Serkan Yildirimer (Inter Türkspor Kiel) erzielt das 1:1 gegen den TSV Rantrum. © 2025 Ismail Yesilyurt
Inter Türkspor Kiel entwickelt sich langsam zum Last-Minute-Experten. In drei von zuletzt vier Spielen kommt der Tabellenführer der Landesliga Schleswig in der 90. Minuten und später zum Sieg. Gegen den TSV Rantrum läuft die 92. Minute, als Eugen Halili einen Freistoß auf Höhe des eigenen Mittelkreises in Richtung Elfmeterpunkt der Gäste absendet … .
Inter Türkspor von Pechmarie zu Goldmarie?
„21 Punkte haben wir in der Vorsaison ab der 85. Minute abgegeben. Deswegen sind wir abgestiegen“, betonte Türkspor-Manager Bülent Seker im Smalltalk über späte Treffer nach der Partie, der sich freute, dass Fortuna nach dem Abstieg aus der Oberliga Schleswig-Holstein endlich für etwas ausgleichende Gerechtigkeit sorgt.
Standards machen Unterschied aus
„Ja, das ist ja so, wie man ein Spiel definitiv nicht verlieren will“, sieht Rantrums Chefcoach Erik von Lanken die Standards als Unterschied für den Erfolg an. Allen drei Gegentreffen geht diese Art der Fortführung des Spiels voran. Beim 1:1 ein weiter Einwurf von Pascal Polonski an den Torraum, von wo der Ball verlängert wird und Serkan Yildirimer volley aus 7 Metern zum 1:1 einschießt.

„Passt auf den Horstinger auf“
„Passt auf den Horstinger auf“ schallt es aus dem Strafraum der Nordfriesen in der 69. Minute über den Kunstrasenplatz von Inter Türkspor Kiel bei einem Eckball von der linken Seite. Wenige Sekunden später muss man als Außenstehender schon ein bisschen lächeln: Am Torraum verlängert Linksverteidiger Lars Horstinger per Kopf den Ball ins lange Eck zum erneuten und schnellen und deshalb sehr wichtigen 2:2. Der 30-Jährige ist damit mit 6 Saisontoren der torgefährlichste Verteidiger in der Landesliga Schleswig.
Post von Halili unfrankiert von Horstinger an Rantrumer Adresse gesendet
Bei der Post von Eugen Halili in der Nachspielzeit ist Horstinger auch beteiligt: in den Strafraum reingelaufen, ein langes Bein zum am Elfmeterpunkt aufsetzenden Ball gemacht und damit Keeper Gonne Hars irritiert. Das Spielgerät segelt unberührt ins linke Eck zum 3:2. „Ganz einfach“ beschrieb Eugen Halili nach der Begegnung sein Tor.

Sehr hohes Niveau in vielen Bereichen zwischen Türkspor und Rantrum
Somit endet ein sehr gutes Spitzenspiel in der Landesliga Schleswig mit Glück und Geschick für die Interisti. „Ich finde erst mal, dass wir hier ein absolutes Topspiel gesehen haben. Was die Mentalität, die Zweikampfhärte und halt auch die Leidenschaft im Spiel angeht. Das muss man wirklich sagen, hier haben sich zwei Truppen gar nichts geschenkt und haben um jeden Meter gekämpft“, bemerkte Inter-Trainer David Lehwald zurecht, dass man bei einem 3:2-Sieg auch Einiges richtig gemacht hat.
Inters Angriffe prallen oft an der Rantrumer Mauer ab
In den ersten 45 Minuten sieht die Optik Inter Türkspor Kiel im Vorteil. Aber die gut sortierte Rantrumer Mannschaft, die zu den physisch stärksten Teams in der Liga zählt, kann mit einem Mittelfeldpressing die Inter-Angriffe abwehren. Zumal die auch oft mit hohen Bällen auf die letzte Kette des Tabellenvierten ausgestattet sind. Und die ist mit Kanten besetzt. Vor allem Arne Harring zeigt ein starkes Spiel. Der zentrale groß gewachsene Verteidiger der Dreier-Abwehrkette ist nicht nur im Luftkampf top.

Rasmus Wunderlich per Kopf zur 1:0-Pausenführung für TSV
„Wir haben sonst eigentlich Inter Türkspor gut vom eigenen Tor weggehalten. Und auch ein gutes Spiel nach vorne gemacht“, sagte von Lanken. Da der Tabellenerste in der Restverteidigung auch gut arbeitet, bleiben für beide Seiten nur wenige Chancen übrig. Wenn der TSV in den gegnerischen Strafraum kommt, das passierte zwei bis drei Mal in Halbzeit eins, wird es gefährlich. So wie beim 1:0. Nach einem Standard köpft Rantrums Sturmtank Rasmus Wunderlich zur Führung ein. Kurz darauf gibt es noch eine Schrecksekunde für die Inter-Fans. Ein Freistoß vom Inter-Mittelkreis durch Rantrums Samir Heißenberg wird länger und länger. Keeper Lukas Hopp kann mit den Fingerspitzen den Ball an sein linkes Torkreuz lenken (34.).
Auswahl von David Lehwald drückt aufs Gaspedal
Nach dem Wiederanpfiff ist die Halbzeitbesprechung von David Lehwald nachhaltig. Mit viel mehr Power und Tempo agiert die Heimelf nun und drückt den Gegner weiter zurück. Das wird schnell mit dem 1:1 belohnt. Die Platzherren halten den Speed hoch, werden aber durch das 1:2 kalt erwischt. Bei einer flachen Hereingabe von rechts handelt Rasmus Wunderlich schneller und tunnelt aus kurzer zentraler Entfernung Keeper Hopp. Der schnelle Ausgleich ist sicherlich sehr entscheidend für das Happy End.
Die Chance für Inters Mittelstürmer Phil Baumgarn, der nach einem schnellen Einwurf halbrechts am Strafraum vor dem herauslaufenden Hars auftaucht, bleibt die letzte vor dem bitteren Ende für Rantrum. Der Heberversuch vom Winterneuzugang erweist sich als ambivalente Deutung für die Zuschauer: Als Torversuch zu ungenau, genauso auch als Zuspiel, sodass die Rantrumer bereinigen können (75.).
Schlussphase gehört der Truppe von Erik von Lanken
In den letzten zehn Minuten wird das Team von David Lehwald in der Defensive nachlässiger. Es entwickelt sich immer mehr das Gefühl, dass die Rantrumer dem 3:2 näherkommen. In Wahrheit ist es auch so, denn die Gäste haben Szenen, wo es brandgefährlich werden kann. Vor allem der eingewechselte und flinke Stürmer Marvin Theede ist in den Aktionen eingeweiht. „Also da hätte sich Inter auch nicht beschweren dürfen, wenn wir doch noch das Dritte machen. Da sind wir nicht konsequent genug im Ausspielen der Chancen. Und haben hier und da ein bisschen Spielpech“, hatte Erik von Lanken seiner Elf vor dem Spiel gesagt „nur wenn wir fehlerloses und ein perfektes Spiel machen, nehmen wir hier die Punkte mit“.

Beste Spieler auf Seiten der Gastgeber in einem insgesamt sehr homogen und guten Team sind Melih Cerrah, der mit seinen sehenswerten Dribblings manchmal mit dem Kopf durch die Wand will, aber auch erfolgreich Lücken aufreißt. Lars Horstinger als Leader sowie Torschütze und „3:2-Assist“. Und Eugen Halili, der im Mittelfeldzentrum Wege nach hinten und vorne findet. Die Rantrumer haben wie schon erwähnt ihren „Turm in der Schlacht“ mit Harring. Zudem Jannik Holsteiner, mit gutem Raumgefühl viel Sicherheit ausstrahlt. Sowie den unscheinbar spielenden Brian Kliese, der als Sechser wahnsinnig viel für die Mannschaft arbeitet.
Stimme zum Spiel
Inter Türkspor Kiel: Hoop – Polonski, Svirca, Horstinger – Sercan Yildirimer (69. Sönmez), Ibrahimoglu (69. Imasün), Halili, Serkan Yildirimer, Cerrah (84. Wandel) – Petersen (69. Korkmaz) – Baumgarn (90./+2 Haye).
Trainer: David Lehwald.
TSV Rantrum: Hars – Holsteiner, Harring, Flemming – Heißenberg (59. Bruhn), Kliese – Flatterich, Christiansen (74. Pätz), Reichenberg – Wunderlich (75. Lorenzen), Pein (64. Theede).
Trainer: Erik von Lanken.
Schiedsrichter: Torben Dwinger (SV Todesfelde).
Assistenten: Maxim Liebert, Felix Butenschön.
Zuschauer: 120.
Tore: 0:1 Rasmus Wunderlich (32.), 1:1 Serkan Yildirimer (49.), 1:2 Rasmus Wunderlich (67.), 2:2 Lars Horstinger (69.), 3:2 Eugen Halili (90./+2).