Wie tief sitzt der 1:5-Stachel bei Holstein im Stadtduell gegen Kilia?

von Ismail Yesilyurt

Cengizhan Koc (li., Holstein Kiel II) gegen Serhat Yazgan (Kilia Kiel) im Hinspiel. © 2025 Ismail Yesilyurt


Am Sonntag geht es wieder los: In der Flens-Oberliga rollt der Ball wieder. Und zwar im Nachholspiel zwischen Holstein Kiel II und Kilia Kiel. Das Lokalderby wurde im November aufgrund einer Bombenentschärfung nicht ausgetragen. Youkick macht eine kleine Zwischenbilanz beider Teams.

Der Abstieg aus der Regionalliga Nord war für Holstein Kiel II mehr als nur ein sportlicher Rückschritt. Für eine U23, bei der Ausbildung und Wettbewerb auf möglichst hohem Niveau im Mittelpunkt stehen, bedeutet die Oberliga Schleswig-Holstein zwangsläufig eine andere Bühne. Allerdings eine, die in dieser Saison so stark besetzt ist wie lange nicht mehr.

Holstein Kiel II als Regionalligaabsteiger automatisch Topfavorit

Als Regionalabsteiger galt Holstein Kiel II automatisch als einer der Topfavoriten. Tabellenplatz zwei untermauert diesen Anspruch, doch der Blick auf die Tabelle offenbart ein Problem: Sieben Punkte Rückstand auf den souveränen Spitzenreiter SV Todesfelde sind eine deutliche Hypothek.

Im Vergleich zum konstant auftretenden Ligaprimus und Mitabsteiger SV Todesfelde, dem man im direkten Duell mit 0:2 unterlag, leistete sich die Mannschaft zu viele Ausrutscher. Ob das 1:5 zum Saisonauftakt beim FC Kilia Kiel dazu zählt? Sicherlich nicht, auch wenn die Höhe überraschte. Schließlich verfolgten die Kilianer als amtierender Meister das gleiche Saisonziel, nachdem sie in der Vorsaison ihr Aufstiegsrecht durch den Verzicht auf die Aufstiegsrunde nicht wahrgenommen hatten.

Zu oft Schwankung

Punktverluste beim 1. FC Phönix Lübeck II (0:0), gegen den TuS Rotenhof beim glücklichen 2:2 oder gar die 0:2-Niederlage beim PSV Neumünster, den man im Hinspiel noch mit 6:2 auseinandergenommen hatte, kosten Substanz im Aufstiegsrennen. Die vielen Schwankungen kosten wohl die Rückkehr in die vierthöchste Spielklasse in Deutschland.

Weiße-Team: Spielidee mit klarer Handschrift

Inhaltlich blieb Holstein II seiner Linie treu. Der Ansatz ist offensiv, intensiv und mutig. Vor allem im heimischen Citti Fußball Park entfaltet das Team mit strukturiertem Ballbesitz und konsequentem Gegenpressing. Auffällig ist die Balance zwischen jugendlicher Dynamik und taktischer Disziplin. Das Team sucht meist den spielerischen Weg, kombiniert sich durch die Halbräume und setzt auf Tempo über die Flügel.

Ikem Ugoh, prägender Akteur von Holstein Kiel II gegen Marvin Müller (Kilia Kiel). © 2025 Ismail Yesilyurt
Ikem Ugoh, prägender Akteur von Holstein Kiel II gegen Marvin Müller (Kilia Kiel). © 2025 Ismail Yesilyurt

Auswärts hingegen hat die ausbaufähige Konstanz in engen Spielen Holstein im Aufstiegsrennen etwas zurückgeworfen.

Toptorjäger abgegeben – Toptorjäger bekommen

Mit Louis Köster (VfL Bochum II) und Luca Prasse (FSV Zwickau) verließen zwei prägende Offensivkräfte auf Leihbasis den Verein. Ihre Qualitäten müssen aufgefangen werden. Die Verpflichtung von Kjell Knaak vom MTSV Hohenwestedt, dem zweitbesten Torschützen der Liga, füllt eine offene Stelle aus.

Hinzu kommt eine personelle Weichenstellung auf der Trainerbank: Cheftrainer Willi Weiße wird seinen Vertrag zum Saisonende nicht verlängern. Wie wirkt sich das auf die Mannschaft aus? Positiv, negativ oder gar nicht?

Blick auf das Stadtduell am Sonntag

Im Nachholspiel gegen Kilia Kiel am Sonntag im Citti-Fußball-Park auf dem Kunstrasenplatz wird sich zeigen, ob Holstein Kiel II erneut so agiert wie im Hinspiel. Mit den kurz zuvor erwähnten Stärken. Manchmal noch etwas wild, aber selten langweilig. Im Hinspiel jedoch ohne Erfolg. Das 1:5 tat weh. Sitzt der Stachel noch tief, um weiteres Adrenalin zu produzieren?

Was ist noch möglich?

Ist im Saisonendspurt noch etwas möglich? Der direkte Wiederaufstieg beziehungsweise das Erreichen der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord setzt eine nahezu perfekte Serie in den verbleibenden 13 Spielen voraus. Das wäre zugleich ein vorzügliches Abschiedsgeschenk von und für Willi Weiße. Doch auch der zweite Platz könnte interessant werden, falls es weitere Kilia-Nachahmer gibt.

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