Hasan Kurucay köpft zum 2:0 für Schalke 04 bei Holstein Kiel ein. © 2026 Ismail Yesilyurt
Das Abstiegsgespenst will Holstein Kiel einfach nicht verlassen. Nach dem 1:2 im eigenen Stadion gegen Schalke 04 rutschten die Störche um zwei Plätze auf Rang 14 ab. Inzwischen ist man mit dem Gespenst per Du – es ist bereits die dritte Punktspielniederlage in Folge trotz einer Leistungssteigerung gegenüber den letzten beiden Punktspielen gegen Greuther Fürth und Hannover 96. Die Begegnung zwischen zwei krisengeplagten Teams entschieden die Knappen am Ende etwas glücklich, aber auch nicht unverdient für sich. Nach fünf Spielen in Folge ohne Sieg feierte die Mannschaft von Miron Muslic den ersten Erfolg im fünften Spiel im Jahr 2026.
Schalke startet entschlossener
Das Krisenmanagement funktionierte bei S04 deutlich besser. Die Gäste begannen forsch, pressten hoch und konsequent und nutzten die Verunsicherung der Kieler. Den Gastgebern war vom Anpfiff an die Last der vergangenen Wochen anzumerken. In den Zweikämpfen kamen sie meist den berühmten Tick zu spät. Dazu häuften sich Unkonzentriertheiten im Aufbau- und Passspiel – Fehler, wie man sie macht, wenn man unten steht. Die große Fehleranfälligkeit wurde zum Vabanquespiel.

Krumey verhindert Schlimmeres
In der ersten Halbzeit (45.) muss Krumey nach einem Rückpass Kopf und Kragen gegen Kenan Karaman riskieren. Mitte der zweiten Hälfte (69.) rettet er erneut gegen Džeko, nachdem einem Zuspiel eines Mitspielers Länge und Genauigkeit fehlen. So durften sich die Kieler mehrfach bei ihrem Keeper bedanken. Wieder fit, hatte Krumey seine angestammte Position im Tor wieder von Timon Weiner übernommen und durfte bereits in der dritten Minute aufatmen: Eine halbhohe, gefährliche Hereingabe von Adil Aouchiche streift einen Mitspieler und geht knapp am langen Pfosten vorbei.
Zu viele Fehler bei Holstein
Trotz Schalker Überlegenheit bis zum 0:2 hat Holstein seine Chancen. Links wird John Tolkin, der insgesamt eine starke Partie macht und sich offensiv häufig einschaltet, frei gespielt. Sein Abschluss (8.) ist jedoch zu zentral, aus der aussichtsreichen Position springt zu wenig heraus. Auf der anderen Seite pariert Krumey gegen Dejan Ljubicic (10.). Nach dem 0:1 sind Adrian Kapralik und Andu Kelati dem Ausgleich in einer Szene sehr nahe (25.). Der Impuls kommt von Tolkin, der sich links stark in Szene setzt.
Stattdessen gelingt Schalke kurz darauf das 2:0. Wieder ist Edin Džeko der Vorbereiter, erneut nach einer Ecke von der linken Seite von Aouchiche. Džeko verlängert per Kopf an den zweiten Pfosten, wo Hasan Kurucay nur noch den Kopf hinhalten muss. Der Ball wäre wohl auch so im Netz gelandet, aber sicher ist sicher. Das 1:0 hatte der spektakuläre Winterzugang zuvor mit einem Zuspiel per Fuß auf den Torschützen eingeleitet – ebenfalls nach einer Aouchiche-Ecke von links.

Holstein kann nach dem 0:2 das Spiel in etwa ausgeglichen gestalten. Pech kommt dazu: Direkt nach dem zweiten Gegentreffer wird das vermeintliche 1:2 durch Harres zurückgepfiffen, weil ein Foulspiel vorgelegen haben soll (30.). Die Königsblauen, in Kiel in Orange unterwegs, spielen nun wie ein Spitzenreiter – was sie in der Blitztabelle zu diesem Zeitpunkt auch sind.
Holstein kommt zurück ins Spiel
Die Souveränität, Ruhe und Überlegenheit des Gegners beeindrucken die Störche nach dem Wiederanpfiff nicht mehr. Der Kampfgeist, den die Holstein-Fans sehen wollen, ist geweckt. Zwar erreicht das Passspiel noch nicht die Qualität, die sich sicher auch Marcel Rapp wünscht, doch in den Zweikämpfen sind die Kieler nun deutlich griffiger. Sie laufen dem Ball nicht mehr permanent hinterher, was sich am Ende sogar in einer leicht höheren Ballbesitzquote für die Gastgeber niederschlägt. Das macht sich auch in der Defensive der Ruhrpott-Elf bemerkbar, die nun gelegentlich wackelt.

David Zec verkürzt vom Punkt
Jonas Therkelsens Slalomlauf in der Schalker Box wird von Ron Schallenberg regelwidrig gestoppt. Folgerichtig entscheidet der Schiedsrichter auf Foulelfmeter, den David Zec sicher zum 1:2 verwandelt. Damit steigt er mit nun fünf Treffern zu einem der torgefährlichsten Verteidiger der Liga auf.
Spannendes Finale – Abstiegssorgen bleiben
Den Druck kann der Bundesliga-Absteiger allerdings nicht dauerhaft hochhalten. Da Schalke seinerseits das 3:1 trotz zweier guter Möglichkeiten verpasst, bleibt es bis zum Schluss spannend. Chancen zum 2:2 sind da: Aldin Jakupovic (58.) und Phil Harres (72.) verfehlen nur knapp. Bei Ivan Nekics Abschluss nach einer Ecke, an den Keeper Loris Karius im Gewühl nicht herankommt, rettet Kurucay auf der Linie und sichert Schalke den Sieg.

Es bleibt beim 1:2 – und bei der ernüchternden Erkenntnis aus Kieler Sicht, dass das Abstiegsgespenst wohl erst einmal Dauergast bleiben wird.
Stimmen zum Spiel (Pressekonferenz)
Holstein Kiel: Krumrey – Nekic, Zec, Ivezic (84. Müller) – Rosenboom (84. Niehoff), Meffert, Kelati, Tolkin – Kapralik (58. Jakupovic), Therkelsen – Harres.
Trainer: Marcel Rapp.
FC Schalke 04: Karius – Becker (46. Ayhan), Katic, Kurucay, Ndiaye. – El-Faouzi, Schallenberg, Ljubicic (79. Sylla), Karaman (84. Bachmann), Aouchiche (84. Sanchez) – Dzeko.
Trainer: Miron Muslin.
SR: Florian Lechner (Insel Poel).
Ass.: Julius Martenstein, Kevin Behrens.
Z.: 15.034 (ausverkauft).
Tore: 0:1 Kenan Karaman (16.), 0:2 Hasan Kurucay (29.), 1:2 David Zec (55., FE).
