Elf Minuten Wahnsinn: Bennet Schmidt schockt Gremersdorf mit Hattrick

von Ismail Yesilyurt

Drei-Tore-Mann Bennet Schmidt (Kieler MTV) entscheidet das Spiel in Gremersdorf alleine in 11 Minuten. © 2026 Ismail Yesilyurt


Es war ein Nachmittag, der den TSV Gremersdorf fassungslos zurücklässt. Im Verbandsliga-Aufsteigerduell gegen den Kieler MTV sah der Gastgeber lange wie der sichere Sieger aus, ehe ein dramatischer Einbruch in der Schlussphase das Spiel komplett auf den Kopf stellte. Am Ende stand eine bittere 2:3-Niederlage, die durch zwei Rote Karten zusätzlich schmerzt.

Dass Christian Ippig die Worte fehlen, gilt eigentlich als Ding der Unmöglichkeit. Der Coach des TSV Gremersdorf ist bekannt für seine klare und mitteilsame Art. Doch nach dem Schlusspfiff gegen den Kieler MTV herrschte Leere. „Ich bin einfach nur sprachlos und völlig niedergeschlagen“, gestand Ippig nach einer Partie, die er trotz des Ergebnisses als „eine unserer besten Saisonleistungen“ einordnete.

Dominanz ohne Krönung

Über 77 Minuten lang schien der Plan der Hausherren perfekt aufzugehen. Gremersdorf kontrollierte das Geschehen gegen einen zunächst fahrigen Gast aus der Landeshauptstadt. KMTV-Trainer Paul Musiol bemängelte die erste Hälfte seines Teams deutlich: „Das Spiel war von uns sehr zerfahren. Wir hatten viele technische Defizite, Stockfehler und keine Balance zwischen Angriff und Verteidigung.“

Szene aus dem Hinspiel - Maximilian Bormann (re.) und der TSV Gremersdorf standen in der Defensive viel besser als beim 0-6. © 2025 Ismail Yesilyurt
Szene aus dem Hinspiel – Maximilian Bormann (re.) und der TSV Gremersdorf standen in der Defensive viel besser als beim 0-6. © 2025 Ismail Yesilyurt

Folgerichtig gingen die Gastgeber in Führung, wenn auch unter gütiger Mithilfe der Kieler: Ein scharf geschlagener Eckstoß landete am kurzen Pfosten, überraschte KMTV-Keeper Bjarne Klenz und prallte von ihm zum 1:0 ins eigene Netz (61.). Als Lennart Petersen in der 74. Minute durch ein regelrechtes Bein-Dickicht hindurch auf 2:0 erhöhte, schien der Heimsieg zum Greifen nah.

Der Moment, in dem alles den Bach runterging

Doch was dann folgte, glich einem sportlichen Albtraum für den TSV. Innerhalb von nur elf Minuten zerfiel das Gremersdorfer Gebilde. „Frei nach dem Motto: Spielst du unten, stehst du unten, läuft es einfach gegen dich“, haderte Ippig. Den Startschuss zur Aufholjagd setzte Bennet Schmidt in der 78. Minute per Kopf nach einer präzisen Flanke von Luca Bourreau.

Plötzlich kippte das Momentum. Nur vier Minuten später war Luis Reinecke auf und davon, wurde im Strafraum am Abschluss gehindert – die Folge: Elfmeter für Kiel und die erste Rote Karte gegen Gremersdorf (80.). Bennet Schmidt blieb eiskalt und verwandelte zum 2:2-Ausgleich.

Drama in der Schlussminute

Gremersdorf versuchte sich gegen den Kollaps zu stemmen und hatte nach einer Ecke sogar die Riesenchance zur erneuten Führung, ließ diese jedoch liegen. Im direkten Gegenzug schlug der KMTV eiskalt zu: Thore Woywod bediente erneut Bennet Schmidt, der mit seinem dritten Treffer (88.) den Hattrick und den Auswärtssieg perfekt machte.

Fabian Mandt (TSV Gremersdorf) © 2025 Ismail Yesilyurt
Fabian Mandt (TSV Gremersdorf) erhielt in der 95. Minute auch die Rote karte wegen Handspiels. © 2025 Ismail Yesilyurt

„Es ist Wahnsinn, was hier läuft. Wir verlieren einfach den Faden in der Abwehr und dann geht alles den Bach runter“, beschrieb Ippig die dramatische Schlussphase. Den negativen Schlusspunkt setzte Keeper Fabian Mandt in der Nachspielzeit, als er außerhalb des Strafraums mit der Hand rettete und ebenfalls mit Rot vom Feld musste. Während der Kieler MTV mit einer „positiveren Aura“ (Musiol) und drei Punkten im Gepäck die Heimreise antrat, bleibt Gremersdorf am Boden zerstört zurück. Viel Zeit zum Verdauen bleibt nicht: Bereits am Donnerstag und Ostermontag geht es für die im Tabellenkeller abgeschlagene Ippig-Elf weiter.

Der Kieler MTV, der mit 27 Punkten jenseits von Gut und Böse steht, darf am Ostermontag erneut nach Ostholstein reisen. Dann wartet die andere Seite der Tabelle auf die Landeshauptstäder beim Spitzenreiter SVG Pönitz.

Stimme zum Spiel

Christian Ippig (Trainer TSV Gremersdorf)

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner