Glückliches 1:1 für reifen VfR Neumünster im Spitzenspiel gegen Kilia Kiel

von Ismail Yesilyurt

Teufelskerl Torhüter Christopher Newe (VfR Neumünster) unbezwingbar vom Punkt. © 2026 Olaf Wegerich


In einem packenden und an Dramaturgie kaum zu übertreffenden Spitzenspiel gibt es für den am 1. Spieltag siegreichen VfR Neumünster (3:0 beim PSV Neumünster) und den FC Kilia Kiel (2:1 bei der Kaltenkirchener TS) am Ende ein 1:1 (0:0). Vor 402 Zuschauern sahen die Fans eine intensive Partie, in der die Gäste aus Kiel über weite Strecken das spielerisch bessere Team waren, sich durch eine mangelnde Chancenverwertung und zwei vergebene Elfmeter jedoch selbst um den Lohn brachten. Der VfR bewies trotz personeller Sorgen große Moral und belohnte sich tief in der Nachspielzeit mit dem späten Ausgleich.

Kilia vergeigt Torchancen

Die Gäste aus Kiel drückten von Beginn an aufs Tempo und ließen vor allem im ersten Durchgang Möglichkeiten liegen. Kilias Trainer Nicola Soranno haderte nach dem Abpfiff mit der Torquote: „Wir haben super verteidigt in Summe. Haben schon in den ersten zehn Minuten, glaube ich, zwei Hundertprozentige, wo ich immer sage, da müssen wir mal ein Tor schießen. Am Ende, wenn du zwei Elfmeter verschießt, dann kannst du nicht… Ja, dann kann es auch im Endeffekt kein gerechtes Unentschieden sein.“ Auch Kilias Torwart Tom Pachulski fand nach der Partie kaum Worte für den Spielverlauf: „Ach, schwer, ist gar nicht zu erklären, weil ich glaube, wir hatten übers ganze Spiel eine Chancenqualität, die unfassbar war.“

Rasensport mit großer Moral

Der VfR Neumünster musste personell improvisieren und Ausfälle kompensieren – unter anderem fehlte der für drei Spiele gesperrte Nils Drauschke und der sich auf seiner Hochzeitstour befindliche Alban Jashari. VfR-Trainer Danny Cornelius zeigte sich daher überglücklich mit dem Punktgewinn: „Also ich glaube, wir hatten heute einfach das glücklichere, oder das Glück auf unserer Seite. Eigentlich musst du hier klar als Verlierer vom Platz gehen, aber die Mannschaft hat eben dementsprechend Moral bewiesen.“

Eine der wenigen VfR-Chancen. Aber bei dem Kopfball von Geart Latifi (VfR Neumünster) hatte Kilia Dusel. © 2026 Olaf Wegerich
Eine der wenigen VfR-Chancen. Aber bei dem Kopfball von Geart Latifi (VfR Neumünster) hatte Kilia Dusel. © 2026 Olaf Wegerich

Lange Zeit hielt die Defensive der Hausherren so gut es ging stand. Offensiv versuchte Neumünster, vereinzelt Akzente zu setzen. So traf Geart Latifi nach einem Eckball die Unterkante der Torlatte (51.). Auf der anderen Seite prüfte u. a. Marc Schwabe mit einem Schuss die Stabilität des Innenpfostens (60.). Kurz vor dem Ende schien die Partie dann aber doch zugunsten der Kieler zu kippen: Der eingewechselte Tino Klein erzielte in der 87. Minute mit einem sehenswerten Tor die späte und hochverdiente1:0-Führung für Kilia. Jetzt ging der Krimi richtig los mit viel Hektik und Tumult.

Elfmeterkiller Newe rettet den Punkt

So hielt das Spiel eine spannende Schlussphase bereit. Der VfR, mit einen starken Rafael Krause, warf noch einmal alles nach vorne, während Kilia die Vorentscheidung verpasste. Nach einem weiten Einwurf vom ehemaligen Handballer Tom Schilling und einem Gewühl im Strafraum war es Moshood Adesanya, der in der dritten Minute der Nachspielzeit (90.+3) geistesgegenwärtig zuschlug und zum umjubelten 1:1-Endstand einschob.

Rafael Krause (VfR Neumünster) machte ein Riesenspiel und sorgte immer wieder für Entlastung. © 2026 Olaf Wegerich
Rafael Krause (VfR Neumünster) machte ein Riesenspiel und sorgte immer wieder für Entlastung. © 2026 Olaf Wegerich

Mit der puren Euphorie im Blut wurden die Veilchen im Finish heißblütig. Nick Neca kommt 30 Sekunden später zu spät gegen Kilias Marc Schwabe im Strafraum: erneut Elfmeter für Kilia Kiel. Der Strafstoß vom Linksfuß Tom Warncke ist gut und scharf geschossen, doch gleichzeitig avancierte Neumünsters Torwart Christopher Newe zum gefeierten Helden. „Und dann hast du halt so einen langen Lulatsch im Tor, der auch mal einen Elfmeter hält“, lächelte Cornelius. Newe beschrieb die entscheidende Szene humorig: „Ja, ich wollte erst auch in die linke Ecke gehen, aber weiß nicht. Das ist auch noch Gefühlssache, intuitiv. Dann taucht man ab. Wie viel Glück dazugehört, dass man auch um den Pfosten lenken kann, aber – funktioniert.“

Wir müssen den Kopf hoch machen, weil es geht Samstag sofort weiter“

Trotz des späten Dämpfers blickte Kilia-Coach Soranno nach vorn: „Aber ich habe den Jungs auch gesagt, wir müssen den Kopf hoch machen, weil es geht Samstag sofort weiter.“ Neumünsters Geart Latifi zog ebenfalls ein positives Fazit für die kommenden Wochen: „Wir sind zufrieden erst mal mit dem Punkt. Das hat uns sehr gut, sehr gute Gefühl gegeben für die nächste Woche.“

Stimmen zum Spiel

Nicola Soranno (Trainer Kilia Kiel)
Danny Cornelius (Trainer VfR Neumünster)
Tom Pachulski (Torwart Kilia Kiel)
Christopher Newe (Torwart VfR Neumünster)
Geart Latifi (VfR Neumünster)
  • VfR Neumünster: Christopher Newe – Jan Lippegaus, Christoph Kahlcke (90. Tom Schilling), Geart Latifi (81. Jonas Schomaker), Nick Neca – Kenny Korup – Rafael Krause, Visar Mehmeti, Maurice Knutzen (60. Kastriot Alija) – Noah Awuku (84. Manuel Carvalho), Moshood Adesanya
  • Trainer: Danny Cornelius
  • FC Kilia Kiel: Tom Pachulski – Berat Ayyildiz (72. Selim Cetintürk), Tom Warncke, Yannik Jakubowski – Marcel Freund (62. Tino Klein) – Paul Meseberg, Serhat Yazgan (78. Jannis Voß), Luca Senger, Drilon Trepca (70. Marvin Müller) – Marc Schwabe, Lucas Groß (89. Louis Drews)
  • Trainer: Nicola Soranno
  • Schiedsrichter: Tim Jeschkeit (Gettorfer SC)
  • Assistenten: Hauke Moje, Jesper Rieckmann
  • Zuschauer: 402
  • Bes. Vorkommn.: Drilon Trepca (65., Kilia) verschießt Elfmeter, Christopher Newe (VfR) hält Elfmeter von Tom Warncke (90.+5., Kilia)
  • Tore: 0:1 Tino Klein (87.), 1:1 Moshood Adesanya (90. +3)

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