Rasmus Wunderlich (vorne, TSV Rantrum), hier im Hinspiel gegen Noah Steiger (TUS Jevenstedt), hatte keine Möglichkeit, seine Torgefährlichkeit zu beweisen. © 2025 Olaf Wegerich
In einem zähen Kampfspiel und Krimi in der Landesliga Schleswig hat sich der TuS Jevenstedt mit 1:0 beim TSV Rantrum durchgesetzt. Auf einem schwer bespielbaren Platz und unter dem Einfluss böiger Winde war es am Ende der pure Wille der Gäste, der den Ausschlag gab. Während Rantrum spielerische Ansätze vermissen ließ, festigt Jevenstedt seinen Aufwärtstrend unter Trainer Guido Wieck.
Jevenstedt mit Blitzchance
Die Partie begann ohne langes Abtasten – und fast mit einem Paukenschlag für die Gäste. Bereits nach sechzig Sekunden brannte es im Fünfmeterraum der Rantrumer lichterloh. Jevenstedts Fußballobmann Delfs trauerte der Szene nach Abpfiff noch nach. „Ich weiß gar nicht, wie war das Ding? War auf der Linie, kurz vor der Linie, wo wir das leere Tor vor uns haben, Spieler von uns, der den Ball aber nicht getroffen hat. Also das hätte schon das 1:0 sein können, sein müssen vielleicht sogar“, sagte Delfs auf der fast einstündigen Heimfahrt im Auto zusammen mit Guido Wieck.
Vom Winde verweht ohne Hauptdarsteller
Rantrums Trainer Erik von Lanken sah seine Elf nach dem frühen Schock jedoch zunächst gut im Spiel. Trotz der schwierigen Bedingungen durch den starken Wind erarbeiteten sich die Hausherren Spielanteile über die Außenbahnen durch Damian Krause und Oke Flatterich.
„Wir wussten, dass das ein zähes Spiel wird und haben uns darauf eingestellt, dass der Platz nicht viel hergibt und der starke Wind auch das Spiel beeinflussen wird“, analysierte von Lanken. „Danach bekommen wir das Spiel eigentlich in den Griff und haben auch die Ruhe und die Kontrolle übers Spiel.“

Da jedoch die letzte Konsequenz im Abschluss fehlte und die nicht hundertprozentigen Chancen null Tore wert waren, ging es leistungsgerecht mit einem torlosen Remis in die Kabinen.
Stockfehler und der entscheidende Konter
Nach dem Seitenwechsel verlor die Begegnung zusehends an Niveau. Rantrum agierte ideenlos und flüchtete sich oft in lange Bälle, die in der Jevenstedter Defensive sicher hängen blieben. Erik von Lanken kritisierte den Auftritt seiner Mannschaft im zweiten Durchgang deutlich: „Die zweite Halbzeit war also zu keinem Zeitpunkt wirklich so kontrolliert, wie wir uns das vorstellen. Das heißt, wir haben nicht diese Ruhe am Ball gehabt. Viele einfache Ballverluste, viele Stockfehler – sind also nicht wirklich ins Spiel gekommen.“
Geduld der Truppe von Guido Wieck belohnt
Jevenstedt hingegen lauerte geduldig auf den einen entscheidenden Moment. In der 81. Minute war es dann soweit: Nach einem Ballgewinn schalteten die Gäste blitzschnell um. Lars Till, erst in der 60. Minute eingewechselt, behielt vor dem Tor die Nerven. Delfs beschrieb die Szene: „Wir standen gut. Vorne haben wir zwei, drei Chancen gehabt und konnten dann halt in der 81. das 1:0 durch Lars Till erzielen, den er überlegt am Torwart vorbei eingeschoben hat.“
Ein Sieg des Willens
In der Schlussphase warf Rantrum alles nach vorne, doch die Defensive des TuS, die in den ersten drei Rückrundenspielen noch 13 Gegentreffer geschluckt hatte, hielt unter dem kürzlich verpflichteten Cheftrainer Guido Wieck diesmal stand. Für Obmann Delfs ist dieser Erfolg kein Zufall, sondern das Ergebnis einer neuen Einstellung: „Die Mannschaft zeigt ein ganz anderes Gesicht. Das ist einfach so, die Einstellung stimmt zu hundert Prozent und die Mannschaft folgt dem Trainer seinen Vorgaben. Und das läuft sehr gut.“
Erik von Lanken mit fairer Spielanalyse
Auch der unterlegene Trainer von Lanken musste anerkennen, dass die Punkte nicht unverdient die abstiegsbedrohten Tabellenvierzehnten zuteil wurden, auch wenn das Spiel eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte: „In der Summe hat dann der gewonnen, der den Sieg mehr wollte und das war Jevenstedt. Das muss man dann so attestieren. Die haben alles hineingeworfen, was sie hatten – hatten kein wirkliches Spiel zugelassen.“
Während Rantrum den verpassten Gelegenheiten der ersten Halbzeit hinterhertrauert, feiert Jevenstedt drei „entführte“ Punkte, mit denen man im Tabellenkeller wertvollen Boden gutmacht und den Anschluss an das rettende Ufer weiterhin aufrecht erhält.
TSV Rantrum: Timon Hansen – Clausen, Marvin Matthiesen (90. Harring), Broder Hansen, Reichenberg – Kliese, Bruhn (90. Pein) – Flatterich (73. Flemming), Lorenzen, Krause (73. Theede) – Henke (57. Petersen).
Trainer: Erik von Lanken.
TUS Jevenstedt: Jeromin –TomSolterbeck (86. Mattes Brusberg), Lühder, Gunther, Ranck– Joris Sievers (60. Till), Ruger, Sofia (30. Richter),Hogrefe (69. Mats Sievers), Christian Sievers (90. 90.+2) – Tjark Rohwer.
Trainer: Guido Wieck.
SR: Mats Stankat (TSV Bordesholm).
Ass.: Johannes Kowalewski, Mattes Michaelis.
Z.: 110.
Tor: 0:1 Lars Till (81.).
TABELLE
| Pos | Verein | Sp. | Pkt. | Tore |
|---|---|---|---|---|
| 1 | TSB Flensburg (Ab) | 23 | 65 | 86:17 |
| 2 | Eckernförder SV (Ab) | 23 | 51 | 52:22 |
| 3 | SV Frisia 03 Risum-Lindholm | 23 | 43 | 64:35 |
| 4 | SpVg Eidertal Molfsee (Ab) | 24 | 42 | 76:50 |
| 5 | SSG Rot-Schwarz Kiel | 22 | 41 | 47:42 |
| 6 | TSV Klausdorf | 23 | 38 | 57:46 |
| 7 | TSV Rantrum | 23 | 37 | 72:48 |
| 8 | SC Weiche Flensburg 08 II | 23 | 35 | 55:44 |
| 9 | SV Dörpum | 23 | 28 | 55:51 |
| 10 | TSV Kronshagen | 24 | 25 | 27:33 |
| 11 | TSV Friedrichsberg-Busdorf | 23 | 25 | 42:62 |
| 12 | TSV Kropp | 23 | 23 | 34:54 |
| 13 | TSV Hattstedt (Auf) * | 24 | 22 | 38:61 |
| 14 | TuS Jevenstedt | 23 | 21 | 28:55 |
| 15 | SVE Comet Kiel (Auf) | 24 | 14 | 33:80 |
| 16 | Heider SV II (Auf) * | 24 | 9 | 37:103 |
* Punktabzug berücksichtigt.
