Leon Lembke (Rot-Schwarz Kiel) köpft zum 2:1-Siegtreffer ein. © 2026 Ismail Yesilyurt
Die SSG Rot-Schwarz Kiel hat im Topspiel der Landesliga Schleswig Moral und Widerstandskraft bewiesen. Beim 2:1-Heimsieg gegen den Tabellensiebenten SC Weiche Flensburg 08 II reichte dem Tabellendritten ein Doppelpack von Leon Lembke, um trotz langer Unterzahl drei wichtige Punkte im Rennen um Platz zwei zu sichern. Der Abstand zum Eckernförder SV bleibt bei einem Punkt – die Aufstiegsrelegation in Richtung Oberliga bleibt in Reichweite.
Frühe Führung, schneller Ausgleich
Rot-Schwarz erwischte den besseren Start auf dem schwer zu bespielenden Rasen. Nach gut einer halben Stunde war es Lembke, der den Bann brach: Eine maßgenaue Flanke von Marek Hopp verwertete der Offensivmann per Flugkopfball zur 1:0-Führung (30.). Die Gäste antworteten jedoch noch vor der Pause. Nach einer hohen Hereingabe von links nahm Enes Kaya den Ball direkt und traf mit einem sehenswerten Abschluss zum 1:1 (40.).

Weiche-Coach Dimitry Kehl haderte mit den Bedingungen, lobte aber die Leistung seiner Mannschaft: „Für den Fußball, den wir spielen, ist es natürlich schwer, auf diesem Boden zu spielen. Nichtsdestotrotz müssen beide Mannschaften damit klarkommen. Wir haben nachher ganz gut gemacht, hatten viel Ballbesitz – da müssen wir einfach mehr draus machen.“
Lembke legt nach – und Kayali fliegt
Kurz nach dem Seitenwechsel setzte Rot-Schwarz erneut den entscheidenden Nadelstich. Ein langer Einwurf von Ben Jarik segelte an den Weicher Torraum, Lembke verlängerte den Ball mit dem Hinterkopf über den herauskommenden Keeper Kjell Sörensen hinweg ins Netz – 2:1 (50.). Dessen lauter „Torwart“-Ruf irritierte eher die eigene Defensive als den Torschützen.

Nur wenig später der nächste Wendepunkt: Emre Kayali, wie Lembke in der Winterpause vom Ligakonkurrenten SpVg Eidertal Molfsee wieder zu Rot-Schwarz zurückgekehrt, sah die Gelb-Rote Karte (59.). Nach knapp einer Stunde wurde das verbale „Betteln“ auf eine Ampelkarte von Schiedsrichter Patrick Möller im wahrsten Sinne des Wortes erhört. „Und über die letzten, ja, zwanzig, fünfundzwanzig, dreißig Minuten nach Platzverweis Kayali müssen wir, glaube ich, nicht viel reden“, sagte Rot-Schwarz-Trainer Ove Saß. „Das haben alle von außen gesehen, dass da ein Kollektiv stand, das Bock hat, füreinander zu arbeiten, wenn es auch mal nicht so läuft.“
Weiche drückt – Pfosten-Pech für Empen
In der Folge drängten die Flensburger auf den Ausgleich. Torjäger Nico Empen hatte mehrere Großchancen: In der 48. Minute umkurvte er Torwart Philip Rüther, traf aber nur den linken Pfosten. In der 75. Minute klatschte ein weiterer Abschluss an den rechten Pfosten. In der Schlussminute drehte sich Empen zentral in der Box, doch Rüther parierte stark zur Ecke.
„Wir hatten sehr viel Ballbesitz, vor allem nach der Gelb-Roten“, so Kehl. „Da müssen wir einfach mehr draus machen – nicht nur von Nico, sondern auch von den anderen. Der zweite, der dritte Ball will einfach nicht ins Tor, und dann gewinnst du das Spiel nicht.“

Saß räumte ein, dass auch das Glück mitspielte: „Gerade in Unterzahl musst du auch das Glück haben, dass du alle langen Bälle verteidigt bekommst et cetera. Haben eine brutale Qualität in der Box. Und dass heute der Acker ihm (Nico Empen, Anm. d. Red.), ja, auch Probleme macht mit seinen Drehungen und den ersten zwei Kontakten, das hat uns dann so ein bisschen gerettet hinten raus.“
Ein Sieg des Willens
Am Ende war die Freude bei den Hausherren natürlich groß – auch, weil Neuzugang Lembke auf Anhieb zündete. „Ja, wichtig für die Mannschaft in vielen Bereichen in jedem Fall. Aber wie es auch bei Marc Zeller oder sonstigen Leuten ist, mag ich dieses Herausheben von einzelnen Leuten nicht“, sagte Saß über den Doppelpacker. „Heute hat er zweimal getroffen, weil er natürlich auch den Schädel dann in Situationen reinhält, wo vielleicht nicht jeder seinen Körper reinschmeißt. Und alleine, dass wir so was bringen können von Anfang an oder zum Nachwerfen, ist natürlich wunderbar. Und da haben die Jungs sich, auch alle Neuzugänge, wunderbar eingefügt in den Dienst der Mannschaft.“
Kehl wollte trotz der Enttäuschung den Blick nach vorne richten: „Sehr ärgerlich, das so spät zu verlieren. Wir müssen an ein paar Themen arbeiten. Trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richtung. In den nächsten Spielen gilt es, die Dinge zu verbessern und wieder gute Auftritte zu zeigen.“
Stimme zum Spiel
SSG Rot-Schwarz Kiel: Ruether – Kiewald, Hopp, Elsner – Hillmer (60. Lohr), Kayali, Franciosi (73. Suchocki), Backhaus, Lembke (90.+1 Koop) – Jarik (67. Lüdtke), Zeller (90.+1 Lekkebusch).
Trainer: Ove Saß.
SC Weiche Flensburg 08 II: Sörensen – Theo Fritze (84. Jaber), Kehl, Treede, Santos – Kurzbach, Attisso, Barth – Kabus (88. Sodemekou), Empen, Kaya (74. Bajrami).
Trainer: Dimitry Kehl.
SR: Patrick Möller (Roter Stern Lübeck).
Ass.: Mohamad Hasan, Omid Jamshidi.
Z: 60.
Gelb-Rote Karte: Emre Kayali (59., Kiel).
Tore: 1:0 Leon Lembke (30.), 1:1 Enes Kaya (40.), 2:1 Leon Lembke (50.).
