Riesenfreude nach der gelungenen Eckballvariante beim 1:0- Schützen Marc Schwabe (Kilia Kiel). © 2026 Ismail Yesilyurt
Am Freitagabend trennten sich Kilia Kiel und der SV Eichede mit einem 2:2. Die Führung für den Tabellenfünften aus Kiel gelang Marc Schwabe mit seinem ersten Saison. Den 0:1-Pausenrückstand drehte der Vierte der Oberliga Schleswig-Holstein mit dem 1:1 durch Leon Tonder gleich nach Wiederbeginn. Es war der zweite Saisontreffer des Spielers, der bisher alle Spiele der Eicheder mitgemacht hat. Auch Jens Wollesen stand in jeder Partie auf dem Platz. Gegen Kilia gelang dem Neuzugang aus Satrup bereits sein 11. Tor in der aktuellen Saison. Das vierte Saisongoal von Kilias Jannis Voß stellte schließlich den Endstand von 2:2 her.
Für die Kieler war es nach dem 0:2 aus der Vorwoche bei Holstein Kiel II das zweite Spiel der Restrunde, während der SV Eichede zum ersten Mal 2026 auf Punktejagd ging.
Kieler Auftakt mit Wucht
Die Hausherren starteten mit der Entschlossenheit einer Mannschaft, die eine Rechnung begleichen wollte. „Ich weiß nicht, warum wir uns gegen Eichede immer schwertun“, bekannte Kilia-Coach Nico nach Abpfiff. Dabei sah es zunächst gar nicht nach Mühe aus. Die ersten 30 Minuten gehörten klar den Kielern. Mit und ohne Ball dominierten sie das Geschehen, pressten hoch, kombinierten flüssig und ließen die Gäste ratlos wirken. „Bis zum 1:0 haben wir ein unfassbar gutes Spiel gemacht, mit und gegen den Ball“, sagte Kilia-Trainer Nicola Soranno später.
Verdienter Lohn für Kilia durch Marc Schwabe
Das 1:0 war die logische Folge dieses Drucks mit der vierten Gelegenheit. Und es fiel nach einer sehenswerten Eckballvariante: Julius Alt führte von rechts kurz auf den aus dem Strafraum entgegenkommenden Jannis Voß aus. Das Zuspiel legte Voß, der als Sechser wieder einmal ein Eckpfeiler im Soranno-Gerüst war, zurück. Alt passte dann fast schon quer in den freien Raum in der Box, wo Marc Schwabe in Position gelaufen war und mit einem Schuss aus etwa 12 Metern Keeper Christopher Barkmann mit einem nicht unhaltbaren Ball überraschte.
Eichede findet die Ordnung
Ab der 24. Minute drehte sich der Wind langsam zugunsten der Gäste. Ein weiter Einwurf von Lucas Irmler wurde per Kopf an die Latte verlängert, der Nachschuss von Mika Meyer abgeblockt. Nach und nach nahm die Intensität bei Kilia Kiel ab. Sascha Steinfeldt, der den beruflich verhinderten Cheftrainer Paul Kujawski vertrat, hatte die Anfangsprobleme klar gesehen. „Kiel hatte einen guten Zugriff zu Beginn. Uns hat ein Stück weit die Ruhe und Sicherheit gefehlt.“ Seine Mannschaft korrigierte das Anlaufverhalten, fand besser ins Spiel und arbeitete sich zurück.
Marvin Müller verpasst 2:0 – Bravehearts treffen im Gegenzug zum 1:1
Schon gegen Ende der ersten Halbzeit bekam Eichede offensiv mehr Momente, in Durchgang zwei dann auch klare Chancen und die Erträge. Gleich in der 48. Minute traf Leon Tonder, einer der besten Spieler, aus dem Strafraum mit einem Linksschuss flach unten rechts. Vorausgegangen war ein schöner Angriff über die linke Seite. Da waren die Kilianer zu passiv und gewährten zu viel Raum, nachdem man Sekunden zuvor durch Marvin Müller das 2:0 liegen gelassen hatte.

Kilia mit Sekundenschlaf beim Rückstand
Vor dem 1:2 offenbarten die Gastgeber dann jene Sekunde Unaufmerksamkeit, die Spiele kippen lässt. Nach einem Freistoß, bei dem Kilia „gar nicht da“ gewesen sei, wie Soranno sagte, drehten die Gäste das Spiel auf 2:1. Keeper Pachulski wehrte den Kopfball aus kurzer Entfernung gut ab, der Ball landete jedoch direkt vor den Füßen von Jens Wollesen.
Tolle Vorarbeit von Jeppe Waschko vollendet Jannis Voß
Die Führung hielt jedoch nur kurz. „Nach dem 2:1 waren wir zu euphorisch, nicht vernünftig in der Ordnung“, analysierte Steinfeldt. Kilia bekam nach dem Anstoß einen Konter „geschenkt“, wie der SVE-Co-Trainer es nannte. Die Elf von Nicola Soranno antwortete prompt: Jeppe Waschko bereitete mit einer starken Flanke von rechts an den hinteren Pfosten den Kopfball von Voß hoch ins Eicheder Tornetz mustergültig vor.
Kilia Kiel setzt nach
Kilia blieb dran, hatte aber Pech, dass Marvin Müller von einem Abseitspfiff gebremst wurde. Der Weg zum Barkmann-Gehäuse wäre völlig frei gewesen (66.). Abseits war es jedoch nicht. Kurz darauf boten sich Lukas Groß aus Mittelstürmer-Position zwei Hochkaräter (72.). Der Neuzugang vom Heider SV zögerte zu lange – Christopher Barkmann war stark zur Stelle, und auch den Nachschuss parierte der SVE-Goalie, der in dieser Szene seine in der Oberliga herausragende Position als Spitzentorwart bestätigte.
Soranno-Team trotzt Unterzahl
In der 75. Minute schwächten sich die Kieler selbst. Nach einem Gerangel schubste Drilon Trepca einen Gegenspieler und bekam in der 76. Minute die Rote Karte. „Klar kannst du sagen, mit einem Punkt kann man leben, wenn man 15, 20 Minuten in Unterzahl spielt“, sagte Soranno. Doch seine Mannschaft verteidigte nicht nur stabil, sie blieb gefährlich. „Wir waren näher am 3:2 als Eichede“, betonte der Trainer. In der Schlussphase werden noch zwei Schüsse von Waschko (Kilia Kiel) und Mika Meyer (SV Eichede) aus guter Position im Strafraum abgeblockt.

„Unter dem Strich ein gerechtes Unentschieden“
Bei Steinfeldt dagegen überwog der Ärger. „Gerade durch die Überzahl hinten raus.“ Trotzdem erkannte er die Qualität des Gegners an: „Die erste Halbzeit geht an Kiel, die zweite an uns. Unter dem Strich ein gerechtes Unentschieden.“
Kilia kann sich zugutehalten, nach dem Rückstand wieder den Rhythmus gefunden und in Unterzahl eine beachtliche Leistung präsentiert zu haben. Eichede bewies einmal mehr seine Klasse bei Standards und seine bekannte sowie geschätzte Widerstandskraft nach schwacher Anfangsphase. So stand am Ende ein 2:2, das Eichede als Verfolger des Tabellenführers SV Todesfelde mehr wehtut als den Landeshauptstädtern, die in Ruhe die Saison zu Ende spielen dürfen.
Stimmen zum Spiel
Kilia Kiel: Pachulski – Jakubowski, Witt, Ayyildiz (46. Ayyildiz) – Voß – Trepca, Alt (62. Spohn), Niebergall (61. Waschko), Meseberg – Schwabe (88. Boztepe), Nwokoma (67. Groß).
Trainer: Nicola Soranno.
SV Eichede: Barkmann – Fritzen, Ehlers, Shkuropatov (68. Bieche), Irmler – Tonder, Giebler (86. Krüger) – Clausen (86. Ikdea), Silas Meyer, Mika Meyer – Wollesen.
Trainer: Sascha Steinfeldt.
SR: Tim Jeschkeit (Barkelsbyer SV).
Ass.: Hauke Moje, Jesper Rieckmann.
Z.: 250.
Rote Karte: Drilon Trepca (76., Kilia).
Tore: 1:0 Marc Schwabe (15.), 1:1 Leon Tonder (48.), 1:2 Jens Wollesen (63.), 2:2 Jannis Voß (65.).
