Phil Baumgarns Golden Goal rettet Inter Türkspor den Strohhalm gegen Hohenwestedt

von Ismail Yesilyurt

Ganz nah dran an den Fans – Sercan Yildirimer (Inter Türkspor Kiel) und Macius Dahm (re. MTSV Hohenwestedt). © 2026 Ismail Yesilyurt


Der Abstiegskampf in der Oberliga Schleswig-Holstein spitzt sich zu! Mit einem späten 1:0 im Abstiegsduell gegen den MTSV Hohenwestedt hat Inter Türkspor Kiel nach fünf Spielen wieder einen Sieg verbuchen können und rückt damit bis auf einen Punkt an den Herausforderer vom späten Sonntagnachmittag heran. Die Hohenwestedter belegen mit 18 Punkten das rettende Ufer, das in dieser Saison Platz 13 darstellt. Auf den Plätzen 14 bis 16, belegt von Reinfeld (11 Punkte), Eutin (16) und Inter Türkspor, müssen die Mannschaften am Ende der 30 Spieltage in den sauren Apfel beißen. Mehr als drei Absteiger drohen in dieser Spielzeit nicht.

Baumgarn wird zum Matchwinner

Zum gefeierten Helden am dritten Feiertag nach dem Fastenmonat Ramadan wurde Phil Baumgarn , der eine unübersichtliche Szene im Strafraum entscheidend veredelte. „Ich habe ihn irgendwie mit dem Fuß verlängert“, beschrieb der Torschütze die Situation, die aus einem weiten Einwurf von Eugen Halili und einer Kopfballverlängerung von Pascal Polonski entstand. Baumgarn stand mit dem Rücken zum Tor, verlängerte den Ball an der Torraumlinie – von der Unterkante der Latte sprang er hinter die Linie und schließlich ins Netz.

Elf von Karim Youssef verdient sich die drei Punkte

Summiert man alles zusammen, ist dieser Erfolg auf jeden Fall verdient für die Kieler. Auch wenn phasenweise einiges auf beiden Seiten nicht nach Oberliga-Fußball aussah. Über weite Strecken hatte Inter Türkspor viel mehr vom Spiel, ließ jedoch beste Möglichkeiten ungenutzt. Gleich dreimal verhinderte das Aluminium die Führung, was die Nerven auf eine harte Probe stellte. Eugen Halili (37.) und Pascal Polonski (85.) trafen per Abschluss den Pfosten. Melih Cerrah, dessen geschlenzter Ball (35.) aus dem Strafraum MTSV-Keeper Calvin Brookly Schultz zu einer Flugparade zwang, streifte Sekunden später mit einem weiteren, abgefälschten Abschluss aus der Box heraus die Oberkante der Latte. Dazu kam nach gut 42 Minuten die Großchance für Polonski, der im Gewühl den Ball zentral am Torraum bekommt, aber das Leder nicht im Tor versenken kann.

Großchance für Pascal Polonski (Inter Türkspor Kiel). © 2026 Ismail Yesilyurt
Großchance für Pascal Polonski (Inter Türkspor Kiel). © 2026 Ismail Yesilyurt

Youssef wechselt Sieg ein

Trainer Karim Youssef, der nach knapp einer Stunde mit der Einwechslung von Baumgarn auf zwei Spitzen umstellte, sprach von einem altbekannten Problem: „Wir hätten schon viel früher das 1:0 machen müssen eigentlich, aber das ist so ein Ding, was uns über die ganze Saison begleitet, dass wir die Tore nicht machen vorne.“

„Gott sei Dank“

Trotz der ausgelassenen Chancen blieb seine Mannschaft geduldig und glaubte bis zum Schluss an den Erfolg: „Die Jungs haben das wirklich toll gemacht und wurden jetzt mit einem Treffer in der Nachspielzeit belohnt.“ Die Phase mit gleich mehreren Aluminiumtreffern ließ selbst den Trainer zweifeln: „Ich hätte gedacht, das kann nicht wahr sein. Irgendwie spielt jetzt alles gegen uns.“ Umso größer war die Erleichterung, als der Ball schließlich doch noch den Weg ins Tor fand: „Gott sei Dank, dass es so umso schöner jetzt auch mal.“

1-0 für Inter Türkspor Kiel. Schiedsrichter Moritz Bern zeigte zur Mitte. © 2026 Ismail Yesilyurt
1:0 für Inter Türkspor Kiel. Schiedsrichter Moritz Bern zeigte zur Mitte. © 2026 Ismail Yesilyurt

„Letzte Chance“ im Abstiegskampf genutzt

Für Inter Türkspor hatte die Partie eine enorme Bedeutung. Youssef machte nach dem Spiel deutlich, wie entscheidend dieser Erfolg war: „Rein theoretisch wäre es heute die letzte Chance gewesen. Wenn wir heute nicht gewinnen, dann wann denn?“

Mit dem späten Sieg lebt die Hoffnung im Tabellenkeller wieder auf. „Jetzt glauben sie alle daran, so wie ich auch“, sagte der Trainer und verwies auf sein Motto: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Den Kampf bot der Aufsteiger auch in der zweiten Halbzeit. Gleich in der 48. Minute dribbelte Cerrah von links quer in den Strafraum ein – der Abschluss auf das lange Eck verfehlte das Gehäuse. Nach einer knapp zehnminütigen Hochphase der Platzherren konnten die Grün-Weißen auf dem Kunstrasenplatz dank ihrer Kampfstärke die Partie offen gestalten, ohne nennenswerte Chancen.

Zwei Sechser im Duell - links Tom Schmidtke (Inter Türkspor Kiel), rechts Tim Sienknecht (MTSV Hohenwestedt. © 2026 Ismail Yesilyurt
Zwei Sechser im Duell – links Tom Schmidtke (Inter Türkspor Kiel), rechts Tim Sienknecht (MTSV Hohenwestedt. © 2026 Ismail Yesilyurt

In der Schlussphase drehte Inter Türkspor wieder an der Schlagzahl und kam doch noch zum verdienten Erfolg, der große Begeisterung auslöste.

Hohenwestedt enttäuscht auf ganzer Linie

Auf der Gegenseite herrschte Ernüchterung. Arend Müller musste eingestehen, dass seine Mannschaft den möglichen Befreiungsschlag verpasst hatte: „Wir wollten heute hier mit drei Punkten weggehen, haben das aber über neunzig Minuten einfach nicht gezeigt.“ Mit einem Sieg wäre das Polster auf die Abstiegsplätze auf fünf Punkte angewachsen. Ein Matchball war es nicht für die Gäste aus Mittelholstein, aber schon ein Riesenschritt wäre es gewesen.

Besonders das Defensivverhalten beim entscheidenden Treffer ärgerte den Coach: „Das Tor hätten wir, glaube ich, zwei- oder dreimal selbst klären können. Kommt ein langer Einwurf in den Sechzehner und der flutscht an Mann und Gegner vorbei.“

Pascal Polonski (Inter Türkspor Kiel) im Kopfballduell mit Thies Kochanski (re., MTSV Hohenwestedt). © 2026 Ismail Yesilyurt
Pascal Polonski (Inter Türkspor Kiel) im Kopfballduell mit Thies Kochanski (re., MTSV Hohenwestedt). © 2026 Ismail Yesilyurt

Auch offensiv blieb Hohenwestedt vieles schuldig.. „Die Räume wurden nicht bespielt, wir haben zu viele lange Bälle gespielt, die schnell abgefangen wurden“, analysierte Müller. Sein Fazit fiel entsprechend deutlich aus: „Wenn du die Zweikämpfe verlierst und die zweiten Bälle nicht gewinnst, dann verlierst du auch das Spiel. Punkt, aus.“

Der Ball war spätestens nach dem dritten Kontakt beim Gegner – so kann man natürlich spielerisch nicht vorankommen bzw. dem Gegner gefährlich werden. Einzig bei den Standards hauchte der MTSV seinem Spiel Leben ein. Auch die Brechstange nach dem Rückstand half nicht.

Am kommenden Mittwoch kann der MTSV Hohenwestedt im Nachholspiel gegen Kaltenkirchen Wiedergutmachung betreiben: Trainer Arend Müller erwartet eine Reaktion seiner Mannschaft, bevor am Sonntag das Spiel bei Holstein Kiel II wartet. Auf Inter Türkspor Kiel kommt das nächste direkte Abstiegsduell zu. Erneut um 16 Uhr am Sonntag auf dem heimischen Hans-Mohr-Sportplatz wird der Oldenburger SV der Gast sein, der 21 Punkte auf dem Konto hat.

Stimmen zum Spiel

Arend Müller (Trainer MTSV Hohenwestedt)
Karim Youssef (Trainer Inter Türkspor Kiel)

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner