0:6 gegen Holstein Kiel II: Harte Lektion für den VfR

von Helwig Pfalzgraf

Lars Neca (vorne, VfR Neumünster) gegen Henrik Westphal (Holstein II). © 2026 Olaf Wegerich


Mit der höchsten Punktspielklatsche mindestens der letzten 10 Jahre endete für Rasensport Neumünster das Heimspiel gegen Holstein Kiel II. Das wird für das Team von Trainer Danny Cornelius aber unterm Strich zu verschmerzen sein, denn man landet in diesem Spieljahr mindestens auf Rang sieben, wiederum die beste Platzierung seit der Saison 16/17. Holstein Kiels Reserve wiederum verteidigte mit diesem unerwartet hohen Sieg Platz 2, während der VfR Fünfter bleibt.

Holstein mit Blitzstart

Bereits mit dem ersten Angriff ging Holstein in Führung. Kapitän Malte Petersen, der später noch zwei weitere Treffer vorbereitete, spielte einfach mal lang auf halblinks. Dort setzte sich Bundesligaaspirant Leon Parduzi gegen seinen Gegenspieler durch und traf. Sah einfach aus. Keine Minute war gespielt. Eine eventuelle Mauertaktik des VfR (wie im Hinspiel) ist damit schon mal obsolet.

Leon Parduzi (Holstein Kiel II). © 2026 Olaf Wegerich
Leon Parduzi (Holstein Kiel II). © 2026 Olaf Wegerich

Nach sechs Minuten war dann Bundesligaleihgabe Aldin Jakupovic links durch, Glanzparade von Jose Aguirre Dardon, der erneut anstelle von Christopher Newe im VfR-Tor stand. Nach 13 Minuten dribbelte dann Isalam Matene von linksaußen kommend locker nach innen, wurde kaum gestört und traf aus 16 Metern platziert, aber keineswegs besonders hart flach ins Eck – 0:2.

Mehr Training schießt doch Tore

Rasensport hatte oft kaum Zugriff, wirkte phasenweise vor unlösbare Rätsel gestellt. Die Elf wirkte etwas überspielt. Engagiert ja, aber ohne viel Effektivität. Holstein war ausgeruhter und sowieso individuell schneller und fußballerisch besser. Dass die Elf etwa doppelt so oft unter deutlich besseren Bedingungen trainiert wie ein „normaler“ Oberligist, wurde heute auf dem Platz deutlich. „Einfach besser, schneller, jünger“, stellte Rasensport-Verteidiger Christoph Kahlcke nach Spielschluss im Gespräch mit Holsteins Betreuerin Britta Stahl trocken fest. Auf der Rasenfläche vor dem Haus von Holsteins Betreuerehepaar Stahl hatte Kahlcke, der heute Gelb sah, vor 26 Jahren mit dem Fußball angefangen.

Ersatzgeschwächt – heute mal sichtbar

Zweite Bälle im Mittelfeld gingen meist an die Boy-Elf. Hier sah man beim VfR das Fehlen der vier Sechser Kevin Schulz, Visar Mehmeti, Radovan Karaman und Sven Freitag deutlich. In den letzten Spielen konnte man das gegen andere Gegner noch gut kaschieren.

Ola Adesanya (VfR Neumünster) gegen Malte Petersen (Holstein Kiel II). © 2026 Olaf Wegerich
Ola Adesanya (VfR Neumünster) gegen Malte Petersen (Holstein Kiel II). © 2026 Olaf Wegerich

Nach 23 Minuten verzeichnete der VfR nach Ola Adesanya – Vorarbeit durch Kastriot Alija – dann auch mal eine Großchance. Doch freistehend setzte er den Ball übers Tor. Doch weiter hatte Holstein die besseren Gelegenheiten. Nach 27 Minuten forderte Holstein vergeblich einen Elfmeter, wenig später (34.) war Jakupovic linksaußen durch, fand innen aber keinen Abnehmer.

Danny Cornelius reagierte, beorderte nach 39 Minuten Kenny Korup wieder in die Abwehrzentrale. Trotzdem ist wenig später Islam Matene (40.) frei vor Aguirre, der mit Glanzparade rettet.

Nach der Pause läuft es ideal für Holstein

Nach der Pause bleibt dem VfR bei 0:2 nichts weiter übrig, als alles zu riskieren. Man läuft höher an, verlagert das Spiel mit einfachen Mitteln so ein wenig in die gegnerische Hälfte. Kommt aber vorne nicht durch. Im Gegenteil. Man wird klassisch ausgekontert. Der „halblinke“ Jakupovic zeigt beim Starten in den freien Raum jedes Mal sehr gutes Timing, allerdings gibt es auch keinen Kölner Keller, der kontrolliert, ob der große Zeh nicht doch abseits war.

Aldin Jakupovich (Holstein II) gegen Jonas Schomaker (VfR Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich
Aldin Jakupovich (Holstein II) gegen Jonas Schomaker (VfR Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich

In der 47. scheitert er noch an Aguirre, doch in der 49. und 59. trifft er humorlos. Das Spiel ist endgültig durch. Cornelius wechselt am Stück vierfach. Sven Boy tut sich damit noch schwer, bringt erst später seine Bankspieler (Doppelwechsel in der 67./74. Minute). Nach 74 Minuten rettet Aguirre gegen den frei gerade eingewechselten Kulikas, in der 82. gegen den ebenfalls eingewechselten völlig freien Freiherr Oskar Friedrich von Esebeck.

Doch der ebenfalls eingewechselte Mätthi Meyer (71.) hatte vorher schon völlig frei kombiniert zum 0:5 ins leere Tor getroffen, und auch v. Esebeck (86.) macht noch sein Tor. Nicht verschwiegen sei, dass Leo Rothenhagen mit einer Parade gegen Jordan Marquardt auch noch einmal richtig gefordert war (84.).

Fazit: Trotz der 0:6-Demontage hält Rasensport mit vier Punkten Vorsprung Rang fünf, da auch die Konkurrenz verlor. Holstein hat bei zwei Punkten Vorsprung ein Spiel mehr absolviert als der dritte SV Eichede. Der trifft im Nachholspiel am Mittwoch nun ausgerechnet auf den VfR und könnte mit einem Sieg gegen heute ausgelaugt wirkende Rasensportler an Holstein vorbeiziehen.

Stimme zum Spiel

Danny Cornelius (Trainer VfR Neumünster)

28. Spieltag – Oberliga SH

Datum Begegnung Erg.
01.05.26 TuS Rotenhof – Oldenburger SV 3:1
03.05.26 Heider SV – SV Eichede 0:2
03.05.26 VfR Neumünster – Holstein Kiel U23 II 0:6
03.05.26 PSV Union Neumünster – Kaltenkirchener TS 3:2
03.05.26 SV Preußen Reinfeld – SV Todesfelde 0:4
03.05.26 TSV Nordmark Satrup – Inter Türkspor Kiel 2:1
03.05.26 FC Kilia Kiel – MTSV Hohenwestedt 3:1
03.05.26 Eutin 08 – 1. FC Phönix Lübeck II 3:2

Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein

Pos Verein Sp. Tore Pkt.
1 SV Todesfelde (Ab) 28 75:24 71
2 Holstein Kiel U23 II (Ab) 28 74:25 59
3 SV Eichede 27 57:25 57
4 FC Kilia Kiel 28 78:35 55
5 VfR Neumünster 27 58:51 48
6 1. FC Phönix Lübeck II (Auf) 28 63:56 44
7 Heider SV 28 55:56 44
8 Polizei SV Union Neumünster 28 60:58 38
9 TSV Nordmark Satrup 28 42:44 37
10 Kaltenkirchener TS (Auf) 28 41:52 33
11 TuS Rotenhof 28 48:66 31
12 Oldenburger SV 28 57:75 29
13 Eutin 08 28 30:61 24
14 MTSV Hohenwestedt 28 40:62 23
15 Inter Türkspor Kiel (Auf) 28 29:73 20
16 SV Preußen Reinfeld 28 33:77 15

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