VfB Lübeck II gewinnt wichtige Big Points gegen VfR Neumünster

von Helwig Pfalzgraf

Chefcoach Rocco Leeser (VfR Neumünster) musste nach dem 1:5 beim VfB Lübeck II schon ordentlich pusten, aber sein Team hat noch alles selbst in der Hand. © 2023 Ismail Yesilyurt


Am späteren Sonntagnachmittag empfing die Drittliga-Reserve des VfB Lübeck auf dem Kunstrasenplatz an der Lohmühle den zuletzt so erfolgreichen VfR Neumünster. Für beide stark in den Abstiegskampf verwickelten Mannschaften war dies ein enorm wichtiges Match. Der VfB hatte mit Jannik Westphal, der am Vortag gegen Borussia Dortmund II in der Startelf gestanden hatte, sowie Emanuel Adou (5 Saisonspiele bei den Profis) seine Drittligaakteure dabei.

VfR-Erfolgself durch Verletzung gesprengt

Bei den Veilchen aus Neumünster fehlte weiterhin der verletzte Nick Neca, dazu fielen mit Murat Rasgele (Oberschenkel) sowie Christoph Kahlcke (Achillessehne) weitere defensive Stammspieler aus. Dafür rückten der Mittelfeldabräumer Marcel Stölting (RV) sowie nach längerer Verletzungspause Zinedine Hukporti (LV) ins Team. Außerdem ersetzte auf der linken Außenbahn der zuletzt kaum berücksichtigte ausgewiesene Kleinfeld- und Kunstrasenspezialist Diego Berendsohn den gewohnten Linksaußen Emirkaan Güzel.

Starke Anfangsphase der Lila-Weißen

Der VfR fand sehr gut in die Partie. Hinten wurden die Räume eng gemacht, und es wurde zügig umgeschaltet. Die ersten 15 bis 20 Minuten gehörten dem VfR. Sean Vinberg (9.) prüfte VfR-Keeper Phillip Diestel mit einem Flachschuss, Volodymyr Pryiomovs Hereingabe von links fand keinen Abnehmer (13.), und nach starkem Kombinationsspiel verstolperte Keenon Erfurth, der mit dem stumpfen Kunstrasen so seine Probleme hatte (18.), aus aussichtsreicher Position.

Partie kippt komplett

Nach 20 Minuten kam es zu einem schweren Aufbaufehler des bis dahin spielbestimmenden VfR. Adou schnappte sich nach einem Fehlpass die Kugel, ging links auf und davon und traf aus 16 Metern die Latte. Beim Nachschuss hatte Ben Luca Jablonski eigentlich das leere Tor vor sich, doch Rasensports Keeper Christopher Newe reagierte in seinem 155. Oberligamatch fantastisch.

Danach bestimmte bis zur Pause plötzlich nur noch die Heimelf die Partie. Der VfR kam kaum noch aus seiner Hälfte. Man hatte den Eindruck, die Grünweißen hätten ein oder zwei Leute mehr auf dem Platz. Doch vorerst funktionierte die zuletzt so starke VfR-Defensive noch. Die Lübecker Außen Ramiz Demir und Perry Dodoo waren allerdings immer schwerer zu kontrollieren. Auch die Vielzahl von VfB-Ecken bedeutete latente Gefahr für das VfR-Tor. Doch immer war noch ein Bein dazwischen.

VfR-Fehler aus der desaströsen Hinrunde plötzlich wieder da

Als der recht zahlreiche Veilchen-Anhang schon hoffen konnte, das Team überstehe gegen den starken Gegenwind und den Lübecker Ansturm ungeschoren bis zur Pause, wurde übermotiviert und tölpelhaft in einer völlig ungefährlichen Situation ein Freistoß verursacht, den die bei Standards starken Lübecker prompt zum 1:0 nutzten. Der zu Saisonbeginn reaktivierte starke 27-jährige regionalligaerfahrene Kubilay Büyükdemir köpfte ein (42.).

Déjà-vu für Veilchen

Für den VfR war dies ein Déjà-vu der negativen Art, denn durch ein identisches dummes Foul mit anschließendem Standard aus gleicher Position hatte man schon zuhause gegen Todesfelde in der Nachspielzeit verloren. Doch damit nicht genug, auch den nächsten Standard nutzte der VfB: Gustavo Melo da Silva netzte einen Eckball mit Windunterstützung direkt ein (45.). Pausenstand 2:0.

VfR nach der Pause resettet

In der Halbzeit wechselte Neumünster. Zwei der drei neu in die Mannschaft gekommenen Akteure nahm Rocco Leeser wieder runter. Mit Windunterstützung bestimmte nun der Gast die Szenerie. Doch stand jetzt auch die Lübecker Deckung stabil. Ein Erfurth-Schuss (knapp drüber, 50.) war eine gute VfR-Gelegenheit.

Lübecker Konter aus dem Lehrbuch

Doch gleich der erste VfB-Konter nach der Pause entschied die Partie endgültig. Einen langen Ball konnte Velson Fazlija am rechten Strafraumeck bedrängt annehmen. Er schüttelte seinen Gegenspieler jedoch lässig ab, kam halbrechts aus 12 Metern zum Abschluss. Newe war noch dran, doch die Kugel trudelte über die Linie: 3:0 (52.). Viel zu einfach aus VfR-Sicht.

Danach überließ der VfB dem Gast wieder das Spielfeld und stellte sich hinten rein. Zwar gelang es Grün-Weiß nun nicht allzu oft, nach abgewehrten Bällen direkt zu kontern, weil der VfR im Gegenpressing durch Lambach, Vinberg, Williams und den nun immer höher spielenden Korup viele Bälle direkt wieder eroberte. Doch wenn diese Linie mal überspielt war, wurde es für den Gast sofort brandgefährlich. Rasensport kam offensiv nun oft über rechts, der eingewechselte Karim Kalota hatte gegen seinen Ex-Club offensiv starke Szenen. Ein 20-Meter-Kracher Kalotas landete am Lattenkreuz.

Björn Lambach (VfR Neumünster). © 2023 Ismail Yesilyurt
Björn Lambach (VfR Neumünster). © 2023 Ismail Yesilyurt

Großes Kino: Büyükdemir gegen drei zum 4:0.

Und dann saß wieder der nächste Konter: Büyükdemir setzte sich in Mittelstürmerposition nach einem hohen Ball an der Mittellinie gegen Geart Latifi durch und ließ sich dann nicht mehr stoppen. Den nächsten zu weit von Latifi weg stehenden absichernden Verteidiger ließ er wie eine Fahnenstange stehen, und als es schien, dass der zur Rettung heransprintende Kenny Korup noch vor ihm klären könnte, spitzelte Büyükdemir den schon weg zu scheinenden Ball aus 17 Metern mit der Pike ins lange Eck: ganz großes Kino! Aber wieder Toreschießen leicht gemacht. Wenn die Defensiv-Recken Latifi oder Korup tatsächlich ausnahmsweise mal ausgehebelt waren, war beim VfR keiner mehr da, der helfen konnte. Die zuletzt so gut funktionierende Dreierkette Latifi-Korup-Kahlcke schien beim VfR zur Zeit defensiv tatsächlich alternativlos zu sein, aus der – wie heute – kein Spieler fehlen durfte.

Und danach war die allgemeine defensive Verunsicherung beim Gast greifbar. Latifi und Newe behinderten sich bei einem verunglückten langen Lübecker Ball gegenseitig, beinahe das 5:0, ohne dass ein Stürmer in der Nähe war (66.).

Zwar gelang Dylan Williams nach einer schönen Kalota-Flanke noch der überaus verdiente Ehrentreffer (70.), und auch danach machte der Gast unverdrossen weiter. Auch Ilir Serifi ließ seine spielerische Extraklasse immer wieder mal aufblitzen. Doch allmählich befreite sich der VfB wieder. Und so erzielte auch den nächsten Treffer wieder Grün-Weiß. Ein platziertes, aber keineswegs hartes Schuss des eingewechselten Yasin Varol fand den Weg ins Netz – auch hier war Newe noch dran (77.).

In der Schlussphase hatte der VfB dann noch zwei gefährliche Abschlüsse, die diesmal nicht den Weg ins Tor fanden. Bis dahin war außer dem Lattenknaller in Hälfte eins quasi jeder Schuss ein Treffer.

Fazit: Der Abstiegskampf in der Oberliga bleibt wohl bis zum letzten Spieltag äußerst spannend. Der VfR ist nun wieder voll dabei, hat sich auch sein relativ gutes Torverhältnis zunichte gemacht.

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