Schon sensationell: Eidertal Molfsee bezwingt Inter Türkspor Kiel mit 3:2
Sinnbildlich für den Ausgang der Partie: Gemeinsam stoppen Mirko Schöning (li.) und Leif Celik (SpVg Eidertal Molfsee) Inter Türkspors Topmann Rezan Acer. © 2026 Ismail Yesilyurt

Schon sensationell: Eidertal Molfsee bezwingt Inter Türkspor Kiel mit 3:2

von Ismail Yesilyurt·4. Oktober 2026

Die SpVg Eidertal Molfsee hat in der Landesliga Schleswig am 11. Spieltag für eine dicke Überraschung gesorgt und den hoch gehandelten Aufstiegsfavoriten Inter Türkspor Kiel mit 3:2 bezwungen. Mit großem Einsatz, mannschaftlicher Geschlossenheit und dem nötigen Quäntchen Glück brachte der Außenseiter dem Tabellenzweiten eine Niederlage bei. Selbst eine etwa 30-minütige Phase in Unterzahl überstand Eidertal letztlich erfolgreich.

Joel Prempeh schockt Inter früh

Eidertal erwischte einen Traumstart. Bereits in der 10. Minute, Luca Schemborski kurz vor knapp daneben zielte, brachte Joel Prempeh nach eine Fehler der Gäste in der eigenen Hälfte die Gastgeber mit 1:0 in Führung. Inter Türkspor fand nach dem Rückstand zunehmend keinen klaren Zugriff auf die Partie. Und auch die notwendige Durchschlagskraft der drückenden Interisti gegen eine mit großem Willen verteidigende Heimelf sowie klare Chancen fehlten.

Voller nicht kontaktloser Einsatz von Jascha Puhlmann (SpVg Eidertal Molfsee) kommt gleich gegen Rezan Acer (re., Inter Türkspor Kiel).. © 2026 Ismail Yesilyurt

„Nach dem Rückstand 0:1 war ich von der Spielweise nicht glücklich, nicht zufrieden“, räumte Inter-Trainer Onur Cokgez ein, „da waren keine Abläufe drin, da war kein Plan hinter.“ Eidertal dagegen wirkte bei seinen schnellen Umschaltspiel stets gefährlich. Den nächsten Hochkaräter leitete Inter in der eigenen Hälfte mit einem katastrophalen Fehlpass in die Füße des Gegners selbst ein. Doch ihr Überzahlspiel in der 24. Minute kann die Elf von Heiko Dukats-Jadwizak nicht effektiv genug zu Ende führen.

Auf der anderen Seite verteidigte Eidertal dagegen leidenschaftlich, warf sich in jeden Ball und machte die Räume eng. Und das alles im höchsten Tempo. Die Mannschaft von Heiko Dukats-Jadwizak ließ sich auch von der individuellen Qualität des Gegners nicht beeindrucken und nahm die Führung mit in die Pause.

Die Spielweise der Gäste wirkte dagegen oft pomadig. Es hatte den Anschein, dass die drei Punkte im Vorbeigehen mitgenommen werden sollten. Bei so vielen Fehlpässen in der eigenen und auch gegnerischen Hälfte: Pustekuchen!

Inter findet auch nach der Pause nicht richtig ins Spiel

Cokgez forderte in der Halbzeit mehr Einsatz, mehr Laufbereitschaft und eine deutlich bessere Teamleistung. Doch statt des erhofften Umschwungs legte Eidertal nach.

In der 57. Minute war erneut Prempeh nach Vorarbeit von Nikita Podlipnikov zur Stelle und erhöhte auf 2:0. Eidertals Leif Celik sah in der 64. Minute die Gelb-Rote Karte, sodass die Gastgeber mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl bestreiten mussten. Es passte zum verkorksten Türkspor-Samstag, dass Julius Alt nur die Latte traf und etwas später sogar Christopher Kramer einen Foulelfmeter vergab, anstatt seinen 15. Saisontreffer zu erzielen. Eidertals am frühen Samstagnachmittag stark spielender Torhüter Kim Kuckella parierte den Strafstoß in der 72. Minute.

Keeper Kim Kuckella (SpVg Eidertal Molfsee) krönte seine Leistung mit de gehaltenen Kramer-Elfer. © 2026 Ismail Yesilyurt

Eidertal macht trotz Unterzahl das 3:0

Eigentlich schien nun alles für eine Aufholjagd des Favoriten zu sprechen. Doch stattdessen setzte Eidertal den nächsten Nadelstich. In der 79. Minute verwandelte Enis Jashari einen Strafstoß zum 3:0. Damit schien die Partie entschieden. „Ich traue meiner Mannschaft alles zu, aber ganz realistisch betrachtet habe ich tatsächlich nicht damit gerechnet“, sagte Eidertals Trainer Heiko Dukats-Jadwizak anschließend sichtlich überwältigt.

Gerade die Art und Weise, wie seine Mannschaft den Favoriten bekämpfte, beeindruckte den Coach. „Alle haben ihre Aufgabe erledigt und das richtig gut gemacht“, lobte Dukats-Jadwizak. Das galt ausdrücklich auch für die Spieler von der Bank, die jede kleine gelungene Aktion frenetisch feierten, und diejenigen, die nicht zum Einsatz kamen: „Die haben uns so unterstützt. Das war gut.“

Inter startet spät die Aufholjagd

In der Schlussphase entwickelte der Tabellenzweite plötzlich den Druck, den Cokgez über weite Strecken der Partie vermisst hatte. Jeppe Waschko verkürzte in der 86. Minute auf 1:3, nur drei Minuten später traf Christopher Kramer zum 2:3. Plötzlich wurde es wieder eng.

Andre Volkers (Inter Türkspor Kiel) versucht den eingeklemmetn Ball von Mirko Schöning (SpVg Eidertal Molfsee) zu angeln. © 2026 Ismail Yesilyurt

„In den letzten fünf bis sechs inklusive Nachspielzeit haben wir wirklich zwei bis drei Hundertprozentige“, berichtete Cokgez. Doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Inter vergab beste Möglichkeiten und scheiterte zudem an einer weiteren umstrittenen Szene, als ein Treffer nicht anerkannt wurde.

„Wir hatten den Sieg von der Art und Weise, wie wir gespielt haben, nicht verdient. Da bin ich ehrlich“, lautete das schonungslose Fazit des Inter-Trainers.

Dukats-Jadwizak: „Eine geschlossene, geile Mannschaftsleistung“

Eidertal feierte einen außergewöhnlichen Heimsieg. Dukats-Jadwizak konnte wollte kaum einen einzelnen Spieler herausheben, weil für ihn vor allem die Geschlossenheit den Unterschied machte „Es gibt ja niemanden, der da abfällt“, betonte der Trainer. Seine Mannschaft habe alles umgesetzt, was sie sich vorgenommen hatte, und „alles reingeworfen“.

Auch das nötige Glück gehörte zum Coup. „Ich bin froh, dass Inter den Elfmeter nicht reingemacht hat, weil das hätte dann wahrscheinlich noch mal kippen können“, sagte Dukats-Jadwizak. Sein Fazit fiel entsprechend emotional aus: „Das war eine geschlossene, geile Mannschaftsleistung und unbedingt der Wille von uns da.“ Mit nun 12 Punkten mit dem 4. Saisonsieg scheint die Sonne für die SpVg im unteren Tabellenbereich heller.

Matchwinner Joel Prempeh (SpVg Eidertal Molfsee) arbeitete auch defensiv gut mit. Hier gegen den ballführenden Ömer Sönmez (Inter Türkspor Kiel). © 2026 Ismail Yesilyurt

Inter verpasst die eigene Messlatte

Für Inter Türkspor war die Niederlage dagegen ein deutlicher Warnschuss. Sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer TSV kronshagen sind bei de Vorhaben direkter Wiederaufstieg schon eine kleine Hypothek. Cokgez kritisierte vor allem die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit und die zu große Abhängigkeit von der individuellen Qualität.

„Wir haben uns einfach zu sehr auf individuelle Qualität verlassen, dass es schon irgendwie läuft“, sagte der Trainer. Genau das habe diesmal nicht funktioniert. „Wenn wir uns immer nur auf die Spieler verlassen, sei es in der Offensive oder auch in der Defensive, wenn wir es nicht als Team machen, dann sehen wir uns in der Saison nicht ganz oben.“

Eidertal dagegen bewies, dass man auch gegen einen hoch dotierten Aufstiegsfavoriten bestehen kann, wenn jeder für den anderen arbeitet. Aus einem vermeintlich aussichtslosen Duell wurde ein bemerkenswerter 3:2-Heimsieg. Oder, um das Paradoxon des Tages aufzugreifen: Du hast keine Chance, nutze sie.

Stimmen zu Spiel

  • Spvg Eidertal Molfsee: Kim Kuckella – Jascha Puhlmann, Leif Celik, Tom Braesch, Jonathan Okhotor – Enis Jashari (85. Christian Alberts) – Joel Prempeh (82. Johannes Kristen), Mirko Schöning (49. Nikita Podlipnikov), Carlo Heun, Luca Schemborski (42. Makar Mynzu) – Kristof Koop (63. Ben Lipfert)

  • Trainer: Heiko Dukats-Jadwizak

  • Inter Türkspor Kiel: Oleksii Drui – Justin Petersen (70. Krenar Svirca), Till Börner (62. Arian Jasari), Jeppe Waschko, André Volkers – Mohamed Bouzoumita (62. Badreddin Hamze), Julius Alt, Eugen Halili, Ömer Sönmez (75. Tahir Yilmaz) - Rezan Acer, Christopher Kramer

  • Trainer: Onur Cokgez

  • Schiedsrichter: Oskar Kühle (Viktoria 08 Lübeck)

  • Assistenten: Tim Hohmann, Chris Hartmuth Weyhe

  • Zuschauer: 210

  • Gelb-Rote Karte: Leif Celik (64., Eidertal)

  • Bes. Vorkommn.: Kim Kuckella (Eidertal) hält Foulelfmeter von Christopher Kramer (72.)

  • Tore: 1:0 Joel Prempeh (10.), 2:0 Joel Prempeh (57.), 3:0 Enis Jashari (79., Strafstoß), 3:1 Jeppe Waschko (86.), 3:2 Christopher Kramer (89.)

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