Artistisch – Morten Liebert schießt Todesfelde zum Sieg und sich an die Spitze der Oberliga-Torschützenliste. © 2025 Volker Schlichting
Was für ein unglaubliches Spitzenspiel! Trotz widriger Bedingungen mit Dauerregen und einem schwer bespielbaren Geläuf erlebten die 427 Zuschauer im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße am 14. Spieltag der Flens-Oberliga ein packendes Topspiel zwischen dem personell arg gebeutelten Heider SV und dem sportlich immer noch ungeschlagenen Tabellenführer SV Todesfelde, das die Gäste nicht unverdient mit 4:2 (1:2) für sich entscheiden konnten. Aber nach einer bärenstarken ersten Hälfte und einem kurzen Aussetzer nach der Pause, als die Gastgeber binnen fünf Minuten den Faden verloren und zwei schnelle Gegentore eingeschenkt bekamen, wurde nach Spielende auch die Mannschaft von Trainer Markus Wichmann, die dem Regionalligaabsteiger alles abverlangte, vom ansonsten sehr kritischen Heider Publikum mit anerkennendem Applaus für eine couragierte und mutige Vorstellung verabschiedet
Hinz kurzfristig ausgefallen
In dem mit großer Spannung erwarteten Spitzenduell erwischten die Gastgeber, die kurzfristig noch auf den erkrankten Jannis Hinz verzichten mussten, einen guten Start. Gegen das Topteam der Liga setzte Heides Trainer Markus Wichmann dabei auf eine Viererkette, was den Gästen zunächst wenig behagte.
In der hart umkämpften und von beiden Seiten auf rutschigem Untergrund sehr intensiv geführten Partie hatte die Mannschaft von Trainer Björn Sörensen zwar meist mehr Ballbesitz, aber die Angriffe der Gastgeber waren zunächst viel zielstrebiger.
Heide mit guten Abschlüssen
So scheiterten Hendrik Fleige an Torhüter Fabian Landvoigt, Marvin Wolf schoss knapp über das Tor, ein Fernschuss von Björn Lambach ging knapp neben das Tor, und Fabian Arndt zielte zu hoch.
Verunglückte Flanke von Schneider bringt Tofe die Führung
Deutlich mehr Glück hatten die Gäste, als eine leicht verunglückte Flanke von Jan-Marc Schneider (25.), die immer länger wird, am hinteren Pfosten ins Heider Tor zur Führung einschlägt.
Azat Selcuk trifft zum schnellen Ausgleich
Doch die Gastgeber zeigen sich unbeeindruckt, und nach einem Ballverlust von Mats Klüver auf Höhe der eigenen Eckfahne trifft Azat Selcuk (27.) aus dem Getümmel im Strafraum zum schnellen 1:1-Ausgleich.

Traumtor von Thede Reimers zur Heider Führung
Doch die nun vor Selbstbewusstsein strotzenden Gastgeber wollen noch mehr, und Tofe wird – was nur äußerst selten passiert – klassisch ausgekontert, als ein schöner Spielaufbau aus der eigenen Hälfte, der von Tarek von Böhlen über die Außenposition flach und scharf vor das Tor geschlagen wird, von Thede Reimers (38.) mit einem Traumtor aus gut sieben Metern per Direktabnahme unter die Torlatte gehämmert und mit dem 2:1-Führungstreffer gekrönt wird.
Nach der Pause waren dann die Gäste auf einmal voll da, und die mahnenden Worte von Heides Trainer Markus Wichmann in der Kabine, „hellwach zu bleiben“, schienen nur wenig Gehör zu finden.
Morten Liebert trifft zum 2:2-Ausgleich
Nach einer Flanke von Jan-Marc Schneider trifft Morten Liebert (48.) per Kopfballtreffer zum 2:2-Ausgleich. „Das hatte sich bereits angedeutet. Kurz davor hat Todesfelde einen Freistoß, den sie schnell ausführen, und wir waren nicht wach“, hatte Heides Coach bereits eine böse Vorahnung, dass etwas passieren könnte.
Fabian Arndt trifft nur den Innenpfosten
Doch dann haben die Gastgeber nach einem Eckball durch Fabian Arndt die Riesenchance, erneut in Führung zu gehen, doch sein schulmäßiger Kopfball klatscht nur an den Innenpfosten und kann danach geklärt werden.

Liebert trifft erneut – Doppelpack binnen fünf Minuten
Doch statt der möglichen Führung für die Gastgeber zeigen die ausgebufften Gäste im Gegenzug ihre ganze Klasse und können sogar in Führung gehen. Der Heider Versuch, einen Tofe-Spieler anzuschießen und damit einen Torabstoß zu erzwingen, geht gründlich daneben. So landet der Ball über Noel Deniz im Strafraum bei Morten Liebert (53.), der mit dem Rücken zum Tor nach kurzer Drehung zum 3:2 trifft.
Heide hält dagegen
Auch nach dem Rückstand versuchen die Gastgeber noch einmal alles, um den Ausgleich zu erzwingen. Doch Todesfelde, das zwischenzeitlich selbst auf Viererkette umgestellt hat und damit deutlich mehr Kontrolle über das Spiel bekommen hat, zeigt sich nun auch defensiv deutlich kompakter und spielt all seine Routine aus.
Trotzdem kommen die nie aufgebenden Gastgeber durch Hendrik Fleige, der im Getümmel erfolgreich geblockt werden kann, einen Schuss von Azat Selcuk aus gut 16 Metern sowie durch Mathis Harms, der nach einer Hereingabe knapp verpasst, zu einigen guten Torannäherungen.
Patrick Storb mit Hüftschmerzen raus
Nach knapp einer Stunde muss dann auch Heides Abwehrchef Patrick Storb unter Schmerzen den Platz verlassen, nachdem er zunächst im Rasen hängen geblieben war und sich dabei die Hüfte verdreht hatte. Für ihn kam Manuel Lorenzen, der Storb aber gut ersetzte.

Christopher Thomsen mit zwei Klasseparaden
In der Folge kommt Todesfelde durch Noah Awuku und Benjamin Petrick zu zwei Großchancen, doch Torhüter Christopher Thomsen hält mit zwei starken Paraden seine Mannschaft im Spiel.
Benjamin Petrick trifft zum 2:4-Endstand
In den letzten zehn Minuten werfen die Gastgeber noch einmal alles nach vorn, um den Ausgleich zu erzwingen, doch dabei kommen die Gäste zu zahlreichen guten Kontermöglichkeiten, von denen Benjamin Petrick (90.+2) eine zum 2:4-Endstand nutzt.
Anmerkung
Sportlich ist und bleibt der SV Todesfelde in der Flens-Oberliga das Maß aller Dinge. Nur die Willkür des SHFV, den Spitzenreiter mit einem dreifachen Punktabzug und 0:5 Toren sowie einer sportlich wenig nachvollziehbaren Geldstrafe wegen eines vermeintlichen Nichtantritts am 13. September beim Auswärtsspiel in Satrup zu belegen, macht die Oberliga noch einmal spannend. Der Zeitpunkt der endgültigen Bekanntgabe des Urteils sowie das einhergehende Abschmettern der Beschwerde dürften Tofe noch einmal zusätzlich bis in die Haarspitzen motiviert haben und waren maximal unglücklich. Ähnlich unfair und wenig nachvollziehbar wurde ja auch der Heider SV in Person von Jonah Gieseler durch die Rechtsprechung des SHFV abgeurteilt, als der Heider Kapitän für eine vermeintliche Tätlichkeit im Spiel gegen Reinfeld, die durch die vorliegenden Videoaufnahmen klar entkräftet werden konnte, aber trotzdem wegen eines Foulspiels, für das er überhaupt nicht des Feldes verwiesen wurde, für zwei Spiele aus dem Verkehr gezogen wurde und gegen Todesfelde fehlte.
Stimmen zum Spiel
Trainer Markus Wichmann (Heider SV): „Wir haben ein Superspiel auf tiefem Boden gemacht und hätten vielleicht einen Punkt verdient gehabt. Die sieben schwachen Minuten nach der Pause, als wir zwei Gegentore kassiert haben, haben uns das Genick gebrochen. Es reicht eben nicht, wenn wir nur eine Halbzeit stark spielen. Nach der Pause haben wir dann vielleicht fünf Prozent runtergefahren, aber da haben uns auch etwas die Körner gefehlt, obwohl wir weiter sehr bemüht waren. Das war ein richtig gutes Oberligaspiel, und trotz der Niederlage waren die Zuschauer begeistert.“
Heider SV: Thomsen – Kröger (81. Schaller), Neelsen, Storb (59. Lorenzen), von Böhlen – Reimers, Lambach – Selcuk, Arndt, Wolf (56. Harms) – Fleige.
Trainer: Markus Wichmann.
SV Todesfelde: Landvoigt – Sternberg, Jetz (41. Petrick), Körting, Rave, Musci – Klüver, Boland, Deniz (73. Awuku) – Liebert (73. Dodoo), Schneider (83. Özütemiz).
Trainer: Björn Sörensen.
Schiedsrichter: Paul Jasper Albrecht (TSV Böklund).
Assistenten: Lutz Jessen und Matthias Hendrik Müller.
Zuschauer: 427 im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße.
Tore: 0:1 Jan-Marc Schneider (25.), 1:1 Azat Selcuk (27.), 2:1 Thede Reimers (38.), 2:2 Morten Liebert (48.), 2:3 Morten Liebert (53.), 2:4 Benjamin Petrick (90.+5).
