Ex-Veilchen in alle Himmelsrichtungen verteilt

von Helwig Pfalzgraf

Der VfR Neumünster ist in Kaltenkirchen aufgestiegen. Rocco Leeser inmitten der echten Freude. © 2023 Olaf Wegerich


Der VfR Neumünster ist zum Ende des Jahres 2023 in der Oberliga Schleswig-Holstein endlich in Fahrt gekommen. Nach einem schwierigen Start in die neue Saison ist es Chefcoach und Sportdirektor Rocco Leeser gelungen, die Rasensportler wieder in die Spur zu führen. Bei den vielen Zugängen benötigten die Rasensportler natürlich eine Anlaufzeit, um mit dem „Teambuilding“ erfolgreich in der Flens-Oberliga zu sein. Nach und nach zeigte sich inzwischen das große Potenzial, dass in dieser Mannschaft steckt. Und das auf jeden Fall Oberligaformat beinhaltet.

Um so weit zu kommen, gab es im Sommer einen großen Schnitt. Leeser verpasste dem VfR Neumünster ein neues Gesicht. Viele Spieler kamen, viele gingen. Die Aufstiegshelden der Veilchen, die in der Vergangenheit in der Landesliga den VfR begleiteten, sind inzwischen in alle Himmelsrichtungen verteilt.

Inzwischen ist auch viel Ruhe an vielen Fronten entstanden. Letztes großes Gesprächsthema war die Geschichte Anfang Mai 2023, dass Rasensport seinen Kader ziemlich komplett umbaut und der Mehrheit seiner Spieler mitteilte, dass ab der Saison 2023/24 ohne sie geplant wird. Trotzdem gelang dem Team noch durch die Hintertür der Aufstieg. Youkick-Redakteur Helwig Pfalzgraf hat nachgeforscht, wohin es die ehemaligen Rasensportler hingezogen hat.

Ihnen wurde mitgeteilt, dass der VfR künftig ohne sie plant:
Issam Khemiri (31 Jahre alt): war der Kapitän der Aufstiegsmannschaft. Er führte die Mannschaft auch im Aufstiegsspiel gegen Rotenhof aufs Feld, musste aber nach wenigen Minuten verletzt ausgewechselt werden. Insgesamt absolvierte Khemiri 86 Punktspiele für den VfR. Khemiri wechselte zum Lokalrivalen PSV, wo er bereits zweimal zuvor (bis 2015, 2017-2019) gespielt hatte. Beim PSV gelang Issam das Oberligacomeback. Allerdings aus Verletzungsgründen nur für wenige Minuten, sein insgesamt 134. Oberligaspiel.

Leon Gehrke (22): stammt aus der VfR-Jugend, bestritt ab 2019 insgesamt 23 Punktspiele für den VfR, darunter auch beide entscheidende Aufstiegsrelegationsspiele. Er wurde von Aufstiegstrainer und Sportdirektor Rocco Leeser in der letzten Saison öfter berücksichtigt als das zuletzt unter dem im letzten Winter entlassenen Abdul Yilmaz der Fall war. Da aber die Mannschaft umgebaut wurde und ihm in einem “offenen und fairen Gespräch” (Gehrke) mitgeteilt wurde, dass in Zukunft kaum Einsatzchancen bestehen würden, wechselte Gehrke im Sommer zum ambitionierten Verbandsligisten TuS Nortorf, wo er seitdem Stammspieler ist.

Thore Möller (24): stammt ebenfalls aus der VfR-Jugend, bestritt seit 2018 insgesamt 51 Punktspiele für Rasensport, darunter in der bis zum Aufstieg letzten Oberligasaison 2018/19 des VfR, seinem ersten Herrenjahr, als Stammkraft 27 Oberligapartien. Er hatte in den Jahren danach immer wieder Verletzungen zu kämpfen. Deshalb war er auch nur im zweiten entscheidenden Relegationsspiel in Kaltenkirchen dabei. Möller wechselt im Sommer zum Landesligisten Todesfelde II.

Thore Möller. © 2023 Olaf Wegerich
Thore Möller. © 2023 Olaf Wegerich

Jonas Schomaker (27): wechselte 2020 zum VfR, für den er insgesamt 36 Mal auflief, darunter auch in beiden Aufstiegsspielen, in Kaltenkirchen als Spielführer. Für ihn gab es ein Oberliga-Comeback, er wechselte zum TSV Bordesholm, für den er in der Hinrunde 15 Mal auflief. Vor seiner Zeit in Neumünster kam er für den TSV Altenholz, Inter Türkspor Kiel und den TSV Kropp bereits zu 81 Oberligaspielen, so dass es in der Rückrunde für Schomaker zum “100-Oberliga-Spiele-Jubiläum” kommen könnte.

Coskun Yamak (30): Der Abwehrroutinier mit reichlich Oberliga-Erfahrung (78 Oberligaspiele sowie über hundert Verbandsligaeinsätze für Inter Türkspor Kiel, mit denen er auch in die Oberliga aufgestiegen war) kam erst 2022 zum VfR, für den er in der Landesliga 19 Mal auflief. In den beiden Aufstiegsspielen war er verletzt. Yamak wechselte im Laufe der Hinserie zum Verbandsliga-Spitzenteam des TSV Kronshagen.

Burhan Gülbay (34): lief insgesamt 134 Mal für Rasensport, u.a. auch in der Regionalliga. Er war erst 2022 zum VfR zurückgekehrt. In der letzten Saison kam er noch 18 Mal zum Einsatz, war Leistungsträger. Zum Ende der Serie jedoch verletzt, konnte auch in der Aufstiegsrunde nicht mitwirken. Er wechselte zum Karriere-Ausklang zum Kreisliga-Aufsteiger Türkspor Neumünster, konnte da jedoch aufgrund seiner Verletzung bisher kaum mitwirken.

Hendrik Wehde (22): kam 2021 zum VfR, für den er 21 Mal spielte. Hatte insofern Pech, als dass er sich nach Lessers Amtsantritt beim Testspiel in Reinfeld schwer verletzte und lange ausfiel. Erst im letzten entscheidenden Aufstiegsspiel in Kaltenkirchen war er wieder dabei, er kam in der 57. Spielminute. Wechselt zurück nach Todesfelde in die dortige U23.

Hendrik Wehde (VfR Neumünster) scheitert an Torwart Guckel (Kaltenkirchen). © 2023 Olaf Wegerich
Hendrik Wehde (VfR Neumünster) scheitert an Torwart Guckel (Kaltenkirchen). © 2023 Olaf Wegerich

Arian Jashari (27): kam erst 2022 mit der Erfahrung von 62 Oberligaspielen für Kilia, Altenholz und Inter Türkspor zu Rasensport. Er war in beiden Aufstiegsspielen als Linksverteidiger dabei, kam insgesamt auf 20 Einsätze für die Veilchen. Er legte wie Yamak nach dem Sommer eine kleine Pause ein, wechselte aber im Laufe der Hinserie zum Landesliga-Absteiger SVE Comet.

Bennett Rohwedder (27): begann erst wieder 2022 beim VfR mit dem aktiven Fußball. In jungen Jahren war er 2014 mit TuRa Meldorf U19-Oberligameister geworden und hatte in den Folgejahren für TuRa im Herrenteam 19 Oberligaspiele absolviert, war danach aber nur sporadisch unterklassig aktiv. Edeltechniker Rohwedder kam beim VfR in der Aufstiegssaison auf 11 Einsätze, in beiden Aufstiegsspielen wurde er in den Schlussminuten eingewechselt. Statt der Fortsetzung seiner Spielerkarriere konzentriert sich Rohwedder auf die Trainerlaufbahn. Er wechselte als Cheftrainer zur U15 des TSV Niendorf, einem Oberliga-Spitzenteam mit Regionalliga-Ambitionen.

Berk Akcicek (21): wechselte erst im Winter der letzten Saison kurz vor der Entlassung von Abdul Yilmaz aus der Oberligamannschaft des VfB Lübeck (dort 16 Einsätze in eineinhalb Jahren) zum VfR. Kam dort unter Leeser nur vier Mal zum Einsatz. Er wechselte im Sommer zusammen mit Möller und Wehde in die U23 des SV Todesfelde.

Tarik Alioua (30): gehörte quasi schon zum Inventar des VfR. Seit 2016 war er dabei und spielte insgesamt 96 mal für Rasensport, darunter in beiden Aufstiegsspielen im offensiven Mittelfeld über die volle Distanz. Für den PSV und den VfR lief er insgesamt 73 mal in der Oberliga auf. Im Sommer wechselte er zum Vrebandsligisten Fethispor Kaltenkirchen, jetzt aktuell im Winter zum Kreisligisten SV Wahlstedt.

Youssef Bouzoumita (25): kam 2021 zum VfR. In den zwei Jahren lief er 30 mal für die Lila-Weißen auf, darunter beide Aufstiegspartien. Trotz seiner Aussortierung beim VfR spielt er trotzdem jetzt in der Oberliga, er wechselte wie Schomaker und Cumur zum TSV Bordesholm. Für seinen neuen Verein kam er in der Hinrunde bereits 15 mal zum Einsatz.

Erdogan Cumur (32): kam ebenfalls 2022 von Inter Türkspor Kiel. Mit bis dahin 227 Oberligaspielen/ 102 Toren sowie 30 Regionalligaeinsätzen/ 1 Tor war er in der letzten Spielzeit mit Abstand der erfolgreichste Akteur im Kader. So traf er auch im letzten Jahr in der Punktrunde bei 15 Einsätzen 10 Mal. In der Aufstiegsrunde gegen Rotenhof wurde er nur kurz eingewechselt, bereitete aber das letzte überaus wichtige 4:2 vor und schoss in Kaltenkirchen das entscheidende Aufstiegstor. Er ist ebenfalls zurück in der Oberliga, wechselte ebenfalls nach Bordesholm. Seine beeindruckende Statistik besserte er auch dort weiter auf, erzielte in seinen 15 Partien der Hinrunde 3 Tore.

Erdogan Cumur. © 2023 Olaf Wegerich
Erdogan Cumur. © 2023 Olaf Wegerich

Alban Jashari (28): wechselte ebenfalls 2022 an die Geerdtstraße. Nach einem Kreuzbandriss konnte er erst spät in die Saison starten, kam nur auf 6 Einsätze, wobei er aber immer stärker wurde. Im Aufstiegsspiel gegen Rotenhof überragend, sah er in der hektischen Schlussphase rot. Im Sommer wechselte er zum SVE Comet Kiel.

Sie gingen von sich aus:
Torwart Kjell Berger (22): aus der VfR-Jugend stammend, 26 Landeslia-Einsätze für den VfR, gab frühzeitig seinen Wechsel zum PSV Neumünster bekannt. Dort kommt er momentan an Stammkeeper Torben Franzenburg nicht vorbei. Aber er feierte sein Oberliga-Debüt und war auch beim Hallenmasters in der Wunderino-Arena (sprich: Ostseehalle) dabei.

Tino Knobel (19): im letzten Spieljahr noch U19-Akteur und mit 11 Saisoneinsätzen, gab früh seinen Wechsel zum Lokalrivalen bekannt. Jedoch hatte Knobel Verletzungspech, kam auch deshalb nur auf 3 Oberliga-Kurzeinsätze. Aktuell wechselt er zum TSV Bordesholm. Fehlte in den Aufstiegsspielen wegen Verletzung

Mika Hirsch (23): ebenfalls der eigenen Jugend entstammend, verkündete bereits kurz nach der Yilmaz-Entlassung seinen Wechsel zum PSV. Insgesamt bestritt der VfR-Publikumsliebling 57 Einsätze, 20 davon in der letzten Spielzeit. In der letzten Minute des letzten Punktspiels gegen Altenholz verletzte er sich bei einem Foulspiel schwer, so dass er für die Aufstiegsspiele ausfiel. Beim PSV hat er es recht schwer, sich gegen Barendt, Tiedemann, Küffner, Barck usw. Spielanteile zu sichern. Bisher kommt Hirsch auf 9 Oberligaspiele für den PSV.

Ihab Hathat (29): verließ den VfR ein zweites mal. Insgesamt bestritt Hathat 85 Einsätze für den VfR. Sein Tor im Aufstiegsspiel gegen den TuS Rotenhof war sein 36stes für den VfR. Der herausragende Edeltechniker konnte vom VfR nicht gehalten werden, ihn zog es zum Hamburger Oberligameister TSV Sasel.

Sie sind (waren) in der aktuellen Saison dabei:
Im Kader verblieben Stamm-Torwart Christopher Newe (seit 2016 beim VfR), Christoph Kahlcke (seit 2020, Dauerbrenner der Aufstiegssaison, alle 24 Partien), Geart Latifi (seit 2020), Agron Gashi (seit 2015), Marcel Stölting (seit 2014) und Kevin Kulka (seit Anfang 2021). Newe, Kahlcke, Stölting und Gashi wiesen schon vor dem Aufstieg teils reichlich Oberligaerfahrung auf. Die zunächst ebenfalls verbliebenen Marcel Stoltenberg (seit 2019 dabei) schied zu Saisonbeginn auf eigenen Wunsch aus Verletzungsgründen aus, Aufstiegsheld Sabri Nasri (3 Tore gegen Rotenhof, mit kurzer Unterbrechung seit 2015 dabei gewesen) mußte nach 2 Oberligaspielen den Ligakader verlassen, er spielt seitdem in der 2. Mannschaft.

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