Nico Empen (vorne., RB Obere Treene) gegen Denzel Imasün (Inter Türkspor Kiel). © 2024 Ismail Yesilyurt
„Wir müssen allerdings akzeptieren, dass unser Gegner sicherlich die reifere Mannschaft war, sicherlich die clevere Mannschaft war und uns in den entscheidenden Phasen des Spiels den Schneid abgekauft hat“, traf David Lehwald, Chefcoach von Inter Türkspor Kiel, nach der 0:2-Niederlage am späten Sonntagnachmittag im Topspiel der Landesliga Schleswig gegen RB Obere Treene mit seiner Analyse den Nagel auf den Kopf.
RB Obere Treene in der Offensive gefährlicher
Dazu kam noch, dass der Aufsteiger aus dem Süden von Flensburg in der gegnerischen Box weit mehr Gefahr ausstrahlte als die Interisti. Bei den klaren Möglichkeiten hatten die Gäste, die von Cheftrainer Dogan Göndüz auf die Aufgabe beim Tabellenführer aus Kiel sehr gut eingestellt wurden, ein Übergewicht. Gleich vom Anpfiff weg ist die taktische Marschroute, die nur kurz mit Wiederbeginn mit Pressing unterbrochen wird, eindeutig zu sehen.
Ausgeglichene erste 45 Minuten
In einer ersten Halbzeit, die mit viel Intensität, Tempo, Biss und Aggressivität in den Aktionen und Zweikämpfen von beiden Seiten gefüllt wurde, zog sich Obere Treene bis zum gegnerischen Mittelkreis zurück. Mit einem kompakten Verbund gewährte man so Inter in der RB-Hälfte nicht viel Spielraum.

Gleich nach drei Minuten konnte auch abgeleitet werden, wie der Aufsteiger seine Offensive gestalten wollte: mit schnellem und direkten Spiel. Nach einem Doppelpass mit Nico Empen war Nicolas Pasiecznik rechts durch. Die flache Hereingabe klärte der Gastgeber jedoch in allerhöchster Not. Nach einem Kopfball von Lars Horstinger (6., Inter), einem Abseitstor von Empen (9.) und Schuss von Lars Ole Puttins (12.) für Obere Treene hatte Inter-Sportlehrer David Lehwald einen Teil des RB-Offensivcodes entschlüsselt.
„Die wollen den langen Ball auf Empen spielen“
„Die wollen den langen Ball auf Empen spielen“, teilte Lehwald nach knapp einer Viertelstunde seinem Team auf dem Kunstrasenplatz mit. Der ehemalige Zweitliga-Profi wurde tatsächlich oft von seinen Mitspielern gesucht. Nicht nur bei den langen Bällen. Entweder als Endverwerter oder Zwischenstation: Mit großem Spielverständnis setzte der Stürmer seine Mitspieler ein.

Denzel Imasün und Nico Empen schenkten sich nichts
Mit dem jungen zentralen Türkspor-Verteidiger Denzel Imasün, der mit dem 28-Jährigen tolle und packende Zweikämpfe führte, hatte der RB-Angreifer jedoch auch einen hartnäckigen Widersacher. Dieses Duell ging anders als das Ergebnis unentschieden aus. Auch wenn Empen die Führung für das Göndüz-Team erzielte. Nach einer Flanke vom langjährigen Spieler des Oberligisten TSB Flensburg köpfte Empen zum 1:0 ein. Auch die Vorlage zum 2:0 kam von Puttins, der auf der Zehner-Position viel für vorne und auch hinten leistete.
1:0 gab der Auswahl von Dogan Göndüz nach der Pause Ruhe
„Das hat uns ein bisschen Ruhe gegeben“, sagte Göndüz über die Führung, die nach verteilten Chancen gefallen war. Eugen Halili (22., 28.) für Inter und Pasiecznik (24.) lagen noch Möglichkeiten vor. Für einige Lücken im RB-Verbund im ersten Spielabschnitt sorgten die Dribblings von Melih Cerrah, denen indes der letzte Schritt in die oder in der Box fehlte.

Die Fortführung der Begegnung begann mit ungefährlichen Schüssen von Tanju Hassanoglou (47.) und Empen (49.). „Wir haben dann gut und eng verteidigt. Haben die Ketten eingehalten. Die Abstände auf jeden Fall sehr gut eingehalten“, hatte Dogan Göndüz in der Pause seine Mannschaft eingeschworen. Die Gäste agierten nun in der Defensive noch konzentrierter und fokussierter.
Elf von David Lehwald fehlten Ideen in Abschnitt zwei
Bis auf ein Durcheinander nach Cerrah-Dribbling (50.), wo der Ball zwei Mal geblockt wurde, und einen Schuss von Lars Horstinger (58.), bei dem RB-Keeper Lukas Helmer auf der Torlinie nachfassen musste, ließ der Gast in einem Spitzenspiel, dem nur eine spielerische Top-Note fehlte, nicht mehr viel anbrennen. Inter Türkspor versuchte es immer wieder, ließ nicht nach, aber ein Durchkommen gab es für den nimmermüden Einsatz nicht.

Dennoch blieb es natürlich spannend bis zum Ende aufgrund der knappen Führung für die Elf aus dem Landschaftsraum Schleswig. „Kämpferisch eins plus“, benotete Göndüz die Leistung seiner Akteure. Was aber auch für Inter Türkspor Kiel galt.
Karl-Christian Melfsen und Nicolas Pasiecznik mit Großchancen
Nach zwei Hochkarätern für Karl-Christian Melfsen (70.) und Pasiecznik, dessen Schuss Tilman Körtzinger mit einer Parade abwehrte (73.), sorgte der eingewechselte Elvind Bajrami in der Nachspielzeit (93.) für die endgültige Sicherheit: verdienter Sieg und Tabellenführung für RB Obere Treene.
„Wir haben taktisch so ein bisschen umgestellt zu letzte Woche. Das hat sehr, sehr gefruchtet. Ich bin sehr stolz auf jeden einzelnen Spieler aus meiner Mannschaft“, verteilte Dogan Göndüz ein Sonderlob für Torwart Lukas Helmer.
Fazit: Sehr seriöser Auftritt von RB Obere Treene. Der Neuling agierte als eine starke Einheit, in die die individuellen Qualitäten eingepflegt wurden. Wohin das führen kann, wird sich dann nach dem 30. Spieltag zeigen. Die junge Mannschaft von Inter Türkspor, die nach 5 Heimsiegen zuvor eine Niederlage einstecken musste, konnte dagegen gegen den abgeklärten Gegner nicht die Hörner abstoßen. Mit einem Spiel weniger ist die Rückeroberung der Spitzenposition nur drei Punkte entfernt für ein Team, dass noch die Wunden der zuletzt großen Personalprobleme lecken muss.
Stimmen zum Spiel
Inter Türkspor Kiel: Körtzinger – Polonski, Imasün, Svirca (86. Volkers) – Perro (75. Sönmez) – Burak Özcan (66. Haye), Cerrah, Ibrahimoglu (66. Marquardt), Horstinger – Halili (75. Yilmaz), Yildirimer.
Trainer: David Lehwald.
RB Obere Treene: Helmer – Spoth, Zymeraj, Johannsen (53. Siercks), Groht – Thomsen, Melfsen – Pasiecznik (74. Bajrami), Puttins (95. Knuth-Kriens), Hassanoglu (95. Potratz) – Empen (91. Erichsen).
Trainer: Dogan Göndüz.
Beste Spieler: Tilman Körtzinger, Denzel Imasün, Kevin Perro – Lukas Helmer, Lars Ole Puttins, Nico Empen.
SR: Bozidar Macic (Eckernförder SV).
Ass.: Tarek Dafay, Dr. Carsten Füg.
Z.: 120.
Tore: 0:1 Nico Empen (40.), 0:2 Elvind Bajrami (93.).