VfR Neumünster hat Spitzenreiter Todesfelde am Rande einer Niederlage

von Helwig Pfalzgraf

Ola Adesanya (li., VfR Neumünster) gegen Max Musci (Todesfelde). © 2026 Olaf Wegerich.


Wow, was für ein Fußballspiel! Eine Klasse-Oberligapartie auf höchstem Niveau, trotz schwieriger, tiefer Bodenverhältnisse. Immer wieder blitzt die Klasse der ehemaligen Profis auf – sei es Kevin Schulz auf Seiten der Hausherren oder die der Todesfelder ehemaligen Dritt- und Viertligaakteure. Doch trotz des Klassespiels an sich gibt es leider Begleitumstände, mit denen eigentlich keiner zufrieden sein kann. Doch dazu unten mehr!

Der souveräne Oberligaspitzenreiter SV Todesfelde, der in der Vorwoche sogar der mit mehreren aktuellen Bundesligaakteuren aufgepeppten Reserve von Holstein Kiel getrotzt hatte, war zu Gast bei den in dieser Saison überzeugend aufspielenden Rasensportlern aus Neumünster. Das altehrwürdige Stadionrund in der Geerdtstraße war dann auch mit 480 Zuschauern recht gut besucht.

Never change a winning team…

… galt für den VfR Neumünster. Trainer Danny Cornelius hatte keinen Grund, seine siegreiche Elf aus Heide zu ändern.

… und fast auch für die Elf von Björn Sörensen

Fast unverändert gegenüber dem 0:0-„Sieg“ in der Vorwoche begann auch der SVT. Lediglich Tüney Bektas begann anstelle von Benjamin Petrick, der heute Matchwinner wurde.

Tofe mit mehr Ballbesitz

Bektas hatte dann auch den ersten Abschluss des Spiels. Und wenig später setzte Noah Awuku nach der ersten Tofe-Ecke den Ball knapp vorbei. Tofe machte das Spiel, doch der VfR hielt selbstbewusst dagegen. „Lang Hafer“ – Spieleröffnungen mit einfachen langen Abschlägen durch Kenny Korup – varierten mit technisch spielerisch überzeugenden Aufbaulösungen, meist über die ballsicheren Christoph Kahlcke und Jan Lippegaus.

VfR äußerst effektiv zum 2:0 …

Eine davon brachte die Führung. Lippegaus traf nach sehenswertem Zusammenspiel mit Ilir Serifi (12.) zum 1:0. Und nach Einwurf von Ola Adesanya traf der parallel zur Sechzehnerlinie laufende Kastriot Alija mit der nächsten Chance zum 2:0 (19.). Mitten in einer Drangperiode des SVT. Doch mehr als eine gute Kopfballchance nach gelungenem Pressinggewinn über rechts, final durch Liebert (17., übers Tor), sprang dabei nicht heraus.

Morten Liebert (Tofe) gegen Kenny Korup (re., VfR). © 2026 Olaf Wegerich
Morten Liebert (Tofe) gegen Kenny Korup (re., VfR). © 2026 Olaf Wegerich

… und hat weiter die besseren Gelegenheiten

Serifi läuft aus spitzem Winkel frei auf Fabian Landvoigt zu, der jedoch per Fußabwehr zur Ecke klärt. Ola Adesanya kommt in der 34. Minute im Sechzehner zu Fall, hebt allerdings ohne Feindberührung ab. Eine Schwalbe mit Folgen? Jedenfalls wird mit ihm ab diesem Zeitpunkt nicht mehr fair durch die Unparteiischen umgegangen. Dazu weiter unten mehr.

Todesfelde drückt weiter, doch mehr als ein Versuch von Pawel Erfmann (37., knapp vorbei) und ein Drehschuss aus 16 Metern von Liebert, der es gegen Kahlcke und Korup ansonsten schwer hat (44.), kommt dabei nicht heraus.

6 Minuten Nachspielzeit in der ersten Hälfte …

… gibt es aus unerfindlichen Gründen. Keine Verletzungen, keine Wechsel, keine langen Diskussionen. In dieser Nachspielzeit dribbelt Ilir Serifi durch den Tofe-Strafraum, es gibt eine Berührung, Serifi fällt, Schiri Kröhnert deutet an: weiterspielen! Glück für Tofe.

2. Halbzeit

Tofe kommt entschlossen aus der Kabine. Nach einem Standard verpasst der aufgerückte Lasse Jetz (knapp vorbei) den Anschlusstreffer (49.). Der kurz danach fällt. Noah Awuku, der Ex-Holsteiner, nutzt seinen freien Raum und trifft sehenswert aus der Drehung unhaltbar aus 19 Metern zum 2:1 (50.). Kurz danach (53.) hält Newe überragend.

VfR-Torhüter Christopher Newe-Foto. © 2026 Olaf Wegerich
VfR-Torhüter Christopher Newe. © 2026 Olaf Wegerich

Danach ist es über weite Strecken ein Spiel auf ein Tor. Aber die VfR-Defensive hält sich wacker. Riesenmöglichkeiten ergeben sich für stark drückende Tofe-Spieler aber nicht.

Jeder Pfiff gegen Adesanya

In der 61. Minute dann wieder einmal ein VfR-Konter. Der Ex-Todesfelder Rafael Krause scheitert nach Doppelpass mit Lippegaus an Landvoigt, in den Nachschussversuch von Adesanya wirft sich der frühere Reinfelder Justin Cloppatt. Es kommt zum Crash. Der Schiri entscheidet auf Freistoß für Tofe. Nicht nur die Heider Delegation um Co-Trainer Leif Hahn und Sportchef Hannes Nissen äußert starke Zweifel an dieser Entscheidung. Andersherum und damit Elfmeter wäre richtiger gewesen.

Doch damit nicht genug. Zunächst bekommt Ilir Serifi nach einem Pressschlag mit seinem Außenrist wundersamerweise Gelb. Nach 79 Minuten hat Adesanya den Ball gesichert. 180 Grad hinter ihm bearbeitet ihn Maximilian Musci. Adesanya sieht ihn nicht, spürt ihn nur. Adesanya will an ihm vorbei, Musci sinkt zu Boden, Adesanya hat ihn mit dem Arm erwischt, zweifellos. Doch statt das vorhergehende Foul Muscis an Adesanya zu pfeifen, gibt es Freistoß für Tofe! Und Gelb für Adesanya.

Kröhnert sorgt für Todesfelder Überzahl

Doch damit nicht genug. Und zwar mit Ansage. Es war fast klar, was dann passiert. Zwei Minuten später eine ähnliche Szene. Adesanya sichert den Ball, Mirko Boland steht 180 Grad hinter ihm, attackiert ihn. Klares Foulspiel. Adesanya verliert das Gleichgewicht, fällt. Boland dann auch. Und bleibt liegen. Das Spiel läuft weiter. Bis zur nächsten Unterbrechung. Boland liegt immer noch. Dann erst (!) entscheidet Kröhnert auf Freistoß für Tofe. Und gibt obendrein Gelb-Rot für Adesanya! Zufall: Schon im Hinspiel gab es zwei identische Szenen nach Foulspiel an Adesanya.

Ola Adesanya zu oft benachteiligz von den Unparteiischen!

Kleiner Einwurf: Ola Adesanya scheint der einzige Stürmer in der Oberliga zu sein, gegen den regelmäßig und oft bei seinem eigenen Ballbesitz gepfiffen wird. Meist, wenn er seinen ihn bedrängenden Gegenspieler gar nicht sehen konnte. Armeinsätze seiner Gegenspieler? Bleiben regelmäßig ungeahndet. Aber von Adesanya scheint man dagegen zu verlangen, mit angelegten Armen spurten zu können. Woran liegt das? Ist er ein besonders gewiefter Boxer, der gezielt 180 Grad nach hinten boxt? Wohl kaum! Oder doch, weil er sicher unbewusst aus welchen Gründen auch immer benachteiligt wird?

Boland kann weiterspielen

Glücklicherweise ist Boland nach Adesanyas Platzverweis aber gleich wieder fit. Cornelius musste kurz vorher den aufgeriebenen, superstarken Schulz herausnehmen, auch Serifi geht. In Überzahl geht es nur noch in eine Richtung. Der VfR lässt aber weiter wenig zu.

Überzahl und Klasse entscheiden

Tofe nutzt dann die erste wirkliche Ausgleichschance. Der spät eingewechselte frühere Lübecker Perry Dodoo schließt nach langer Linksflanke frei von halbrechts knallhart ab und lässt Newe keine Chance. Und drei Minuten später ist es der Ex-Kilianer Benjamin Petrick, der mit einem Knaller vom Sechzehner seine ganze Klasse zeigt. Der VfR ist stehend k. o. Nach diesmal nur fünf Minuten Nachspielzeit (nach den Maßstäben der ersten Hälfte hätte es deutlich mehr sein müssen) hat dann Tofe die drei Punkte eingefahren und kann den Auswärtssieg feiern.

Fragen bleiben: „Bist du behindert?“ …

… rief ein arrivierter Tofe-Spieler während des Spiels deutlich hörbar in Richtung wen auch immer. Keine Reaktion der Unparteiischen. Als der gleiche Spieler nach der Führung und einem Freistoßpfiff des Schiedsrichters für den VfR den Ball 30 Meter wegdrosch, blieb dies ebenso ungeahndet. Und nach einer unflätigen Bemerkung von frustrierten Ersatzspielern des VfR kurz vor Schluss quittierte das Tofe-Trainer Björn Sörensen mit einem ironischen „Ganz starke Bemerkung, wirklich“ bei gleichzeitigem Blablabla-Handzeichen: Souverän geht anders.

Fazit

Tofe bleibt auch heute siegreich. Der besonders ob der Schiedsrichterleistung arg frustrierte VfR hat trotz der Niederlage seinen Aufwärtstrend bestätigt. Trotz des superinteressanten, phasenweise hochklassigen Fußballspiels gibt es heute außer dem VfR noch weitere Verlierer.

Stimmen zum Spiel

Björn Sörensen (Trainer SV Todesfelde)
Danny Cornelius (Trainer VfR Neumünster)

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