
Tim Wulf: Der Fokus liegt auf unserer Entwicklung
Der SC Weiche 08 Flensburg glänzt nach zwölf Spieltagen in der Regionalliga Nord mit drei Zählern Vorsprung vor der SV Drochtersen/Assel als souveräner Tabellenführer. Vor allem seit der gebürtige Rendsburger Tim Wulf dort das Traineramt übernommen hat, geht es bei den Grenzstädtern sportlich spürbar aufwärts. Das spiegelt sich vor allem in einem gestiegenen Zuschauerinteresse und in der fußballerischen Qualität und Dominanz wider.
Mit 36 erzielten Treffern gelang es den offensivstarken Flensburgern bisher, genau drei Treffer pro Spiel zu erzielen. Nur die Offensive von Verfolger Drochtersen/Assel bewies mit vier mehr erzielten Treffern bisher eine noch höhere Durchschlagskraft. Zudem ist die Abteilung Attacke bei den Nordlichtern mit drei zuverlässigen Knipsern auch in der Breite gut aufgestellt und nur schwer unter Kontrolle zu bekommen. Dabei setzt Trainer Tim Wulf mit Erolind Krasniqi, Rasmus Tobinski und Ibrahim Ali auf drei völlig unterschiedliche Stürmertypen, die bisher alle regelmäßig treffen.

Rasmus Tobinski (SC Weiche Flensburg 08) gegen Ove Witt (li., Kilia Kiel). © 2026 Ismail Yesilyurt
Wie es sich für eine Spitzenmannschaft gehört, ist auch die Anzahl der Gegentreffer bisher sehr niedrig. Mit erst 14 Gegentoren ist Weiche hinter dem Landesrivalen Phönix Lübeck mit erst 9 Gegentoren ebenfalls Ligaspitze.
Am kommenden Sonntag um 14:00 Uhr will der Ligaprimus nun den Platz an der Sonne beim Aufsteiger SV Todesfelde unbedingt verteidigen. Die dann hoffentlich zahlreichen Zuschauer im JODA-Sportpark dürfen sich jedenfalls auf eine der spielstärksten Mannschaften der Regionalliga freuen, der zudem große sportliche Ambitionen nachgesagt werden.
Ein Grund mehr für YouKick, Trainer Tim Wulf zur aktuellen sportlichen Situation und zu den Zielen beim SC Weiche 08 Flensburg einmal ausführlich zu befragen.
Für Weiche Flensburg läuft es aktuell sehr gut. Ist das nur eine schöne Momentaufnahme und das Ergebnis harter Arbeit?
„Ja, bei uns läuft es wirklich gut. Wir sind natürlich sehr, sehr happy und zufrieden mit den bisherigen Leistungen und der Punkteausbeute. Ich sehe das immer noch als eine Bestätigung unserer Arbeit. Das ist eine sehr, sehr schöne Momentaufnahme. Wir fühlen uns sehr wohl und hoffen auch, dass es hoffentlich noch eine ganze Zeit weitergeht für uns. Wir werden hart arbeiten und möglichst noch ganz, ganz viele Erfolge feiern, und dafür lohnt es sich, Woche für Woche zu arbeiten. Weil wir wissen: Wir können jeden Gegner schlagen mit unserer Qualität. Aber wenn wir nicht unsere hundert Prozent abrufen, können wir natürlich auch gegen jeden Gegner verlieren.“

Tim Wulf (Trainer SC Weiche Flensburg 08) im Viertelfinale des Landespokals bei Kilia Kiel. © 2026 Ismail Yesilyurt
Wie ist der sportliche Höhenflug in dieser Saison zu erklären, und was machst du anders als deine Vorgänger, bei denen ja oft der Kampf um den Klassenerhalt im Vordergrund stand?
„Ja, was mache ich anders als meine Vorgänger? Ich würde sagen: nicht viel. Ich habe meine eigenen Prinzipien. Ich versuche, die gleiche Sprache mit den Jungs zu sprechen. Sie bekommen immer von mir ehrliches Feedback, auch wenn es nicht immer angenehm ist, wenn was stört. Mir ist der Zusammenhalt sehr, sehr wichtig. Wir wollen uns alle in die Augen schauen können.
Wir wollen hart miteinander arbeiten. Dementsprechend ist eine absolute Transparenz auch notwendig, und ich freue mich, die Jungs jeden Tag zu sehen. Ich würde ja vieles für die Jungs geben und stehe immer vor den Jungs. Aber natürlich erwarte ich auch Gegenleistung von ihnen, dass sie sich auf dem Platz zerreißen, miteinander kämpfen und möglichst alles investieren, um erfolgreich zu sein.“

Rasmus Tobinski (SC Weiche Flensburg 08) begrüßt Kilias Torwarttrainer Hüsnü Özdemir, mit dem er früher gemeinsam auf dem Platz stand. © 2026 Ismail Yesilyurt
Wird in Flensburg, was den Etat und die Trainingsbedingungen betrifft, bereits unter Profibedingungen gearbeitet, und ist zumindest mittelfristig die 3. Liga wieder ein Ziel?
„Ich würde uns als Halbprofis bezeichnen. Einige gehen noch ihrem Studium nach oder arbeiten etwas. Dennoch versuchen wir, so professionell zu arbeiten, wie es irgendwie möglich ist.
Das geht natürlich bei den Trainingsbedingungen, bei den Trainingszeiten und bei den Rahmenbedingungen los. Da versuchen wir im Verein, einige Schrauben zu drehen, haben, glaube ich, schon vieles, vieles umgestellt in den letzten Jahren und entwickelt. Und da wollen wir absolut dranbleiben, dass wir da immer einen Schritt weiterkommen, um es noch professioneller zu gestalten für uns und natürlich, um erfolgreich Fußball zu spielen.“

Dominic Hartmann (Weiche) Flensburg) gegen Noah Awuku (SV Todesfelde). © 2024 Volker Schlichting
Weiche Flensburg hat sich vor der Saison gut verstärkt. Wie siehst du deine Mannschaft im Vergleich zu den anderen Spitzenmannschaften personell aufgestellt?
„Zum personellen Umbruch sind natürlich viele Jungs dazugekommen. Aber ich glaube, wir haben sehr darauf geachtet, dass wir Jungs unmittelbar aus der Umgebung holen – sprich Schleswig-Holstein, Hamburg. Das war uns schon wichtig, dass der größte Teil aus der Region kommt.
Das ist uns gut gelungen. Die Jungs sind klasse Fußballer, haben ihre Qualitäten absolut auf den Plätzen. Ich würde sagen, es sind keine großen Namen zu uns gestoßen. Wir sind als Team sehr gut zusammengewachsen in der Vorbereitung und machen es auch immer noch. Wir haben viel Spaß miteinander, und ja, ich hoffe, dass wir da noch eine tolle Zeit zusammen haben, dass wir noch viele, viele Spiele zusammen gewinnen können.“
Mit den Bundesliga-Handballern von der SG Flensburg-Handewitt gibt es einen großen Kontrahenten, was die Zuschauergunst betrifft. Würdest du Flensburg trotzdem auch als eine Fußballstadt bezeichnen, und welchen Stellenwert hat der Verein in der Stadt?
„Flensburg ist natürlich eine Handballhochburg. Das ist natürlich ein verdienter Verein und eine Hausnummer im deutschen Handball und auch im internationalen Handball. Wir versuchen, unsere Schritte zu gehen. Der Fokus liegt auf unserer Entwicklung, und das, was wir bewirken können, versuchen wir positiv zu gestalten. Und wir wollen uns immer stetig verbessern, dass wir da tolle Rahmenbedingungen schaffen für Fußballer aus der Region, die gerne zu uns kommen, um erfolgreich Fußball zu spielen. Dementsprechend versuchen wir hier auch etwas zu entwickeln, natürlich auch im Zuschauerschnitt einiges noch draufzulegen. Aber das wird halt immer erst mehr, wenn es fußballerisch noch besser läuft. Und da wollen wir uns hin entwickeln, und das ist unsere Hausaufgabe – von mir und meiner Mannschaft –, dass wir da für positive Schlagzeilen sorgen auf dem Platz.“

Erolind Krasniqi (SC Weiche Flensburg 08) gegen Drilon Trepca (re., Kilia Kiel) im Viertelfinale des Landespokals. © 2026 Ismail Yesilyurt
Flensburg liegt am nördlichen Zipfel der Republik. Ist das eher ein Nachteil bei Neuverpflichtungen, und wie ist um Talente in der Region bestellt?
„Zu Transfers oder Neuverpflichtungen: Dass wir so hoch gelegen sind in Deutschland, ist natürlich schon schwierig. Das muss man schon ehrlich sagen. Deswegen haben wir da absolut den Fokus auf unseren Raum gelegt: Schleswig-Holstein, Hamburg. Ich nehme jetzt mal Niedersachsen mit dazu. Es sind auch mal ein, zwei Ausnahmen – siehe Tanyel, der von Kaiserslautern gekommen ist. Von daher versuchen wir da den Fokus draufzusetzen. Wir haben so viele tolle Fußballer hier in Norddeutschland, und die müssen wir versuchen zu überzeugen, dass sie den Weg mit uns gehen und dass wir hier zusammen was erreichen können.“
Am Sonntag steht das Auswärtsspiel beim Aufsteiger SV Todesfelde auf dem Programm. Wie siehst du die sportliche Ausgangslage?
„Ja, Todesfelde – genau. Da wartet ein harter Brocken auf uns. Wir müssen auswärts ran bei Todesfelde, die jetzt bei Emden gewonnen haben. Das ist schon aussagekräftig, dieses Ergebnis, wenn man in Emden gewinnt. Dementsprechend sind wir sehr gewarnt vor der Truppe und haben absoluten Respekt, wollen uns dort trotzdem möglichst gut verkaufen, unsere Tugenden an den Tag legen, unsere Stärke bespielen und alles in die Waagschale werfen, dass wir gegen Todesfelde auch die drei Punkte mit nach Hause nehmen.
Aber es gelingt halt nicht mit achtzig Prozent. Wir müssen da wieder alles abrufen, was wir haben. Und ja, wir werden die Woche hart dafür arbeiten und sind hoffentlich sehr, sehr gut vorbereitet auf Todesfelde, sodass wir dem Gegner Paroli bieten wollen, können und möglichst auch bespielen können. Ja, es wird spannend, aber ich bin sehr optimistisch und freue mich riesig auf diese Aufgabe in Todesfelde.“
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