Phönix Lübeck eine Nummer zu groß für VfR Neumünster im 0:5-Test

von Helwig Pfalzgraf

Kastriot Alija (VfR Neumünster) musste verletzt raus. © 2025 Olaf Wegerich


Auf der Anlage des TSV Travemünde trafen sich der Oberligasechste VfR Neumünster und Phönix Lübeck, der zurzeit bestplatzierte schleswig-holsteinische Regionalligist, zu einem kurzfristig vereinbarten Testspiel. Zuletzt hatte man sich beim LOTTO-MASTERS in der Kieler Ostseehalle gegenübergestanden, dabei hatte überraschend der Fünftligist 1:0 gewonnen.

Phönix hatte noch am Freitag im Duell zweier echter Traditionsvereine gegen den dänischen Zweitligisten B93 Kopenhagen in Nyborg auf Falster 3:3 gespielt. Bei älteren Fans klingelt bei diesem Namen gleich etwas. Im Oktober 1991 ist der FC Bayern bei B93 mit einem krachenden 2:6 aus dem UEFA-Cup geflogen.

Ohne Korup, Freitag und Schomaker, aber erstmals mit Manuel Carvalho

Rasensport musste mit Kapitän Kenny Korup (krank), Sven Freitag (OP) und Jonas Schomaker (Rücken) auf drei bewährte Defensivakteure verzichten. Dafür stand erstmals der aus Todesfelde gekommene Manuel Carvalho für die Lila-Weißen auf dem Platz.

Überraschend offensiv ausgerichtet

Im 3-2-3-2 ließ VfR-Coach Danny Cornelius seine Elf beginnen. Und hatte damit (fast) gleich Erfolg. Nach 80 Sekunden war Carvalho plötzlich ganz frei, zielte aber über das Gehäuse. Wenig später zog Ilir Serifi von rechts einen Freistoß direkt auf die Hütte, konnte damit Phönix-Keeper Mika Schneider aber nicht überwinden.

Trainer Danny Cornelius (VfR Neumünster) im Spiel bei Kilia Kiel. © 2025 Ismail Yesilyurt
Trainer Danny Cornelius (VfR Neumünster) schickte sein Team offensiv aufs Feld. © 2025 Ismail Yesilyurt

Klassenunterschied schnell sichtbar

Allerdings hatte der VfR damit erst einmal sein Pulver verschossen. Phönix attackierte früh und generierte damit schon in der gegnerischen Hälfte Ballgewinne.

„Das muss das Tor sein“ …

… sagte Enrico Klüver, früherer Co-Trainer der Veilchen, als Jannek Stövers Pressing im Mittelkreis erfolgreich war und Phönix in Drei-gegen-zwei-Überzahl auf das VfR-Gehäuse zusteuerte. Und richtig: Perfekt freigespielt vollendete Anton Ihde per Flachschuss, Christopher Newe war chancenlos (7.). Wenig später war Phönix links durch, Flanke nach innen, der frühere Todesfelder Julius Kliti (9.) traf. In kurzer Folge dann weitere Großchancen gegen defensiv phasenweise stark schwimmende Veilchen, die mit der Phönix-Geschwindigkeit, so aus der Oberliga nicht gewohnt, große Probleme hatten.

Alija verletzt – Adesanya mit guter Möglichkeit

Mit internen Umstellungen, Alija musste angeschlagen früh passen, stabilisierte sich der VfR dann aber. Als Adesanya nach Lippegaus-Longline durch war, eilte Schneider weit aus dem Tor heraus, Adesanya war aber schneller. Ca. 30 Meter vor dem Tor schoss Adesanya, brannte die Kugel dem kurz vor ihm befindlichen Schneider auf den Pelz – oder doch an die Hand? Schiri Luca Sambil ließ weiterlaufen. Sicher im Sinne beider Lager, denn eine rote Karte im Testspiel führt dessen Zweck ad absurdum.

Jordan Markwardt verletzt

Der für Alija früh eingewechselte Jordan Markwardt, der auf rechts viel Betrieb machte, verletzte sich kurz vor der Pause und musste wieder raus.

Nach der Pause: Routiniers bringen Stabilität

Nach der Halbzeit stand der VfR recht stabil, ließ deutlich weniger zu. Mit Kevin Schulz kam Erfahrung und Sicherheit auf die Sechs. Nach vorne ging bis auf einen Adesanya-Abschluss aber auch nicht mehr viel. Zwar befreite man sich oft spielerisch ansprechend aus dem Phönix-Pressing, aber im letzten Drittel konnte man sich nach wie vor kaum durchsetzen. Die Phönix-Deckung um den aus Jevenstedt stammenden früheren Drittligakteur Jannis Vollert ließ nichts mehr zu.

Für Kevin Schulz (vorne) und den VfR Neumünster lief es in Eutin nicht ganz so gut. © 2024 Olaf Wegerich
Kevin Schulz (vorne, VfR Neumünster). © Olaf Wegerich

VfR-Problem: die zweiten Bälle

Bei den beiden Phönix-Traumtoren zum 3:0 und 4:0, erneut durch Ihde, jeweils Volleyabnahmen am Sechzehner, hatten Lippegaus bzw. Kahlcke die Bälle jeweils herausgeköpft, doch Ihde stand zweimal mutterseelenallein und konnte unbedrängt abziehen. Einmal sogar nach einem Standard. In diesen Szenen wurde der Klassenunterschied sehr deutlich. Defensive Nachlässigkeiten bei der Zuordnung bestrafte hier Phönix gnadenlos. Ausgehebelt wurde der VfR dann noch einmal in der Schlussminute über außen, innen traf der für Ihde gekommene Michael Seaton.

Fazit: Für den Phönix wohl eher eine lockere Einheit, für den VfR deutlich wertvoller. Heute wurde deutlich aufgezeigt, in welchen Bereichen man sich verbessern muss.

VfR Neumünster: Newe (46. Aguirre Dardon) – Neca (46. Schilling), Kahlcke, Lippegaus – Karaman (67. Arshakyan), Mehmeti (46. Schulz) – Adesanya (67. Diler), Serifi, Krause – Alija (25. Marquardt, 46. Akcicek), Carvalho (58. Kramer).
Trainer: Danny Cornelius.
1. FC Phönix Lübeck: Schneider – Dammeier (46. Andrikopoulos), Vollert (70. P. Markvoort), J. Markvoort (70. Krogmann) – Mensah (64. Krüger), Kokovas, Stöver, Rahimic (46. Luis) – Kuki (46. Maiolo), Ihde (64. Seaton), Kliti (64. Seibt).
Trainer: Christiano Adigo.
Schiedsrichter: Luca Sambill (VfB Lübeck).
Assistenten: Khaled El-Rifai, Ole Andreas Schulz.
Zuschauer: 60.
Tore: 0:1 Anton Ihde (8.), 0:2 Julius Kliti (9.), 0:3 Anton Ihde (51.), 0:4 Anton Ihde (64.), 0:5 Michael Seaton (90.).

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner