Marc Schwabe lässt das Formbarometer platzen – Hattrick gegen Heider SV

von Ismail Yesilyurt

Echte Freude bei Vorbereiter Joshua Nwokoma (li.) und Marc Schwabe (Kilia Kiel) beim 3:0. © 2026 Volker Schlichting


Der Kilia-Express rollt unaufhörlich weiter in der Oberliga Schleswig-Holstein. Im Spitzenspiel am 24. Spieltag zwischen dem amtierenden Meister Kilia Kiel und Vizemeister Heider SV ist die Angelegenheit eine eindeutige. Gleich mit 5:0 gewinnt das Team von Nicola Soranno. Und bestätigt den Blick auf das Formbarometer: Kilia saunaheiß ganz oben und der Heider SV arktiskalt auf der unteren Skala. 23:1 Tore mit fünf Siegen in Folge – das ist very hot! Mit einer der Kilia-Protagnonisten: Marc Schwabe, der sein Konto auf neun Treffer erhöhte.

Die Dithmarscher Jungs dagegen können Ihre Negativserie auch in Kiel nicht beenden: Der letzte Sieg des HSV datiert vom 8. November letzten Jahres mit dem 4:2 gegen den MTSV Hohenwestedt. Dazwischen liegen bis dato vier Unentschieden und vier Niederlagen inklusive der Pleite in Kiel vor. Was die Heider langsam fernab der Topplätze der höchsten Landesklasse abdriften lässt.

Frühe Dominanz und eiskalte Effizienz

Schon im ersten Durchgang entwickelte sich die Partie zu einer einseitigen Angelegenheit. Kilia agierte hochkonzentriert, aggressiv im Pressing und nahezu gnadenlos vor dem Tor. Die Gäste aus Dithmarschen hingegen fanden kaum Zugriff.

Gleich fällt das 1-0 - Marc Schwabe legt zurück auf Joshua Nwokoma. © 2026 Volker Schlichting
Gleich fällt das 1-0 – Marc Schwabe legt zurück auf Joshua Nwokoma. © 2026 Volker Schlichting

Das spielstarke Kilia findet mit beachtenswerter Struktur immer wieder Mittel und Wege, sich die Chancen zu kreieren. Wie beim 1:0. Jannis Voß öffnet mit einem Ball auf die linke Seite die erste Lücke. Von dort bringt Paul Meseberg den Ball zielsicher zum im Strafraum sträflich freigelassen Marc Schwabe, der den Ball zurücklegt auf Joshua Nwokoma. Der Leihspieler von Weiche Flensburg tippt den Ball zurück auf Felix Niebergall, der überlegt fast vom Punkt aus ins rechte Eck einschießt.

In der Folge nahm das Unheil für den Heider SV seinen Lauf – und trug vor allem einen Namen: Marc Schwabe. Zunächst verwandelte der Angreifer in der 29. Minute einen umstrittenen Foulelfmeter zum 2:0, ehe er nur drei Minuten später mit einer schönen Einzelaktion und verdecktem Schuss aus dem Strafraum nachlegte. Den Schlusspunkt einer furiosen ersten Hälfte setzte Schwabe in der Nachspielzeit mit seinem dritten Treffer zum 4:0 nach einem perfekten Zusammenspiel mit Nwokoma.

Diskussionen um den Elfmeter – klare Verhältnisse dennoch

Vor allem die Szene zum 2:0 sorgte für Gesprächsstoff. Nach einem Zweikampf im Strafraum entschied Schiedsrichter Dajinder Pabla auf Elfmeter – sehr zum Unmut der Gäste.

Die Szene zum 2-0 per Elfmeter - Steffen Neelsen (Heider SV) im Tackling gegen Luca Senger (Kilia Kiel). © 2026 Volker Schlichting
Die Szene zum 2:0 per Elfmeter – Steffen Neelsen (Heider SV) im Tackling gegen Luca Senger (Kilia Kiel). © 2026 Volker Schlichting

Kilia-Trainer Nicola Soranno blieb in der Bewertung differenziert: „Am Ende ist es immer so die Frage: Wie ehrlich bist du? Wenn Neelsen das sagt, dass er nicht getroffen hat, dann wird’s wahrscheinlich so stimmen.“

Am klaren Spielverlauf änderte diese Szene jedoch wenig. „Aber am Ende glaube ich, auch ohne den Elfmeter hätte es heute nicht anders ausgesehen“, stellte Soranno nüchtern fest.

Kilia presst – Heide findet keine Antworten

Der Schlüssel zum Erfolg lag im aggressiven Pressing der Gastgeber. Immer wieder setzten die Kieler die Defensive des Heider SV früh unter Druck und zwangen sie zu Fehlern. Die Marschroute der Gäste ist definitiv ein Mittelfeldpressing. Die vorderste Reihe läuft erst aus dem gegnerischen Mittelkreis an. Die damit gewünschte Kompaktheit in der eigenen Hälfte erreicht die Mannschaft von Markus Wichmann nicht in der Weise, um die Kieler vom eigenen Tor fernzuhalten.

Yannik Jakubowski (Kilia Kiel) und Co hatten Jonah Gieseler (re., Heider SV) und Freunde im Griff. © 2026 Volker Schlichting
Yannik Jakubowski (Kilia Kiel) und Co hatten Jonah Gieseler (re., Heider SV) und Freunde im Griff. © 2026 Volker Schlichting

„Ich glaube, was wir heute gut hingekriegt haben: Schwabe hat einen klaren Auftrag gehabt, Staub aus dem Spiel zu nehmen“, erklärte Soranno die taktische Marschroute. „Und dann war es klar, dass wir die restlichen Spieler immer wieder unter Druck setzen wollen.“

Die Umsetzung überzeugte auf ganzer Linie. „Aufgegangen, das, was wir den Jungs mitgegeben haben.Chapeau und Hut ab vor der Leistung“, verbeugte sich Soranno, dessen Team nach Platz sieben in der Hinrunden-Tabelle, im Rückrunden-Klassement ganz oben steht

Heider SV ohne Zugriff und ohne Durchschlagskraft

Die Gäste fanden hingegen kaum Mittel, um sich gegen die spielstarken Kieler zu behaupten. Zwar zeigte sich der Heider SV nach der Pause verbessert, doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind längst in den Brunnen gefallen.

Christopher Buchtmann (Heider SV) gab viele Impulse, aber die verpufften bei den Mitspieler. © 2026 Volker Schlichting
Christopher Buchtmann (Heider SV) gab viele Impulse, aber die verpufften bei den Mitspieler. © 2026 Volker Schlichting

Erst in der 62. Minute verbuchte Heide seine erste nennenswerte Torchance durch Hendrik Fleige, der in der ersten Hälfte (23., 25.) zwei Abschlüsse hatte, die keien Gefahr für Keeper Tom Pachulski bedeuteten. Zu wenig, um noch einmal Spannung zu erzeugen.

Trainer Markus Wichmann wurde nach Abpfiff deutlich: „Wir haben die DNA vom Heider SV nicht auf den Platz bekommen – Zweikämpfe und Laufbereitschaft.“ Zwar verwies er auf personelle Probleme, wollte dies aber nicht als Ausrede gelten lassen: „Das ist keine Ausrede. Es ist ein schöner Kunstrasenplatz: Wir hätten Fußball spielen können – haben wir nicht geschafft, gerade in der ersten Halbzeit.“ Für Wichmann bleibt dennoch nur der Blick nach vorne: „Jetzt geht es einmal mehr aufzustehen als hinzufallen.“

Hendrik Fleige (Heider SV) kommt nicht zum Kopfball – Keeper Tom Pachulski boxt das Spielgerät aus der Gefahrenzone. © 2026 Volker Schlichting

Später Schlusspunkt rundet den Kilia-Abend ab

In der Folge sieht man einige, auch spielerisch gute, Ansätze beim Heider SV. Doch irgendwie fehlt den Aktionen die Power, die Leidenschaft, die die Dithmarscher letztes Jahr noch auszeichnete. Kilia Kiel kontrolliert die Begegnung, lässt nichts anbrennen und schaltet in den letzten Minuten wieder die Gänge hoch, nachdem man nach der Pause ordentlich das Ergebnis verwaltet hatte. Einen zu Rückpass von Yusuf Abdelrahman antizipiert Jannis Voß und ist schneller am Ball als Keeper Christopher Thomsen. Der zusammen mit Schwabe und Niebergall beste Kicker am Freitagabend schießt zum Endstand ein.

Stimmen zum Spiel

Markus Wichmann (Trainer Heider SV)
Nicola Soranno (Trainer FC Kilia Kiel

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