Das Ende des Sportheims des VfR Minerva. © 2026 Helwig Pfalzgraf
Im Januar 2026 wurde das Vereinsgebäude des VfR Minerva v. 1921 abgerissen. Wieder ein Stück lokaler Fußballidentität weniger.
Der Spielbetrieb wurde zum Ende der Saison 2015/16 eingestellt. Danach kam die Vereinsarbeit zum Erliegen. Die Stiftung Drachensee übernahm die Federführung. Die kleine Vereinsgaststätte wurde zunächst noch vom Pächter weiterbetrieben, und auch die integrierte Schlichtwohnung, die ehemalige Platzwartwohnung, war weiter belegt. Erst um 2021 herum waren Vereinsgaststätte und Wohnungsbelegung Geschichte.

Der VfR Minerva war immer einer der kleinen Vereine in Kiel. 1921 gegründet, spielten die Fußballer zunächst auf dem Großen Exerzierplatz (siehe Folge 1 der YOUKICK-Serie „Lost Places“). Gespielt wurde allerdings nicht beim DFB, sondern im ATSB, der Arbeitersportorganisation.
Beim THW zu Gast
1928 zog der THW Kiel von seinem Übungsgelände an der Diesterwegstraße (siehe Folge 2 der YOUKICK-Serie „Lost Places“) zu seinem selbst neu errichteten Wulfsbrook-Platz um (wird in einer späteren „Lost Places“-Folge besprochen). In den letzten Jahren der Weimarer Republik durfte auch der VfR Minerva auf dem THW-Platz spielen.
1933 verboten
1933 verboten die gerade an die Macht gekommenen Nazis den der SPD nahestehenden ATSB. Auch die Arbeitersportvereine mussten sich zwangsauflösen.
Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg
Der Minerva-Platz neben dem Wasserwerk an der Hamburger Chaussee ist eine ehemalige Kiesgrube, die die Rasensportler nach dem Zweiten Weltkrieg als Fußballplatz nutzen konnten. 1950 waren Platz und ein für damalige Verhältnisse großzügiges Vereinsgebäude fertig. Neben Umkleide- und Sanitärräumen verfügte es sogar über eine Vereinsgaststätte und eine Platzwartwohnung. Etwas später kam auch noch ein separates Gerätehaus hinzu. Verkehrstechnisch war man damals gut angebunden: Von der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 1 an der Eiderbrücke fuhren beziehungsweise kamen alle zehn Minuten Straßenbahnen Richtung Innenstadt (bis 1969).
Oberhalb der Kreisebene spielte der Verein allerdings nie. Nach der Jahrtausendwende ging es stetig bergab. Zwar stieg man 2015 noch einmal in die B-Klasse auf, doch dort wurde man 2016 Letzter. Das war’s – danach bekam man keine Mannschaft mehr zusammen.
Platz wird weiter genutzt
Der Platz bleibt erhalten. Er wird vom SV Hammer und vom Freizeitklub der Stiftung Drachensee genutzt, die dort Fußball spielen. Vor zehn Jahren errichtete die Stiftung in einer anderen Ecke des Geländes ein eigenes Umkleidegebäude. Auch der Name Minerva bleibt erhalten – er lebt im Freizeitklub der Drachensee-Stiftung weiter.

