Bereit zum Zweikampf – Ömer Sönmez (Inter Türkspor Kiel) hinter Aristeidis Andrikopolous ( 1. FC Phönix Lübeck II). Can Degirmenci beobachtet. © 2026 Ismail Yesilyurt
Nicht die Kragenweite von Inter Türkspor Kiel war die zweite Mannschaft des 1. FC Phönix Lübeck. In der Oberliga Schleswig-Holstein mussten die beim Klassenerhalt akut bedrohten Landeshauptstädter eine klare 1:5-Niederlage gegen die Lübecker hinnehmen. Die Performance des Tabellensiebenten der Flens-Oberliga stand dem eines Spitzenteams sehr nahe.
Inter Türkspor Kiel nicht in Bestbesetzung
Pech für Cheftrainer Karim Youssef: Aus der letzten Startelf gegen den SV Todesfelde standen gleich vier Spieler nicht zur Verfügung. Abwehrrecke und Kapitän Moritz Haye und Sercan Yildirimer standen nicht zur Verfügung. Und auch die gegen Todesfelde starken Azuka Olise (Rechtsverteidiger mit viel Offensivdrang) und Melih Cerrah, der mit seinen Dribblings Lücken in der gegnerischen Abwehr aufreißt, standen aufgrund einer Zerrung im Oberschenkel nicht im Kader.
Die Gäste aus der Sieben-Türme-Stadt dagegen konnten ihr zweites Team aufgraden. Aus dem Regionalliga-Team waren Ben Jablonski, Louis Grobauer, Can Degirmenci, Aristidis Andrikopoulos und Valdyslav Kraiev dabei. Wobei aber bis auf Andrikopoulos alle genannten Spieler schon öfter Spielpraxis in der Oberliga sammeln durften.
Justin Petersen bietet sich gute Führungsmöglichkeit für Inter
Dabei starteten die Interisti, die das Hinspiel nach 1:0-Führung 1:3 verloren hatten, vielversprechend in die Begegnung. Gleich in der vierten Minute bot sich Justin Petersen eine Möglichkeit zum 1:0. Nach einem Fehlpass im Aufbau der Gäste bekam Petersen auf Höhe des gegnerischen Mittelkreises den Ball. Phönix-Keeper Vladyslav Galytsky stand in Erwartung eines möglichen Mitspielens an seiner Strafraumgrenze. Doch der Heberversuch des Türkspor-Kickers landete irgendwo in der „Walachei“.
Phönix Lübeck mit viel Speed
Danach zeigten die Adlerträger, wie die Marschroute aussieht: Hohes Pressing bei gegnerischem Ballbesitz und bei eigenem ein wahnsinnig hohes Tempo in Richtung Wunschziel. Entweder mit kontaktarmem Kombinationsspiel oder auch schnellen weiten Bällen auf die drei Spitzen. Inter Türkspor stand natürlich dadurch unter großem Druck, hielt dem aber lange stand. Klare Chancen gab es für die überlegene Elf von Neutrainer Kevin Wölk nicht. Bis Muzaffer Degirmenci auf rechts ordentlich Dampf machte. In ihrer Box konnten die Kieler den Ball nicht konsequent klären. Maximilian Ofosu stand dann da, wo ein Mittelstürmer stehen muss – im Strafraumzentrum, von wo der Angreifer den Ball einschoss zur verdienten Führung.
Pascal Polonski gleicht aus – Ofosu dreht den Spieß um
Danach hatte Phönix weiter Feuer im Kessel, die nächste Chance aber Inter Türkspor. Und die passte zum 1:1. Einen Freistoß von halblinks von Till Börner bekam Andre Volkers am langen Pfosten irgendwie abgelegt an den Torraum, wo Pascal Polonski seine herausragende Leistung am späten Sonntagnachmittag mit einem Schuss zum Ausgleich krönte.

Als sich die Elf von Karim Youssef etwas an den Speed der Gäste akklimatisiert hatte, sorgte eine einfache Aktion für den erneuten Rückstand. Ein langer Ball auf den durchstartenden Maximilian Ofosu düpierte alle Inter-Feldspieler. Auf seinem Weg zu seinem zweiten Treffer war Ofosu auch von Keeper Mats Lüdtke nicht aufzuhalten – ein eleganter Lupfer des 26-Jährigen, der seit Sommer 2023 den Adler auf der Brust trägt, segelte ins Tornetz.
Inter-Trainer Karim Youssef sah das Muster der Lübecker klar: „Sie haben fast immer so ein gleiches Muster gehabt. Lange Bälle hinter der Kette – das sind einfache Bälle zu verteidigen, aber dafür brauchst du Geschwindigkeit und gutes Stellungsspiel. Das hatten wir heute beides nicht.“
Lange Nachspielzeit und Phönix-Offensivfeuer
Polonski kam in der Nachspielzeit nach einer Ecke noch zu einem gefährlichen Kopfball, der aber zu zentral auf Galytsky platziert war. Noch zu erwähnen wegen der langen Nachspielzeit: Schiedsrichter Claudius Böhnke rasselte vor dem Inter-Strafraum mit einem Spieler zusammen und wurde nach dem Sturz leicht benommen von der Physiotherapeutin von Phönix Lübeck behandelt. Gott sei Dank kehrte Böhnke wieder auf den Platz zurück.

Phönix-Coach Kevin Wölk lobte die Kontrolle seines Teams: „Wir haben das Spiel und den Gegner kontrolliert, auch nach dem 1:1.“
Der Treffer zum 1:2, bei dem Abseits reklamiert wurde, wirkte nachhaltig. Verstärkt durch das schnelle 1:3 nach Wiederbeginn durch das Triple von Ofosu. Man merkt es den Adlerträgern in der Folge an: Das Team ist mit viel Spaß bei der Sache und transportiert das Spielgerät unverzüglich in die Offensive. Stets geil auf weitere Tore. Inter versuchte so gut es geht, dagegen zu halten. Aber die Phönixer sind auch effizient im Abschluss. Als sich die Gastgeber mit dem Mut der Verzweiflung mehr in die gegnerische Hälfte zum Schlagabtausch orientieren, lassen die Hansestädter vielversprechende Angriffe ungenutzt.

„Was ich gut fand, ist, dass wir nach dem 3:1 nicht aufgehört haben, Fußball zu spielen, sondern gierig geblieben sind auf weitere Tore“, schüttete Wölk Lob aus. Auch Karim Youssef durfte trotz des 1:5 zurecht wärmende Worte aussprechen: „Die Jungs haben alles gegeben, aber der Gegner war wirklich stark. Das müssen wir anerkennen.“
Stimmen zum Spiel
Inter Türkspor Kiel: Lüdtke – Schmidtke (54. Lovizio), Polonski, Imasün (75. Belhiba), Volkers – Börner – Serkan Yildirimer (59. Lipfert), Halili (73. Baki), Petersen, Sönmez – Baumgarn (46. Mosby).
Trainer: Karim Youssef.
1. FC Phönix Lübeck II: Galytsky – Grobauer, Seibt, Achtenberg (78. Blazheski), Knott (78. Simsek) – Degirmenci, Hadj (59. Kraiev), Jablonski – Andrikopoulos (73. Enseleit), Ofosu, El Shaikh (63. Said).
Trainer: Kevin Wölk.
SR: Claudius Böhnke (SV Eichede).
Ass.: Sebastian Marx, Tom Domberger
Z.: 87.
Tore: 0:1 Maximilian Ofosu (28.), 1:1 Pascal Polonski (36.), 1:2 Maximilian Ofosu (43.), 1:3 Maximilian Ofosu (48.), 1:4 Can Degirmenci (65.), 1:5 Ben Jablonski (85.).
