Andu Kelati (Holstein Kiel) sorgte für einige Farbtupfer in der Offensive, zu mehr reichte es gegen kampfstarke Karlsruher nicht. © 2026 Ismail Yesilyurt
Die Spieler des Karlsruher SC retten ihrem Trainer Christian Eichner den Kopf. Schließlich war in den Tagen vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel von der KSC-Führungsriege von einem Endspiel für den Chefcoach die Rede. Nach dem verdienten 3:1-Sieg gegen die Kieler hat Eichner womöglich den Stab an Marcel Rapp weitergereicht. Denn Holstein steht nach der fünften Niederlage in Folge in Liga zwei das Wasser bis zum Hals. Der Super-GAU an diesem Wochenende könnte das Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz sein.
Für den KSC, der aus den letzten elf Spielen nur einen Sieg zu Buche stehen hatte, bedeutete dieser erkämpfte Erfolg einen großen Schritt nach vorne. Nicht nur in der Tabelle mit nun 30 Punkten im gesicherten Mittelfeld, sondern auch für die zuletzt arg gebeutelte Seele der KSC-Kicker sowie ihres sportlichen Betreuers.
Karlsruhe im Abstiegskampfmodus
Die Gastgeber setzten die Tugenden ein, die das Wort Abstiegskampf beschreibt. Alle Aktionen der Karlsruher wurden im höchsten Tempo ausgeführt, die Zweikämpfe sehr griffig, aggressiv und mit voller Leidenschaft geführt. Holstein Kiel hatte in diesen Punkten klar das Nachsehen. Die spielerische Überlegenheit mit deutlich mehr Ballanteilen nach etwa einer Viertelstunde bis zum Schlusspfiff konnten die Störche nicht gewinnbringend in Treffer ummünzen.
Gegen einen defensiv sehr kompakt stehenden Gegner mit einer Fünfer-Abwehrkette und Dreiermittelfeld fehlten der Rapp-Elf die inspirierenden Ideen, um das Karlsruher Bollwerk zu knacken. Die Kombinationen mit vielen kurzen Pässen brachten die Gäste keinen Schritt vorwärts. Zudem luden die Schleswig-Holsteiner, die in der siebten Minute die erste torgefährliche Szene durch einen Kopfballaufsetzer von Phil Harres präsentierten, die Heimelf in einer zunächst ausgeglichenen Begegnung ein.
Ben Farhat leitet die Entscheidung ein
Die schnelle KSC-Führung resultierte aus einem Konter nach einem Befreiungsschlag von Innenverteidiger Stephan Ambrosius. Holsteins Restverteidigung offenbarte dabei eklatante Abstimmungsprobleme. Zunächst patzte Jonas Meffert, der sich gegen Louey Ben Farhat an der Mittellinie cleverer verhalten muss. Dann beging Ivan Nekic einen individualtaktischen Fehler. Der Rechtsverteidiger zog zum Zweikampf zwischen Meffert und Ben Farhat in die Mitte, anstatt den Laufweg von Marvin Wanitzek durch ein Absetzen nach hinten besser zu kreuzen. So nutzte Wanitzek den Steckpass des stark aufspielenden Deutsch-Tunesiers, um von der Strafraumgrenze flach an KSV-Keeper Jonas Krumey vorbei unhaltbar ins lange Eck zur wichtigen Führung zu vollenden.

Beim 0:2 verlor David Zec nach einem langen Ball auf die linke Holsteiner Seite ein Laufduell gegen Ben Farhat. Beide Akteure kamen zu Fall. Der Karlsruher erfasste die Situation handlungsschneller, während Zec kurz auf einen Foulpfiff appellierte. Ben Farhat lief quer in den Strafraum ein und tunnelte Krumey zum 2:0.
Kiels All-in bringt nichts – Karlsruhe gelingt die Vorentscheidung
Das 3:0 war eine Folge des All-ins von Marcel Rapp, der in der 70. Minute mit zwei Einwechslungen das Personal im Angriff auf drei erhöhte. In der 81. Minute kam zudem Niehoff für Nekic in die Offensive. Nach einem Angriff über links durch Leon Opitz, der für gute Impulse sorgte, knallte Fabian Schleusener das Zuspiel an die Querlatte. Den Abpraller verwertete Marvin Wanitzek direkt aus 14 Metern flach zum 3:0.
Nachdem Wanitzek seinen dritten Treffer mit einem weit über das Tor geschossenen Foulelfmeter vergab, gelang Holstein das 1:3 nach einem Missverständnis zwischen Keeper Hans Bernat und Christoph Kobold. Ein Tropfen auf den heißen Stein durch den ersten Saisontreffer von Marcus Müller.
Diskutable Entscheidungen
Etwas benachteiligt wurden die Kieler durch einige Entscheidungen von Schiedsrichter Felix Prigan. In der 5. Minute zeigte Hyeok-Kyu Kwong, was die Badener vorhatten: mit vollem Tempo und Einsatz jeden Zweikampf zu bestreiten. Der Mittelfeldspieler rauschte in einen Holstein-Akteur und säbelte diesen um. Eigentlich eine hellrote Karte, doch es gab nicht einmal eine Verwarnung für den Karlsruher.
In der 35. Minute gab es im Strafraum einen foulwürdigen Kontakt von Sebastian Jung an Jonas Therkelsen – ein Kontakt, der normalerweise ausreichend für einen Elfmeter ist. Die Pfeife des Referees blieb jedoch stumm, und auch einen Anruf aus dem Keller gab es nicht.

Kurz vor der Pause in der Nachspielzeit sah Andu Kelati Gelb wegen einer angeblichen Schwalbe. Zwar suchte er den Kontakt mit Jung, doch eine andere Bewertung wäre ebenfalls möglich gewesen.
Fazit
Unterm Strich geht der Sieg des Karlsruher SC in Ordnung. Die Badener waren präsenter, zielstrebiger und effizienter. Qualität und Anzahl der klaren Chancen sprachen deutlich für die Eichner-Elf. Holstein Kiel besaß zwar mehr Ballbesitz, blieb aber über weite Strecken ideenlos und zu harmlos. Zwei echte Möglichkeiten sind in dieser Lage schlicht zu wenig.
Sollte sich die Intensität nicht spürbar steigern, droht Holstein der zweite Abstieg in Folge – und der bittere Gang in die 3. Liga.
Karlsruher SC: Bernat – Jung, Ambrosius, Franke, Kobald, Herold – Burnic (76. Pedrosa), Kwon (53. Wäschenbach), Wanitzek – Ben Farhat (76. Opitz), Simic (62. Schleusner).
Trainer: Christian Eichner.
Holstein Kiel: Krumrey – Nekic (81. Niehoff), Zec, Komenda – Davidsen, Meffert (60. Tohumcu) – Rosenboom. (46. Kapralik), Kelati (69. Müller) , Therkelsen, Tolkin (69. Jakupovic) – Harres.
Trainer: Marcel Rapp.
SR: Felix Prigan (Deizisau).
Ass.: Tobias Schultes, Michael Näther.
Z.: 24.043.
Bes. Vorkom.: Marvin Wanitzek schießt Foulelfmeter über das Tor (90.).
Tore: 1:0 Marvin Wanitzek (8.), 2:0 Louey Ben Farhat (61.), 3:0 Marvin Wanitzek (83.), 3:1 Marcus Müller (90.+6).
