TSV Klausdorf mit Six-Pack gegen Hattstedt in Richtung oberes Drittel

von Ismail Yesilyurt

Anthony Voß (TSV Klausdorf) sorgt für die Stabilität in der Mittelfeld-Defensive. © 2026 Ismail Yesilyurt


Der TSV Klausdorf ist mit einem deutlichen Ausrufezeichen im zweiten Spiel aus der Winterpause gekommen. Im Flutlichtspiel der Landesliga Schleswig schenkten die Randkieler den Aufsteiger TSV Hattstedt am Freitagabend ein halbes Dutzend Treffer ein. Der 6:0-Sieg des Tabellensiebten war hochverdient, wenn auch dem Spielverlauf nach etwas zu hoch. Trotz der Schlappe verweilt Hattstedt nach dem 21. Spieltag weiter auf dem Relegationsrang zur nächsttieferen Verbandsliga.

Hattstedt lässt Riesenchancen liegen

Die Gäste aus Nordfriesland erwischten den besseren Start und hätten der Partie früh eine andere Richtung geben können. „Wir sind gut in die Partie gekommen, hatten die ersten beiden hochkarätigen Chancen“, berichtete Hattstedts Trainer Sebastian Kiesbye. Zunächst ging ein Eins-gegen-eins von Rinor Ademi nur knapp am Tor vorbei, kurz darauf klatschte ein Schuss von der Strafraumgrenze von Ruven Jorden an das Lattenkreuz. „Wenn wir da in Führung gehen, dann schöpft man natürlich Kraft und Selbstbewusstsein“, so Kiesbye. Stattdessen fiel das Tor auf der Gegenseite: Klausdorfs Offensivmann Tim Hartlep nutzte die erste echte Möglichkeit und traf mit seinem fünften Saisontor zum 1:0 (16.).

Pech für Ruven Jorden (TSV Hattstedt) - sein Schuss landete am Torgebälk. © 2026 Ismail Yesilyurt
Pech für Ruven Jorden (TSV Hattstedt) – sein Schuss landete am Torgebälk. © 2026 Ismail Yesilyurt

Rote Karte und Eigentor drehen das Spiel komplett

Nur wenige Minuten später kippte die Partie endgültig. Nach einem Steilpass der Hausherren entschied Schiedsrichter Laurin Niemann auf Notbremse und zeigte Hattstedts Torwart Boy Boysen nach einem Foul an Finn Schwee, der ausgewechselt werden musste, die Rote Karte (21.). Der eingewechselte Ersatzkeeper hatte gleich einen unglücklichen Einstand: Eine Ecke der Klausdorfer lenkte er kurz nach seiner Hereinnahme ins eigene Tor – das 2:0 (27.). „Der haut sich dann eine Ecke auch noch selbst rein, dann stand es 2:0. Da hatten wir natürlich erst mal dran zu knacken“, so der Hattstedt-Coach.

Trotz Unterzahl steckten die Gäste nicht auf und kamen noch vor der Pause zu weiteren Chancen. „Wir haben uns trotzdem sehr souverän in die Pause gebracht, dann mit weiteren Torchancen sogar, was eigentlich ein bisschen Hoffnung bringen sollte“, sagte Kiesbye. Doch diese Hoffnung sollte nach dem Seitenwechsel schnell zerstört werden.

Klausdorf zeigt die erhoffte Reaktion

Auf der anderen Seite zeigte Klausdorf genau die Antwort, die sich Trainer Dennis Trociewicz nach dem durchwachsenen Auftritt der Vorwoche beim 2:2 in Friedrichsberg erhofft hatte. „Nach der nicht so guten Leistung letzte Woche war das heute die erhoffte Reaktion, die die Mannschaft gezeigt hat“, betonte der Coach. Seine Elf war von Beginn an präsent, kombinationssicher und zielstrebig. „Wir waren heute deutlich besser im Spielaufbau mit Ball, waren deutlich griffiger in den Aktionen, deutlich mehr Tempo im Spiel und haben viele Sachen einfach viel besser und ruhiger gelöst.“

Auch wenn Trociewicz einräumte, dass seine Mannschaft in den ersten Minuten Glück hatte – „Hattstedt ist zweimal gefährlich vor unser Tor gekommen“ –, übernahm Klausdorf nach der Führung klar die Kontrolle. Spätestens nach der berechtigten Roten Karte war die Partie in der Balance entschieden. „Im Hinspiel haben wir eine Überzahl aus der Hand gegeben und einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielt. Da haben wir aus unseren Fehlern gelernt“, erklärte Trociewicz. Diesmal blieb Klausdorf konsequent, setzte den Gegner früh unter Druck und nutzte die Räume, die sich gegen zehn Hattstedter ergaben.

Torfestival nach der Pause

Direkt nach Wiederanpfiff legte Hartlep mit seinem zweiten Treffer des Abends zum 3:0 nach (48.). Spätestens jetzt war der Widerstand der Gäste gebrochen, auch wenn sie sich weiter tapfer wehrten. „Mit einem Mann weniger einem 3:0 hinterherzurennen – da braucht man keinen Experten, um zu erklären, dass das extrem schwierig ist“, sagte Kiesbye. Er verwies zudem auf die erschwerte Vorbereitung: „Wir konnten keine richtige Vorbereitung absolvieren, kein Testspiel auf Kunstrasen. Da fehlte dann auch ein bisschen die Kraft am Ende – erst recht, wenn man für einen Mann mehr laufen muss.“

Innenverteidiger Leon Petersen (TSV Klausdorf) hatte die gefährliche Ecke getreten, die zum 2-0 führte. © 2026 Ismail Yesilyurt
Innenverteidiger Leon Petersen (TSV Klausdorf) hatte die gefährliche Ecke getreten, die zum 2-0 führte. © 2026 Ismail Yesilyurt

Klausdorf spielte die Überzahl nun gnadenlos aus. Joker Paul Battermann schraubte das Ergebnis mit einem Doppelpack auf 4:0 (66.) und 6:0 (82.), dazwischen trug sich Constantin Spliedt mit dem 5:0 (79.) in die Torschützenliste ein. Trociewicz lobte vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft die Angriffe ausspielte: „Wir haben weiter früh Druck ausgeübt, uns auch nach dem verletzungsbedingten Wechsel, der zur roten Karte geführt hat, relativ gut mit Ball befreien können und gut rausgespielte Tore erzielt. Insgesamt sind wir relativ zufrieden mit dem, was wir gestern gezeigt haben.“

Hattstedt hofft auf Reaktion im Derby

Für Hattstedt stand am Ende ein ernüchterndes 0:6 – ein unglücklicher, wenn auch in der Entstehung erklärbarer Rückrundenstart. „Unglücklicher Rückrundenstart definitiv“, resümierte Kiesbye. „Werden wir aber nicht überbewerten aufgrund der ganzen Ereignisse und Tatsachen, die ich beschrieben habe.“ Der Blick geht für den Aufsteiger bereits nach vorn zum nächsten Spiel am kommenden Wochenende im Nordfriesland-Derby bei Frisia Risum-Lindholm: „Jetzt heißt es ganz klar, die Woche zu nutzen, um die Abläufe wieder reinzukriegen, die Kräfte zu sammeln und dann im Derby am Wochenende eine Reaktion zu zeigen.“

Klausdorf hingegen festigt mit dem Kantersieg seine Position im gesicherten Mittelfeld der Landesliga und darf den Blick in der Tabelle wieder etwas nach oben richten. Unter Flutlicht setzten die Randkieler ein deutliches Zeichen – spielerisch, mental und in der Chancenverwertung.

Stimmen zum Spiel

Sebastian Kiesbye (Trainer TSV Hattstedt)
Dennis Trociewicz (Trainer TSV Klausdorf)

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