum besser beginnen können. Nach nicht einmal 20 Sekunden zappelte der Ball bereits im Netz der Eutiner. Im Strafraum kam Tino Klein an den Ball, scheiterte aus kurzer Distanz jedoch am stark reagierenden Keeper Mika Popp. Vom Kieler oder höchstwahrscheinlich von Philipp Kunert prallte der Ball anschließend zurück ins Tornetz – Eigentor und die frühe Führung für die Gastgeber.

Kilia-Trainer Nicola Soranno sah darin allerdings nicht nur einen Vorteil: „Wir sind gut ins Spiel gekommen und machen mit der ersten Aktion das 1:0. Vielleicht ist das Tor sogar ein bisschen zu früh gefallen“, sagte er später. Danach habe seine Mannschaft zeitweise den Faden verloren.

Eutin hatte in der 13. Minute Glück. Nach einem Zweikampf zwischen Philip Kunert und Devran Boztepe in der rechten Strafraumhälfte der Gäste blieb die Pfeife von Schiedsrichterin Scholz stumm, obwohl Kunert bei seiner Grätsche eher den Gegenspieler als den Ball traf. Nur eine Minute später musste Popp erneut retten: Joshua Nwokoma kam aus sieben Metern zum Abschluss, blieb jedoch mit seinem Versuch an der Fußabwehr des Schlussmanns hängen.

Offene Abwehrreihen

Es entwickelte sich eine wilde Phase mit Chancen auf beiden Seiten. Die Gäste aus Ostholstein versteckten sich keineswegs. So musste Kilia-Torwart Tom Pachulski energisch gegen Noah Odiase klären und lenkte den Ball zur Ecke.

In der 22. Minute zeigte sich jedoch erneut die Achillesferse der Gäste. Die Defensive wirkte an diesem winterkalten Freitagabend löchrig wie ein Schweizer Käse. Marc Schwabe erlief sich einen langen Ball hinter der weit aufgerückten Eutiner Abwehr, verlor jedoch – nicht zum letzten Mal – das Eins-gegen-eins gegen Popp.

Marc Schwabe (Kilia Kiel) im Strafraum auf dem Weg zum ersten Duelle mit Keeper Mika  Popp (Eutin 08). © 2026 Ismail Yesilyurt
Marc Schwabe (Kilia Kiel) im Strafraum auf dem Weg zum ersten Duelle mit Keeper Mika Popp (Eutin 08). © 2026 Ismail Yesilyurt

Auch Pachulski auf der Gegenseite zeigte seine Klasse. Nach einem Steckpass von Paul Kuszak tauchte Tim Schüler frei vor dem Kilia-Keeper auf, doch Pachulski parierte und lenkte den Ball zur Ecke (25.). Wenig später verhinderte er mit einer Glanzparade gegen Odiase sogar einen möglichen Ausgleich, als er einen Schuss an die Latte lenkte.

Soranno wusste die Leistung seines Torhüters zu schätzen: „Da hat Pachulski uns im Spiel gehalten.“ Auch Eutins Paul Kuszak blieb ohne Erfolg gegen Pachulski.

Marc Schwabe trifft vor der Pause

Im weiteren Verlauf lieferten sich Schwabe und Popp ein regelrechtes Privatduell. Mehrfach blieb der Eutiner Schlussmann Sieger, doch kurz vor der Pause durfte Schwabe dann doch jubeln. Ein präziser hoher Pass von Philipp Spohn hebelte die erneut unaufmerksame Eutiner Abwehr aus. Im Strafraum kam es zu einem Pressschlag mit Simon Broszeit – der Ball rollte ins linke untere Eck zum 2:0-Halbzeitstand.

Kilia hätte zur Pause höher führen können – Eutin allerdings auch verkürzen. „Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn Eutin das 1:1 macht“, gestand Soranno später. „Da war ich mit der ersten Halbzeit überhaupt nicht zufrieden.“

Auch Eutin-Trainer Dennis Jaacks sah trotz des Rückstands Positives: „Die erste Halbzeit war gut. Wir haben mitgespielt und hatten auch unsere Chancen. Darauf können wir aufbauen.“

Fünf-Minuten-Dreierpack nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel machten die Kieler jedoch kurzen Prozess. Innerhalb von fünf Minuten schraubten die Gastgeber das Ergebnis mit einem Dreierpack auf 5:0.

Zunächst traf Tino Klein mit einem sehenswerten Schuss aus 22 Metern. Kurz darauf wurde Joshua Nwokoma auf der rechten Seite geschickt, lief seinem Gegenspieler davon und vollendete ins lange Eck – der Leihspieler vom SC Weiche Flensburg 08 krönte damit seinen starken Auftritt. Nur eine Minute später erhöhte Julius Alt mit einem abgefälschten Fernschuss.

Soranno war vor allem mit der Reaktion seiner Mannschaft nach der Pause zufrieden: „Wie wir aus der Halbzeit kommen, war Wahnsinn. Die Jungs haben das sehr gut umgesetzt, was wir besprochen haben.“

Eutin Defensivprobleme zu groß

Eutin konnte sich danach zwar etwas befreien, blieb aber ohne Treffer. Für Trainer Jaacks lag der Knackpunkt vor allem im Defensivverhalten seiner Mannschaft.

„Wir standen viel zu offen und haben hinter unserer Kette zu viele Räume angeboten“, erklärte er. „Das haben sie mit relativ einfachen Mitteln bespielt. Oft hat schon ein langer Ball gereicht, damit sie fast frei vor unserem Tor auftauchen. So kannst du auf Oberliga-Niveau nicht verteidigen.“

Joshua Nwokoma (Kilia Kiel)kurz vor seinem 4-0 mit einem Schuss ins lange Eck. Rechts Simon Broszeit (Eutin 08)© 2026 Ismail Yesilyurt
Joshua Nwokoma (Kilia Kiel)kurz vor seinem 4-0 mit einem Schuss ins lange Eck. Rechts Simon Broszeit (Eutin 08)© 2026 Ismail Yesilyurt

Hinzu kam für die Ostholsteiner ein fehlender Spielrhythmus. Während Kilia bereits mehrere Punktspiele absolviert hatte, war es für Eutin das erste Pflichtspiel auf Oberliga-Niveau im Jahr 2026. „Man hat gemerkt, dass Kiel im Wettkampfrhythmus ist. Bei uns haben in vielen Situationen die besseren Entscheidungen unter Druck gefehlt“, so Jaacks.

Treffer von Groß und Foit runden den Abend ab

Durch mehrere Wechsel kam zwar ein kleiner Bruch ins Spiel der Gastgeber, doch Kilia lehte noch einmal nach. Die eingewechselten Lucas Groß und Florian Foit sorgten schließlich für die Treffer zum deutlichen 7:0-Endstand.

Soranno zeigte sich nach dem Abpfiff insgesamt zufrieden: „Ich freue mich, dass wir wieder zu null gespielt haben. Das ist für unsere Entwicklung wichtig.“

Für Eutin bleibt trotz der deutlichen Niederlage zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer. „Auch wenn es eine herbe Klatsche ist, können wir einiges aus der ersten Halbzeit mitnehmen“, sagte Jaacks, dessen mutige Marschroute in der ersten Halbzeit nicht honoriert wurde. „Jetzt wollen wir in den nächsten Spielen eine Reaktion zeigen.“

Stimmen zum Spiel

Dennis Jaacks (Trainer Eutin 08
Nicola Soranno (Trainer Kilia Kiel)

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