Cheftrainer Marcel Rapp (Holstein Kiel) war weder mit dem Ergebnis noch der Leistung der Spieler einverstanden. © 2026 Ismail Yesilyurt
Hannover 96 hat die Chance genutzt, durch die sperrangelweit offene Tür zu schreiten. Den Zugang zur Spitzengruppe hatten Schalke und Elversberg mit ihren Patzern in der 2. Bundesliga am Vortag geöffnet. Holstein Kiel dagegen stand und steht aktuell vor einem verschlossenen Durchgang: dem zu einem sicheren Mittelfeldplatz im Jahr eins nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga.
Am Ende stand ein verdienter 3:1-Heimsieg für Hannover 96, das damit seine Ambitionen auf die Spitzengruppe eindrucksvoll untermauerte. Holstein Kiel zeigte zwar Moral und kam zwischenzeitlich zurück, zahlte aber Lehrgeld für sehr schwache erste 30 Minuten und fehlende Konsequenz in der Defensive. Für Timon Weiner, der von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde, entwickelte sich das Liga-Debüt zu einem harten Nachmittag.
Holstein Kiel reiste mit Sorgen an. Abstand zur Abstiegszone war das erklärte Ziel, Stabilität nach dem 0:3 im Pokal gegen Stuttgart die große Hoffnung. Cheftrainer Marcel Rapp musste im Vergleich zum Viertelfinale im DFB-Pokal gegen den VfB zwei Veränderungen in der Startelf vornehmen. Für den gelb-rot gesperrten Nekic rückte Rosenboom in die Mannschaft. Für Tohumcu (verletzt) begann Niehoff.
Blitzstart der Hausherren und ein Tor wie aus dem Lehrbuch
Die Anfangsphase gehörte vollständig Hannover. Aggressiv, zielstrebig, mit hohem Tempo über die Flügel. Der Lohn folgte schnell. Nach einem Ballgewinn auf der rechten Seite leitete Yokota weiter auf Aséko Nkili, der in den Strafraum zog und flach vors Tor spielte. Dort stand Källmann genau dort, wo Stürmer stehen müssen, und grätschte den Ball aus kurzer Distanz durch die Beine des herausstürmenden Weiner ins Netz.
Hannover blieb am Drücker. Kiel fand kaum Zugriff, vor allem Källmann war für die Defensive der Störche kaum zu kontrollieren. Jeder zweite Angriff der Niedersachsen roch nach Gefahr, jeder Ballverlust der Gäste nach Stress.
Das überfällige 2:0 und erste Lebenszeichen der Störche
Nach 21 Minuten fiel dann das Tor, das längst in der Luft lag. Aséko Nkili setzte erneut Källmann in Szene. Weiner rettete zunächst stark gegen den Stürmer, Zec klärte auf der Linie, doch die Szene wollte nicht enden. Der Ball landete wieder bei Aséko Nkili, der ihn schließlich doch im Kieler Tor unterbrachte. 2:0, verdient und folgerichtig.
Erst danach konnte Holstein Kiel sich etwas befreien. Die Gäste unterbanden nun häufiger die hannoverschen Angriffe, auch weil der Gastgeber kurzzeitig das Tempo herausnahm. Bis zur sehr späten Halbzeitpause nach 51 Minuten hatten beide Teams Chancen. Kaprálik kam nach einem Konter im Zweikampf mit Tomiak vor dem Strafraum zu Fall. Nach VAR-Prüfung blieb die Pfeife stumm: kein Platzverweis wegen Notbremse, da kein Foul vorlag. Saad für Hannover verpasste das 3:0, ebenso Kiels Zec sowie Phil Harres in der Nachspielzeit den möglichen 1:2-Anschlusstreffer.

Rapp-Predigt wirkt
In der Halbzeit wechselte Rapp nur einmal: Aldin Jakupovic ersetzte Niklas Niehoff. Anscheinend hatte der Störche-Coach seine Spieler mit seiner Halbzeitpredigt erreicht. Holstein agierte nun griffiger in den Zweikämpfen. Die klareren Möglichkeiten lagen dennoch auf Seiten des Tabellenfünften.
Phil Harres verkürzt, aber 96 lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen
Geht da was? Harres verkürzte mit einem Schuss aus der Drehung von der Strafraumgrenze auf 1:2. Die bis dato unterlegenen Kieler waren wieder zurück im Spiel. In einer nun ausgeglichenen Begegnung machte die Truppe von Christian Titz jedoch den Deckel drauf. Mit einer Co-Produktion der eingewechselten Akteure Stefan Thordarson und Kokolo, der seinen Mitspieler und Torschützen mit einem Pass an den Torraum bediente.
Aktuell klare Tendenz: Hannover nach oben, Kiel nach unten
Danach war die Heimelf dem nächsten Treffer näher als die Gäste dem erneuten Anschlusstreffer. Hannover 96 verließ mit einer konzentrierten Leistung hochverdient mit einem 3:1 die Heinz von Heiden Arena. Die 96er ließen in weiten Teilen keine Zweifel am Sieger aufkommen. Die Titz-Truppe verbleibt trotz der drei Punkte auf dem fünften Platz, hat aber mehr als nur Tuchfühlung zu den vorderen Rängen. Der Relegationsplatz ist mit einem Punkt Rückstand nur einen Katzensprung entfernt, ebenso die Tabellenspitze mit drei Punkten.
Holstein Kiel, das nach dem Pokal-Aus nur vier Tage zuvor erneut gefordert war, wirkte insbesondere in der ersten Hälfte ideenlos und konnte nur kurz Hoffnung durch den Anschlusstreffer schöpfen. Die Störche (24 Punkte) müssen nun ihren Blick verstärkt in den Rückspiegel richten. Der Relegationsplatz zur 3. Liga, den Preußen Münster belegt, ist bei nur zwei Punkten Vorsprung klar in Sicht. Der erste direkte Abstiegsplatz liegt aktuell bei 21 Punkten.
Stimmen zum Spiel
Hannover 96: Noll – Okon (77. Blank), Tomiak, Ghiță – Oudenne (72. Taibi), Leopold, Aséko Nkili (72. Kokolo), Neubauer – Saad (72. Thórdarson), Källman (82. Nielsen), Yokota.
Trainer: Christian Tietz.
Holstein Kiel: Weiner – Tolkin, Ivezic, Zec, Rosenboom – Meffert (66. Therkelsen), Davidsen, Niehoff (46. Jakupovic), Kelati – Kaprálik, Harres (88. Müller).
Trainer: Marcel Rapp.
SR: Konrad Oldhafer (Hamburg).
Ass.: Stefan Zielsdorf, Ben Uhrig
Z.: 32.400.
Tore: 1:0 Benjamin Källman (5.), 2:0 Noël Aseko Nkili (21.), 2:1 Phil Harres (68.), 3:1 Stefan Teitur Thordarson (78.).
