Jonas Meffert rückte mit seinem 1:1 Holsteins Welt etwas gerade. © 2026 Ismail Yesilyurt
Muss sich Holstein Kiel auf einen Abstiegskampf einstellen? Gegen das Schlusslicht Greuther Fürth gab es eine enttäuschende 1:2-Niederlage. Anstatt einem möglichen komfortablen Punktepolster von elf Punkten beträgt der Abstand zu den weiter mit 19 Punkten das Tabellenende zierenden Gästen nur noch fünf Punkte.
Am bitterkalten und frühen Samstagmittag im Holstein-Stadion wurde den Fans kein Feuerwerk serviert: 45 Minuten lang spielten im hohen Norden zwei Teams, die in dieser Form ganz klar zu den Abstiegskandidaten gehören werden. Die Gastgeber, zuletzt mit fünf Spielen ohne Niederlage, gingen als Favorit ins Rennen gegen den Tabellenletzten, der in den letzten sieben Spielen keinen Sieg erringen konnte. Die erste Halbzeit war, wie schon erwähnt, kein Hingucker. „Taktisches Spiel“, hört man aus dem Hintergrund nach der Hälfte der Gesamtspielzeit. Höfliche Worte und Umschreibung einer Begegnung mit der Note fünf.
Kein Leckerbissen für knapp 12.000 Fans
Eine, ja zwei Chancen, wenn man den Schuss aus 30 Metern von Skrzybski aus der 27. Minute dazu zählt. Übrigens die erste Möglichkeit beider Seiten übers Tor auf die Wand von Holstein-Fans hinter dem Fürther Gehäuse. Viel gefährlicher war die Gelegenheit etwas später in Halbzeit eins durch Skrzybski, dessen abgefälschter Schuss knapp am linken Pfosten vorbei kullerte.
Ideenarme Störche und harmlose Offensive
Die Störche fanden kaum Ideen, um die mit Abstand schlechteste Defensive der zweiten Liga mit 46 Gegentreffern zu Fehlern zu zwingen. Die beiden Kieler Spitzen hingen über fast die gesamte Spielzeit in der Luft. Sei es durch fehlende Zuarbeit der Kollegen oder auch fehlendes eigenes Engagement. Viel Geschiebe im Mittelfeld, wenig Tiefe, noch weniger Risiko.

Heiko Vogel muss Startformation kurzfristig ändern
„Ich glaube, erste Halbzeit haben wir nicht viel zugelassen. Hatten viel den Ball, haben aber da keine guten Lösungen“, analysierte Marcel Rapp. Fürth, das ohne seinen kurz vor dem Anpfiff absagenden zweiten Topscorer Felix Klaus (sieben Tore) antrat, verteidigte ohne große Mühe die Angriffe der Gastgeber, die in ihrem Aufbauspiel viel zu pomadig wirkten und auch zu viele Abspielfehler produzierten. Aber auch die Störche behielten bei den Offensivaktionen der Fürther stets die Kontrolle – auch wenn in ein, zwei Situationen die Gäste aus Mittelfranken zu wenig daraus machten.
Aufbäumen nach dem Rückstand – und der erneute Rückschlag
Die Dynamik änderte sich erst nach dem 0:1, als Aaron Keller recht früh einen Fauxpas der Störche ausnutzte. Das weckte die Kieler aus ihrem Frostschlaf. Nun war mehr Tempo in den Aktionen – auch in anderen Bereichen legte der Tabellenzehnte am 20. Spieltag zu. Die Belohnung folgte schnell auf dem Fuß: Jonas Meffert hämmerte den Ball aus dem rechten Torraumeck hoch in die Maschen. Die Rapp-Truppe nutzte in der Folge jedoch das Momentum nicht.
Noel Futkeu sicher vom Punkt zum 2:1 und 10. Saisontor
Auf der anderen Seite fühlte sich die zweite kalte Dusche noch arktischer an. Der für den verletzten Branimir Hrgota eingewechselte Aiman Dardari, der für Offensivimpulse sorgte, degradierte im Strafraum Holsteins Neuzugang Umut Tohumcu zur Slalomstange. Tohumcu fädelte ein. Den berechtigten Foulelfmeter verwandelte Fürths Aktivposten Noel Futkeu sicher zu seinem 10. Saisontreffer.

„Dann war es eine Schlacht bis zur 98. Minute, wo wir aber, glaube ich, sehr, sehr – ja, insofern auch als verdienter Sieger dann rausgehen, weil wir uns entgegengestemmt haben, gegen die ganze fußballerische Power von Kiel“, so der Fürther Coach nach der erneuten Führung.
Kieler Schlussspurt ohne Happy-End
Das forsche Anstürmen von Holstein Kiel danach blieb bis zum Ende der regulären 90 Minuten und den folgenden neun Minuten Nachspielzeit ohne Lohn. Eine Kopfballchance gab es. Und in der Nachspielzeit eine Szene im Strafraum, in der die Holstein-Bank einen klaren Elfmeter gesehen hatte. Der insgesamt gut leitende Schiedsrichter Marc Philip Eckermann entschied korrekt. Holsteins Andu Kelati hatte im Gegensatz zum Fürther Elfmeter selbst eingefädelt. Dafür gab es auch die berechtigte gelbe Karte.
Stimmen zum Spiel
„Dann, glaube ich, war es ein Spiel von unserer Seite mit sehr viel Kampf und Leidenschaft. Das spielerische Element lag klar bei der Heimmannschaft, die auch mehr Spielanteile hatte“, sagte Fürths Chefcoach Heiko Vogel auf der Pressekonferenz.
„Wir haben es heute versäumt, einen großen Schritt zu gehen. Wir haben nur zwei Torschüsse zugelassen – das war in Ordnung, wie wir verteidigt haben. Trotzdem, die Aktionen waren nicht schlau. Aber mit dem Ball war es heute deutlich zu wenig für den Anspruch, den wir haben“, konstatierte Rapp.
Holstein Kiel: Krumrey – Rosenboom (84. Müller), Zec, Ivezic, Tolkin – Niehoff (59. Kapralik), Meffert,Tohumcu, Skrzybski (79. Kelati) – Therkelsen (59. Jakupovic), Harres.
Trainer: Marcel Rapp.
SpVgg Greuther Fürth: Schlieck – Dehm, Bjarnason, Ziereis, Münz – Arifi (75. Avlayici), Will – Srebeny (75. Marita), Keller – Hrgota (66. Dardari) – Futkeu (84. Higl).
Trainer: Heiko Vogel.
Schiedsrichter: Marc Philip Eckermann (Winnenden).
Assistenten: Mark Borsch, Felix Grund.
Zuschauer: 11.594.
Tore: 0:1 Keller (50.), 1:1 Meffert (61.), 1:2 Futkeu (77., Foulelfmeter).
