Heider SV: „Am Ende gingen wir am Stock“

von Olaf Wegerich

Die Trainerbank des Heider SV im Spiel gegen den MTSV Hohenwestedt. Rechts Markus Wichmann. © 2025 Olaf Wegerich


Für den Heider SV ist ein Großteil der Oberligasaison 2025/2026 gelaufen. Bereits 19 Spiele hat die Mannschaft von Trainer Markus Wichmann absolviert, damit sind für die Dithmarscher fast zwei Drittel der Saison gespielt. Aktuell rangiert der Traditionsverein punktgleich mit Holstein Kiel II auf dem 3. Platz, hat aber bereits zwei Spiele mehr ausgetragen als der Regionalligaabsteiger. Im Verfolgerfeld lauern mit dem SV Eichede und Meister FC Kilia Kiel zwei weitere hoch eingeschätzte Mannschaften, die jeweils noch drei Nachholspiele zu bestreiten haben. Was ist für den amtierenden Vizemeister, der im Sommer nur knapp den Aufstieg in die Regionalliga verpasste, in den verbleibenden elf Saisonspielen noch möglich? Darüber und über andere Themen unterhielt sich Youkick-Redakteur Olaf Wegerich mit Heides Trainer Markus Wichmann.

Hallo Markus, abgesehen von den drei letzten Auswärtsspielen, in denen ihr überraschend nur zwei Punkte geholt habt und die euch damit eine deutlich bessere Ausgangsposition gekostet haben, kannst du eigentlich mit der Hinrunde zufrieden sein?
Durch die Aufstiegsrunde hatten wir im Sommer nur eine kurze Pause. Das hat uns am Ende das Genick gebrochen. Die letzten drei Ergebnisse passten alle nicht. Dadurch haben wir uns eine ansonsten tolle Hinrunde kaputtgeschossen. Am Ende gingen wir am Stock. Schlüsselspieler wie Patrick Storb standen uns erst am 5. Spieltag und Christopher Buchtmann erst nach dem 8. Spieltag zur Verfügung. Dazu kamen immer wieder kleine Verletzungen, die uns aus der Bahn geworfen haben. Dabei waren wir mit vier Siegen überragend in die Saison gestartet.

Patrick Storb (Heider SV) gegen Melih Cerrah (li., Inter Türkpsor Kiel). Mit dem 3:3 in Kiel verloren die Heider weiter Boden im Titelrennen. © 2025 Ismail Yesilyurt
Patrick Storb (Heider SV) gegen Melih Cerrah (li., Inter Türkpsor Kiel). Mit dem 3:3 in Kiel verloren die Heider weiter Boden im Titelrennen. © 2025 Ismail Yesilyurt

Den ersten richtigen Rückschlag gab es dann bei der 1:6-Heimniederlage gegen Regionalligaabsteiger Holstein Kiel II. Wie hast du das Spiel in Erinnerung?
Das war eine schrecklich hohe Niederlage. Aber ich bleibe dabei: Wir haben uns in dem Spiel deutlich besser verkauft, als es das Ergebnis aussagt. Zwei Gegentore sind durch individuelle Fehler gefallen, zwei durch Standards, und wir haben noch ein Eigentor erzielt.

Dennoch habt ihr vor allem zu Hause viel liegen gelassen. Wie ist das zu erklären?
Das trifft vor allem auf die Heimspiele gegen Nordmark Satrup und gegen Eutin 08 zu. Das war richtig schlecht, und da sind wir einiges schuldig geblieben. Viele Mannschaften sind in Heide doppelt motiviert. Es ist für viele Teams immer etwas ganz Besonderes, bei uns in einem richtigen Stadion vor vielen Zuschauern zu spielen. Ich glaube nicht, dass wir einen Gegner im Unterbewusstsein unterschätzt haben. Da sind die Jungs auch ganz gut in der Selbstanalyse nach solchen Spielen. Gegen Todesfelde haben wir es dann aber wieder sehr gut gemacht und nach einer starken Leistung nur sehr unglücklich verloren. Natürlich haben wir insgesamt zu Hause zu viele Punkte verloren.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die vielen Gegentore, die ihr vor allem in den letzten drei Punktspielen hinnehmen musstet.
Ja, das stimmt. Das waren eindeutig zu viele. Ausschlaggebend ist für mich aber, wie ein Gegentor entstanden ist, und da nehme ich die gesamte Mannschaft in die Verantwortung. Nicht der letzte Pass ist für mich entscheidend, wenn wir ein Gegentor bekommen. Was hätten wir im Vorwege besser machen können? Wo hätten wir Laufwege zustellen können? Wo hätten wir Räume besser schließen müssen? Welchen Zweikampf haben wir verloren oder standen wir verkehrt beim Einwurf? Da gehört für mich dann die ganze Mannschaft dazu.

Wie weit ist die von dir und deinem Trainerteam angedachte Systemumstellung abgeschlossen?
So eine Systemumstellung benötigt unheimlich viel Zeit, gerade wenn man im Vorwege jahrelang immer nur das eine gespielt hat. Das bekommt man nicht in einem halben Jahr hin. Wir versuchen jetzt, hinten heraus mehr Fußball zu spielen, als zu schlagen. Das birgt natürlich gewisse Gefahren, aber das nehmen wir bewusst in Kauf.

Markus Wichmann (Heider SV) und sein sitzender Co-Trainer Tobias Dau.jpg © 2025 Volker Schlichting
Markus Wichmann (Heider SV) und sein sitzender Co-Trainer Tobias Dau. © 2025 Volker Schlichting

Wie schätzt du die Oberliga insgesamt ein, und wen erwartest du am Saisonende vorne?
Das ist aktuell die stärkste Oberliga seit Jahrzehnten. Alle Mannschaften, nicht nur die Spitzenvereine, entwickeln sich weiter. Das betrifft nicht nur den Trainerstab, den Trainingsumfang und die Videoanalyse. Ob es nun Holstein II oder Todesfelde wird: Holstein muss mit aller Macht hoch. Todesfelde will unbedingt hoch und ist da auch auf einem richtig guten Weg. Aber beide spielen noch gegen uns, von daher werden sie auch noch Punkte lassen. Dann schauen wir mal, wie sie sich in den anderen Spielen durchsetzen. Eine Anmerkung noch: Ich finde den Modus mit der Aufstiegsrunde total ungerecht. Meister müssen aufsteigen.

Welche Rolle spielt für euch der Ausfall von Torjäger Mika Kieselbach?
Mika ist einer, der weiß, wo das Tor steht. Er fehlt uns natürlich sehr. Es tut ihm mehr weh als uns, dass er jetzt nicht spielen kann. Trotzdem ist unsere Offensive nicht ganz so schlecht. Bei mir sitzen auch mal Spieler auf der Bank, die woanders sicherlich Stammspieler wären.

Du bist bekannt dafür, junge Spieler bei ihrer Entwicklung zu fordern und zu fördern. Tarek von Böhlen und sein außergewöhnliches Potenzial hatten wir schon bei seiner Vertragsverlängerung ausführlich thematisiert. Wen siehst du von deinen Spielern noch auf dem Sprung?
Yusef Abdelrahman ist da auf einem guten Weg. Er nimmt sich seinen unmittelbaren Kontrahenten auf der Position, Björn Lambach, als Vorbild und verkörpert diese Rolle immer mehr. Im Training geht es da sehr intensiv zur Sache, und es wird sich nichts geschenkt. Hark Dreier hat gegen Kaltenkirchen gespielt und dabei gute Ansätze gezeigt. Er kann zudem auf mehreren Positionen spielen, ist sehr laufstark und technisch gut. Auf der Torhüterposition haben wir Bennet Roloff. Er ist ein guter Torhüter, und ich traue ihm den Sprung zu, aber er muss körperlich noch zulegen.

Wie verhält es sich bei deinem Sohn Luca?
Luca kommt aus einer langen Verletzung und hat zuletzt bei Inter in der Startelf gespielt, obwohl Neelsen und Lorenzen ebenfalls zur Verfügung standen. Beim Stand von 3:1 für uns haben wir ihn dann ausgewechselt. Es ist nie ganz leicht, den eigenen Sohn zu trainieren. Es erleichtert mir natürlich die Entscheidungsfindung bei der Aufstellung, dass auch mein Co-Trainer Leif Hahn Luca sehr positiv sieht.

Im ersten Spiel des neuen Jahres wartet auswärts die Partie bei Holstein Kiel II. Wie werdet ihr das Spiel angehen?
Holstein II arbeitet unter Profibedingungen, und sie müssen aufsteigen. Davor haben sie ja noch das Nachholspiel gegen Kilia. Wir werden uns das Spiel natürlich anschauen. Holstein hat dadurch wieder eher Wettkampfpraxis. Das wird ein hartes Brett für uns, aber wir wissen dann gleich, wo wir stehen.

Der Heider SV vor dem 2:4 gegen den Tabellenführer SV Todesfelde. Ein Heimsieg hätte dem HSV weitaus bessere Karten beim Titelkampf zugespielt  © 2025 Volker Schlichting
Der Heider SV vor dem 2:4 gegen den Tabellenführer SV Todesfelde. Ein Heimsieg hätte dem HSV weitaus bessere Karten beim Titelkampf zugespielt © 2025 Volker Schlichting

Welche Ziele habt ihr euch für die letzten Saisonspiele gesetzt?
Wir sind auch in der letzten Saison ganz gut damit gefahren, uns bedeckt zu halten. Wir wollen natürlich versuchen, da oben noch einmal reinzurutschen. Das bedeutet aber auch, dass wir gleich im ersten Spiel bei Holstein gewinnen müssen. Ich möchte den jetzigen 3. Platz nicht halten, ich möchte schon versuchen, weiter nach oben zu kommen. Wenn am Ende der Saison der 3. Platz herausspringt, bin ich zufrieden. Dazu bedarf es aber weniger einfacher Fehler in Sachen Punkte verschenken, wie wir es gemacht haben. Die Mannschaften hinter uns müssen erst einmal ihre Nachholspiele gewinnen. Ziel ist weiterhin, möglichst viele Spiele zu gewinnen und die Spieler weiterzuentwickeln.

Was stimmt dich positiv für die Frühjahrsrunde?
Nach der Winterpause werden einige Spieler nach ihren Verletzungen wieder dabei sein. Jan Wansiedler ist seit einigen Wochen wieder im Training. Gerade gegen seinen Ex-Verein habe ich keine Angst, dass es mit ihm nicht hinhaut. Auch Vasyl Tanchak erwarte ich zurück.

Wie laufen die Vorbereitungen auf das Hallenmasters in Kiel?
Der Premiocup in Hemmingstedt ist wegen Umbauarbeiten in der Halle in diesem Jahr leider ausgefallen. Wir werden uns daher in der Soccerhalle in Tornesch vernünftig auf das Turnier vorbereiten und danach den Kader für das Turnier festlegen.

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