Marc Zeller erfolgreichster Torjäger Kiels nach dem Zweiten Weltkrieg

von Helwig Pfalzgraf

Marc Zeller (Rot-Schwarz Kiel) nach einem Torerfolg. © 2023 Ismail Yesilyurt


Es gibt Spieler, die altern nicht. Zu denen gehört der inzwischen 37-jährige Marc Zeller, der seit fast zwei Jahrzehnten im Kieler Raum auf Torjagd geht. Bekannt ist er auf allen Plätzen in Schleswig-Holstein. Für seinen Ausbildungsverein TSV Kronshagen und den FC Kilia Kiel, für Bordesholm sowie anderthalb Jahre für Türkspor schoss er Tore in der Oberliga. Für den TSV Klausdorf war er von 2012 bis 2016 sowie vom 1. Januar 2018 bis 2020 in siebeneinhalb Sechstliga-Spielzeiten aktiv. Schon in diesen Zeiten war er ein außergewöhnlicher Torjäger. Aber auch aktuell sorgt er dauerhaft für großes Erstaunen, da seine Torquote auch nach dem neuerlichen Wechsel zu Rot-Schwarz Kiel in der Landesliga Nord weiterhin bemerkenswert hoch ist.

Erfolgreichster Kieler Nachkriegstorjäger: 365 Treffer!

Mit seinem 22. Treffer der laufenden Saison hat Zeller die Führung in der Kieler Torjägerliste seit dem Zweiten Weltkrieg übernommen. Er führt nun vor dem legendären Ralf Sperling, der in den 1980er- und 1990er-Jahren für den TuS Holtenau und den TSV Altenholz 364 Tore erzielt hat. Zu der Zeit unternahm der inzwischen großgewachsene Rechtsfuß seine ersten fußballerischen Schritte. „In der Jugend habe ich damals bei Kronshagen angefangen. Das war in der E3 unter Wolf Bolz“, eiferte Zeller seinem Cousin nach.

Kein Ruhestand in Sicht: Zeller und der VfB Kiel

Bereits zweimal hatte sich Marc Zeller scheinbar aufs fußballerische Altenteil zurückgezogen. 2020 wechselte er vom Landesligisten TSV Klausdorf auf Drängen des langjährigen VfB-Kiel-Betreuers Herbert Ulrich zum zwei Klassen tiefer spielenden Kreisligisten. Ein echter Coup des Traditionsvereins.

Gleich 4 Treffer steuerte Torjäger Marc Zeller (VfB Kiel) dem Kantersieg bei. © 2022 Ismail Yesilyurt
In diesem Spiel gegen den MTV Dänischenhagen erzielte Marc Zeller (VfB Kiel) gleich 4 Tore. © 2022 Ismail Yesilyurt

Und Zeller schlug voll ein. Der damals 32-jährige Zeller schoss dort in den frühzeitig wegen Corona abgebrochenen Spielzeiten 2020/21 und 2021/22 in nur 22 Einsätzen satte 40 Tore. Der VfB stieg hauptsächlich auch dank seiner Treffer in die Verbandsliga auf. Und auch hier erzielte Zeller in 22 Spielen 17 Tore und trug damit entscheidend zum Klassenerhalt der Waldwiesenelf in der Spielzeit 2022/23 bei.

Erster erfolgreicher Oldie-Wechsel zu Rot-Schwarz 2023

Als 35-Jähriger wollte Zeller es dann noch einmal wissen. Er wechselte wieder eine Liga höher zu RS Kiel. Unter Trainer Benny Szodruch bewies er weiterhin seine Abschlussqualitäten und traf in der Landesliga in dieser Spielzeit in 28 Spielen 22-mal. Für einen Spieler seines Alters schon damals außergewöhnlich und höchst selten. So etwas schaffen sonst nur ehemalige Profis – und auch nicht immer.

„Ich habe eigentlich kein Erfolgsrezept“

„Ich habe eigentlich kein Erfolgsrezept“, erklärte Zeller. „Ich war bis zu meinem zweiten Herrenjahr Innenverteidiger.“ Doch peu à peu näherte sich der Vater eines Sohnes seiner Bestimmung auf dem grünen Rasen an. „Ich bin dann immer ein bisschen weiter vorgerückt. Ich hatte auch immer Bock auf Toreschießen“, gab es den letzten Schubs von Trainer Stefan Waskönig. Mit Marc Zeller im Angriff in der Rückrunde lief es für den TSV Bordesholm dank der zahlreichen Zeller-Tore deutlich besser.

Marc Zeller (Rot-Schwarz Kiel) gegen Rune Hardt (re., Osterrönfelder TSV). © 2023 Ismail Yesilyurt
Marc Zeller (Rot-Schwarz Kiel) gegen Rune Hardt (re., Osterrönfelder TSV). © 2023 Ismail Yesilyurt

Mit 36 in die Kreisliga zurück – die Tore werden immer zahlreicher

Trotz dieser beeindruckenden Quote verließ Zeller RS nach einem Jahr wieder. Sein Freund „Herbie“ Ulrich hatte den in unmittelbarer Nähe zur Waldwiese wohnenden Torjäger nochmals überzeugt, ein weiteres Jahr für den inzwischen wieder abgestiegenen VfB aufzulaufen. Dort erzielte er im Spieljahr 2024/25 in 25 Spielen gleich 36 Tore. Damit hat Marc Zeller in seinen 69 Spielen in der Kreis- und Verbandsliga für den VfB 93 Tore geschossen. Eine kaum glaubliche Quote.

2025 wieder zurück zu RS in die Landesliga: Die Torquote wird noch höher

Dann folgte im letzten Sommer für Außenstehende angesichts des Alters von inzwischen 37 Jahren der doch etwas überraschende erneute Wechsel Zellers zurück zu RS. Dort wird er inzwischen vom acht Jahre jüngeren Ove Saß trainiert, zudem wurde der Kader etwas umgebaut. Und man glaubt es kaum: Zeller macht mit dem Toreschießen nicht nur einfach weiter, er verbessert seine Quote sogar noch. 16 Spiele in der Hinrunde ergaben bis dato 22 Torerfolge. In insgesamt 44 Spielen in anderthalb Jahren Landesliga für RS stehen somit 44 Tore zu Buche. Wäre er 15 Jahre jünger, könnte er sich sicherlich vor Anfragen aus Oberliga oder Regionalliga kaum retten.

Marc Zeller (mitte) schiebt den Ball an Philipp Rüther vorbei zum 1-0 für den VfB Kiel. © Ismail Yesilyurt
Marc Zeller (mitte) sbei seiner Lieblingsbeschäftigung Toreschießen – an Philipp Rüther (TSV Plön) vorbei zum 1:0 für den VfB Kiel. © Ismail Yesilyurt

„Ja, Marc Zeller ist eine Bereicherung, menschlich und sportlich. Wobei der erste Aspekt da noch überwiegt“, überzeugt Zeller Trainer Ove Saß nicht nur mit seinen Toren. „Nichtsdestotrotz weiß auch er, was er an der Mannschaft hat“, so Saß weiter. „Seine größte Qualität ist einfach, dass er das zu schätzen weiß und ein sehr gutes Gleichgewicht findet und somit seinen Beitrag auf mehreren Ebenen liefert.“

Zu seinen 22 Toren in der aktuellen Saison, die Platz eins der Torjägerliste der Landesliga Schleswig bedeuten, wird sicherlich noch der eine oder andere Treffer hinzukommen. Vielleicht auch ein Tor, das noch spektakulärer ist als das 1:0 beim 3:1-Sieg bei Frisia Risum-Lindholm in der Hinrunde im vergangenen Oktober. „Also der kam scharf flach zu mir, da habe ich nur die Hacke hingehalten, mit der Hacke über den Gegenspieler und dann mit dem Knie einmal angenommen und ins lange Eck oben rein“, beschrieb der Spieler mit der eingebauten Torgarantie die Szene.

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