Doppeltorschütze Julius Alt (re.) und Devran Boztepe (Kilia Kiel) setzen Berk Akcicek (VfR Neumünster) unter Druck. © 2025 Ismail Yesilyurt
Freitagabend, Kiliaplatz. Der heimische FC trifft auf den Gast von Rasensport Neumünster. Ein Klassiker des schleswig-holsteinischen Amateur-Spitzenfußballs. Dieses Jahr aktuell Platz 7 gegen 5.
Kilia wieder in der Spur
Nach einem furiosen Start mit einem 5:1-Sieg gegen die doch ein bisschen öfter trainierenden Jungprofis von Holstein und zuletzt fünf Siegen in Folge hätte man meinen können, die Soranno-Elf spielt um die Meisterschaft mit. Aber dazwischen lag eine längere Schwächephase, sodass Kilia als Siebter nach der Hinrunde seinen letztjährigen Hallentitel nicht verteidigen kann und nicht den kurzen Weg zu den Hallenmasters nimmt. In der Halle dabei ist allerdings der heutige Gegner, der vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte VfR Neumünster.
VfR sehnt die Winterpause herbei
Die personell sowieso äußerst knapp aufgestellten Veilchen von Trainer Danny Cornelius haben in der Vorrunde echte Verschleißerscheinungen hinnehmen müssen. „Belastungssteuerung“ kann sich die Elf nicht leisten – wer einigermaßen fit ist, muss ran. Auch heute wieder. Luxusproblem wie Stammspieler fit auf der Bank? Selten – kennt Trainer Danny Cornelius kaum. Von seinen im Idealfall nur 13–14 Startelfkandidaten des Saisonstarts fehlten zuletzt immer so 3–4. Trotzdem wurden in den letzten vier Spielen wieder neun Punkte geholt.

Wichtigstes VfR-Kadermitglied: Kerstin Felgentreu
Vielleicht wichtigste Akteurin ist seit Wochen Physiotherapeutin Kerstin Felgentreu. Neben dem schon seit Jahren anstehenden Dauerjob, Keeper Christopher Newe Woche für Woche fit zu kneten, sind aktuell viele weitere Dauerbaustellen dazugekommen. Beide Ausnahmestürmer haben zuletzt schwer einstecken müssen, liefen heute aber auf. Die eigentlich gut aufgestellte Defensive war nach den Ausfällen von Jan Lippegaus und Kapitän Kenny Korup (erkrankt) heute alternativlos selbstaufstellend. Jonas Schomaker bekam Felgentreu rechtzeitig fit, bei Sven Freitag (Leistenprobleme) und Kevin Schulz (Knie) halfen aber auch Felgentreus Künste nichts. Auf der Bank saßen heute außer Co-Trainer Patrick Amponsah (Ü40) nur U21-Akteure.
Kunstrasen?
Zwar hatte der VfR am Mittwochabend seine letzte Einheit zwecks Spieltagsvorbereitung extra auf dem Kunstrasen des Städtischen Stadions in Neumünster absolviert, aber so richtig das Ding der Rasensportler ist das nicht. So hatte es schon in Landesligazeiten bei Kilia immer meist deutliche Packungen gegeben.

Kilia überlegen
Und auch heute bestimmte die Soranno-Elf das Match von Beginn an. Marvin Müller (2., 12.) und Yannik Jakubowski (4., nach Ecke) hatten die frühe Führung auf den Füßen. Folgerichtig das 1:0, als Kilia in der eigenen Hälfte Einwurf hatte und es dann über vier Stationen zu schnell für den VfR wurde. Drilon Trepca lief final frei auf Newe zu und vollstreckte (17.). Danach ließ der Druck Kilias etwas nach, und durch Alija (24.) und Serifi (25.) kam auch der Gast zu ersten gefährlichen Abschlüssen.
Konsequentes Kilia-Flügelspiel …
… zog die Gästeketten immer weit auseinander. Mit Verschieben und Räume schließen hatte der VfR so durchgehend seine Schwierigkeiten, da das Kilia-Tempo oft nicht mitgegangen werden konnte. So fiel auch das 2:0. Devran Boztepe, von „Pipo“ Spohn freigespielt, konnte unbedrängt flanken, in der Mitte bewies Julius „Schule“ Alt Mittelstürmerqualitäten.

Ilir Serifi mit Anschlusstreffer
Nach der Pause gelang dem VfR schnell der Anschluss. Diesmal hatte der VfR einmal das Kilia-Konzept kopieren können und selbst schnell über außen gespielt. Ola Adesanya flankte von links, Ilir Serifi im Zentrum staubte ab.
Soranno-Elf zieht die Zügel wieder an
Nach schwächeren fünf Minuten zog der FC das Tempo wieder hoch. Wieder über links kam die Flanke rein, zunächst wehrte Newe noch hervorragend ab. Doch Alt war wieder da, wo ein torgefährlicher Mittelfeldspieler stehen muss, und verwandelte den Abpraller zum 3:1 (63.).

Spiel bis zum Schluss gutklassig, schnell und intensiv
Rasensport ließ sich nicht hängen. Adesanya (71.) per Kopf aus zwei Metern (vorbei) vergab jedoch. Als Alija im Vollsprint im Strafraum nicht unberührt zu Fall kam, ließ Schiri Paul Luca Seils zum starken Ärger der Gästebank weiterlaufen. Doch die höhere Zahl der Abschlüsse und der gefährlichen Angriffe hatte weiterhin die Heimelf. Leerlauf gab es bis zum Schluss nicht.
Fazit: Hochverdienter sechster Sieg des FC Kilia in Folge. Aber auch beim VfR war man nicht unzufrieden. Ohne vier war heute einfach nicht mehr drin.
Stimme zum Spiel
FC Kilia Kiel: Pachulski – Jakubowski, Witt, Meseberg – Spohn – Trepca, Alt, Niebergall (58. Voß), Boztepe (82. Klein) – Nwokoma (58. Warncke), Müller (89. Waschko).
Trainer: Nicola Soranno.
VfR Neumünster: Newe – Neca, Schilling (82. Arshakyan), Schomaker, Kahlcke – Mehmeti (71. Marquardt), Akcicek, Kramer, Serifi – Adesanya (71. Diler), Alija (90. Blöcker).
Trainer: Danny Cornelius.
Schiedsrichter: Luca Seils (Preußen Reinfeld).
Assistenten: Sebastian Marx, Nils Ladwig.
Zuschauer: 300.
Tore: 1:0 Drilon Trepca (17.), 2:0 Julius Alt (32.), 2:1 Ilir Serifi (47.), 3:1 Julius Alt (63.).
