Serkan Yildimer (Inter Türkspor Kiel) kurz vor dem 1:0. Lars Jung (Kaltenkircher TS) kommt nicht ran. © 2026 Ismail Yesilyurt
Bitteres Ende für Inter Türkspor Kiel: Im Aufsteigerduell der beiden Landesliga-Meister aus Holstein und Schleswig führte der Oberliga-Neuling bis zur 83. Minute mit 2:1, verlor am Ende aber noch mit 2:4 gegen die Kaltenkirchener TS. Während Inter einen wichtigen Schritt im Abstiegskampf verpasst, steht der Tabellenneunte aus dem Kreis Segeberg kurz vor einer weiteren Saison im schleswig-holsteinischen Oberhaus.
Zähes Spiel, starke Effizienz von Inter
Die ersten 45 Minuten gehörten optisch den Gästen. Kaltenkirchen hatte viel Ballbesitz, kam aber kaum in die gefährlichen Zonen. Der Ball lief vor allem zwischen den Strafräumen, klare Abschlüsse blieben Mangelware. Inter agierte erstmals unter dem neuen Trainer Karim Youssef in einer Dreierkette (3‑1‑4‑2 statt 4‑1‑4‑1) und setzte auf kompakte Defensive und schnelles Umschalten.
Nach rund 20 Minuten wurde es lebhafter. Zunächst konterte die KTS blitzschnell, doch im Eins-gegen-eins blieb Inter-Keeper Mats Lüdtke Sieger gegen Max Spreitzer. Zwei Minuten später jubelten die Gastgeber: Auf der rechten Seite wurde Serkan Yildirimer freigespielt, der den herausstürzenden Torwart Luca Adler mit einem feinen Lupfer zum 1:0 überwand (25.).
Die Freude hielt nur kurz. Nach einem unnötigen Foul von Pascal Polonski im Strafraum entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter. Malte Pietsch verwandelte sicher zum 1:1 (31.). Die Partie blieb chancenarm. Eugen Halilis Schuss kann Adler im Nachfassen kurz vor der Torlinie entschärfen (38.). ehe Justin Petersen kurz vor der Pause Maß nahm: Aus gut 22 Metern zog er ab und traf mit einem Traumtor in den rechten Winkel zur 2:1‑Pausenführung für Inter (45.). Mehr klare Gelegenheiten gab es nicht von beiden Seiten.

Kaltenkirchen drückt – Inter verteidigt zu passiv
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Kaltenkirchen spürbar den Druck. Drei Viertel der Spielanteile lagen nun bei der Mannschaft von Martin Genz, die sich auch gefährliche Chancen erspielte. Ein Freistoß von Pietsch (59.) landete über Umwege am Außenpfosten, später (73.) köpfte Jan Zimmermann an die Unterkante der Latte, und erneut musste Lüdtke im Eins-gegen-eins (76.) gegen Malte Pietsch retten.
Inter verteidigte wie so oft mit viel Herz und großer Bereitschaft, stand aber nach der Pause zu tief. „Es gab Phasen, wo es ausgeglichen war, aber Phasen, wo es auch mal Kaltenkirchen besser war – kleinere Phasen, wo wir mal besser waren“, sagte Trainer Karim Youssef. „Also von daher ist ein bisschen bitter jetzt momentan. So eigentlich nach dem 2:1 standen wir auch mal relativ sicher, Aber ich meine, okay, die Qualität von Kaltenkirchen, die war ja auch mal sehr, sehr gut und wir müssen noch eine Schippe drauflegen, damit wir auch mal das Spiel mit nach Hause bringen.“
Seiner Mannschaft machte Youssef keinen Vorwurf: „Die, die auf dem Platz waren, kann man denen auch mal wenig Vorwurf machen. Die haben alles gegeben für die Qualität, die da ist.“
Drei Kaltenkirchener Tore in zehn Minuten
Die sehr druckvolle Schlussoffensive der Gäste war brutal effektiv. In der 83. Minute glich Max Spreitzer zum 2:2 aus. Nur eine Minute später traf erneut Pietsch zum 2:3 (84.). Inter versuchte danach, nochmal nach vorne zu spielen, öffnete aber Räume. In der Nachspielzeit setzte Pietsch den Schlusspunkt: Er sah, dass Lüdtke weit vor seinem Tor außerhalb des Strafraums stand und schlenzte den Ball aus gut 35 Metern flach zum 2:4 (90.+4).
Genz war nach dem Abpfiff zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: „Ich denke, dass wir insgesamt völlig verdient gewonnen haben. Also wenn man beide Halbzeiten betrachtet, klar lagen wir nachher unglücklich hinten, aber die haben, glaube ich, zwei klare Angriffe gehabt oder zwei Torschüsse irgendwie in den ersten sechzig Minuten. Und dann, äh, trotzdem finde ich, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben, gut zurückgekommen sind, gute Spielansätze gehabt haben, gut aus der Struktur gespielt haben.“
„Aufopferungsvoll gekämpft“ – aber Qualität setzt sich durch
Trotz des klaren Endstands würdigte Genz den Gegner: „Hört sich jetzt deutlich an mit 4:2, aber die haben ja aufopferungsvoll gekämpft Inter Türkspor. Das war schon ein intensives Spiel, glaube ich, für beide Mannschaften.“

Seine Mannschaft habe immer an sich geglaubt: „Haben wir auch. Also wir haben es auch in der Halbzeit gesagt. Also es gab keinen Grund, dass wir hinten liegen, außer dass wir zweimal gepennt haben. So einen Schuss aus fünfundzwanzig Metern in den Winkel trifft er überragend. Den trifft er, glaube ich, nicht jeden Sonntag so. Äh, und dann das Erste war ja ein Fehlpass von uns. Also aus dem Spiel heraus haben die ja nun keine Torchance kreiert.“
Die große Überlegenheit mit viel Ballbesitz sieht der KTS-Trainer dennoch kritisch: „Ja, im letzten Drittel ist es eh immer unsere Schwäche. Also gerade wenn der Gegner so tief steht, dann sind wir nicht immer so, dass wir noch mal Ideen finden oder nicht die richtigen Lösungen. Aber ich glaube, wie viele Bälle sind durch den Sechzehner durchgesegelt, so flach und, äh, da wollten wir die Bälle hinhaben, aber standen nicht da.“
Mit Blick auf die Tabelle bleibt Genz realistisch, ob man nach oben oder unten guckt nach dem Sieg mit nun 27 Punkten. „Nee, immer nach unten. Also solange wir noch nicht rechnerisch sicher sind, gucken wir nach unten“, lächelte Genz und ergänzte etwas später, „wir sind Aufsteiger, das darf man nicht vergessen. Deswegen glaube ich, wenn wir die Klasse jetzt frühzeitig halten können, freuen wir uns einfach.“
Stimmen zum Spiel
Inter Türkspor Kiel: Lüdtke – Polonski, Haye, Imasün (88. Baumgarn) – Börner – Sharba (82. Cerrah), Serkan Yildirimer, Halili, Volkers – Sönmez (68. Lovizio), Petersen.
Trainer: Karim Youssef.
Kaltenkirchener TS: Adler – Eising, Jensen, Jung, Güvenir – Zimmermann – Steffen (56. Finn Rerop), Jueidi (64. Jürgensen), Soder (75. Pluche), Malte Pietsch – Spreitzer (90. Böttcher).
Trainer: Martin Genz.
SR: Steffen Brandt (SV Wasbek).
Ass.: Yannik Gries, Jorrit Markgraff, Tom Domberger
Z.: 100.
Tore: 1:0 Serkan Yildirimer (25.), 1:1 Malte Pietsch (31., FE), 2:1 Justin Petersen (45.), 2:2 Max Spreitzer (83.), 2:3 Malte Pietsch (84.), 2:4 Malte Pietsch (90.+4).
