Der Heider SV hat das Siegen verlernt – Nur 2:2 gegen den TUS Rotenhof

von Olaf Wegerich

Ach du Schreck – Jan Pioch (TuS Rotenhof) nach dem Elfmterpfiff zum 2-2. © 2026 Volker Schlichting


Der Heider SV steckt weiterhin in einer handfesten Ergebniskrise. Auch im Heimspiel gegen den stark abstiegsgefährdeten TUS Rotenhof kam die Mannschaft von Trainer Markus Wichmann nach einer über weite Strecken enttäuschenden spielerischen Leistung nicht über ein 2:2 (0:1)-Remis hinaus. Damit warten die Dithmarscher bereits seit sieben Spielen auf einen Sieg, bleiben aber zumindest bis zum Sonntag auf dem 4. Platz. Der TUS Rotenhof zieht nach Punkten mit dem Oldenburger SV gleich und springt vorübergehend auf den 11. Platz, hat aber bereits drei Spiele mehr ausgetragen als die Ostholsteiner, die am Sonntag beim SV Eichede gefordert sind.

Heide ohne Storb und Gieseler – Rotenhof mit neun Ausfällen

Nach der Sperre von Abwehrchef Patrick Storb mussten die Dithmarscher auch noch kurzfristig auf ihren Kapitän Jonah Gieseler (Grippe) verzichten. Für ihn übernahm Christopher Buchtmann das Kapitänsamt. Trainersohn Luca Wichmann rückte für den gesperrten Storb in die Innenverteidigung, zeigte dabei ein vernünftiges Spiel und wusste durch gutes Stellungsspiel zu überzeugen.

Noch schlimmer hatte es die Gäste vom TUS Rotenhof erwischt. Trainer Henning Knuth musste sogar auf neun Spieler verzichten und war mächtig zum Improvisieren gezwungen.

Schwache erste Hälfte auf schlechtem Untergrund

Vor allem in der ersten Hälfte wurde den zahlreichen Zuschauern im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße auf einem schwer zu bespielenden Geläuf nur äußerst selten ansehnlicher Fußball geboten. Die Gastgeber taten sich sehr schwer, leisteten sich wiederholt Fehler im Spielfluss und wirkten zudem unkonzentriert und verunsichert. So war es wenig verwunderlich, dass sich die Mannschaft von Trainer Markus Wichmann bis auf einen Fernschuss von Christopher Buchtmann, den Justin Sörensen im Gästetor parieren konnte, keine einzige echte Torchance herausspielen konnte.

Christopher Buchtmann (Heider SV) in Action gegen Mats Henke (TuS Rotenhof). © 2026 Volker Schlichting
Christopher Buchtmann (Heider SV) in Action gegen Mats Henke (TuS Rotenhof). © 2026 Volker Schlichting

Deutlich effektiver agierten die Gäste. Nach einem Einwurf von Christian Schrum bekommt Steffen Neelsen eine „Pingpong-Situation“ nicht geklärt, und der energisch nachsetzende Felix Knuth (35.) nutzt den zweiten Ball zum Führungstreffer für die Gäste.

Wichmann mit kurzer Ansprache

Ohne weitere Höhepunkte geht es in die Pause. „Ich war noch nie so kurz in der Kabine“, fasst Heides Trainer Markus Wichmann, ohne ins Detail gehen zu wollen, seine kurze und wohl sehr deutliche Halbzeitansprache zusammen.

Tatsächlich scheinen die Dithmarscher nach der Pause aus ihrer Lethargie erwacht zu sein. Ohne dabei restlos zu überzeugen, agieren die Gastgeber endlich druckvoller und kommen auch zu Torabschlüssen. Vor allem die Umpositionierung von Mathis Harms von der Halbposition in die Spitze erweist sich dabei als ein guter Schachzug.

Fleige trifft zum 1:1-Ausgleich

Auch die Einwechselung von Mentalitätsspieler Marvin Wolf trägt schnell Früchte. Nach schöner Vorarbeit und flacher Hereingabe von Wolf schüttelt Hendrik Fleige (67.) im Zentrum noch einen Gegenspieler ab und trifft durch die Beine von Torhüter Justin Sörensen mit seinem achten Saisontreffer zum 1:1-Ausgleich.

Lahrs kommt und trifft zur erneuten Führung

Danach waren die Dithmarscher deutlich besser im Spiel und auch die aktivere Mannschaft, aber wieder ist es ein verhängnisvoller Fehler im Spielaufbau, der wegen der fehlenden Konterabsicherung zum erneuten Rückstand führt.

Nach einer schönen Seitenverlagerung von Henry Grothkopp auf Mats Henke lässt dieser den Ball tropfen, und im Zentrum trifft der erst 20-jährige Jonte-Noel Lahrs (76.) in seinem erst dritten Oberligaspiel – ansonsten spielt er auf der Sechserposition in der Zweiten – den Innenpfosten, und von dort trudelt der Ball zur erneuten Gästeführung ins Tor.

Cedric Nielsen (li., TuS Rotenhof) auf ungewohnter Position als Linksverteidiger gegen Mats Schaller (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting
Cedric Nielsen (li., TuS Rotenhof) auf ungewohnter Position als Linksverteidiger gegen Mats Schaller (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting

„Der Junge ist sehr vernünftig und bodenständig. Das Tor hat bei ihm bestimmt für Gänsehaut gesorgt“, freute sich Trainer Henning Knuth mit seinem Schützling und über den geglückten Wechsel, denn Lahrs benötigte nur vier Minuten, um zu treffen. „Die Kiste kommt“, ist schon jetzt klar, dass der mehr als gelungene Einstand von Lahrs, der seit dem Sommer einmal in der Woche bei der Ligamannschaft mittrainiert, auch im Kreise der Mannschaft gebührend gefeiert wird.

Selcuk trifft zum 2:2-Ausgleich

Aber auch Heides Coach Markus Wichmann hat seinen Joker im Köcher, der stach. Sieben Minuten vor Ende der regulären Spielzeit lässt der ballgewandte Fabian Arndt im Strafraum drei Gegenspieler aussteigen und wird dann von Jan Pioch zu Fall gebracht. Schiedsrichter Frederik Simon entscheidet sofort auf Foulelfmeter, und Azat Selcuk (83.) behält die Nerven und verwandelt sicher zum 2:2-Gleichstand.

Sörensen rettet den Punkt

In der wilden Schlussphase, als die Gastgeber noch einmal alles nach vorne werfen und den Sieg erzwingen wollen, wird Torhüter Justin Sörensen zum Turm in der Schlacht und rettet den Gästen in einem zumindest in der zweiten Hälfte brutal umkämpften Spiel den mehr als verdienten Punktgewinn.
Zunächst klärt Sörensen im Anschluss an einen Eckball bei einem Schuss von Christopher Buchtmann aus dem Getümmel aus gut sieben Metern mit einer Fußabwehr.

Mathis Harms (Heider SV), nach seiner Krankheit wieder dabei, beim Kopfball. © 2026 Volker Schlichting
Mathis Harms (Heider SV), nach seiner Krankheit wieder dabei, beim Kopfball. © 2026 Volker Schlichting

Kurz danach ist es erneut Christopher Buchtmann, der aus gut 16 Metern abzieht, aber wieder kann Sörensen den Ball abwehren. Der Ball landet dann bei Marvin Wolf, doch dessen Versuch, den Ball über den Torhüter zu lupfen, kann Sörensen im Fallen mit dem Kopf abwehren. Bei den Gastgebern, die insgesamt vieles schuldig blieben, gilt es allenfalls Mathis Harms und Hendrik Fleige hervorzuheben, der als gefährlicher Fixpunkt immer wieder gesucht wurde.

Viele Lichtblicke bei den Gästen

Bei den Gästen ist die Leistung von Nick-Ole Lehmann hervorzuheben, der ansonsten meist nur als Einwechselspieler zu Einsatzzeiten kam und nun in der Innenverteidigung zu überzeugen wusste. Auch Cedric Nielsen glänzte auf der für ihn ungewohnten Position als linker Verteidiger. Ebenso ging Felix Knuth als Kapitän immer vorneweg, und Justin Sörensen präsentierte sich mit vier tollen Paraden, davon zwei in der hektischen Schlussphase, als starker Rückhalt.

Keeper Justin Sörensen (TuS Rotenhof) war ein guter Rückhalt seines Teams. © 2026 Volker Schlichting
Keeper Justin Sörensen (TuS Rotenhof) war ein guter Rückhalt seines Teams. © 2026 Volker Schlichting

Eine gute Nachricht gibt es bei Angreifer Florian Kuklinski, bei dem zum Glück die Bänder stabil sind, der aber weiter mit Knieproblemen zu kämpfen hat.

Stimmen zum Spiel

Trainer Markus Wichmann (Heider SV):
„Das war ein schlechtes Oberliga-Spiel mit einem gerechten Ergebnis. So eine lange Serie ohne Sieg hatte ich als Trainer noch nie. Patrick Storb und Jonah Gieseler sind für uns nicht zu ersetzen. Uns fehlt einfach ein Sieg und dass ein Schuss aus zwanzig Metern auch mal den Weg ins Tor findet. Das war nicht das, was wir und die Jungs von sich selbst erwarten. Das ist eine schwierige Situation, in der wir uns befinden. Es können nicht immer nur die Schiedsrichter schuld an unserer Situation sein. Sicherlich hatte er nicht seinen besten Tag, aber wir waren noch schlechter.

Geschäftsführer Hannes Nissen (Heider SV):
„Das war heute über 90 Minuten einfach sehr, sehr mangelhaft. Gerade in Halbzeit eins waren wir sehr harmlos. Wir bekommen unfassbar einfache Gegentore, wie eigentlich so oft in den letzten Wochen. Die Platzverhältnisse waren grauenvoll, was natürlich auch nicht förderlich ist. Wir müssen ehrlich sein, der Trend seit Dezember ist sehr, sehr negativ. Wir können so nicht weitermachen und werden das ganz genau analysieren müssen.“
Trainer Henning Knuth (TUS Rotenhof): „Heute war einfacher Fußball gefragt. Wenn du in Heide zweimal führst, möchtest du natürlich auch gewinnen. Im Moment sind wir natürlich ein Stück weit enttäuscht. Aber wir werden sehen, was der Punkt vielleicht noch wert ist.“

Pressekonferenz Heider SV vs. TuS Rotenhof

Olaf Wegerich

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