Rico Mielke: Heute genieße ich die Zeit auf dem Platz
Rico Mielke klärt vor Hendrik Fleige vom Heider SV. © 2025 Olaf Wegerich

Rico Mielke: Heute genieße ich die Zeit auf dem Platz

von Olaf Wegerich·6. Oktober 2026

Am 12. Spieltag der Flens-Oberliga kommt es am Sonntag zum Duell zwischen dem VfR Neumünster und dem Oldenburger SV. Während Rasensport nicht unerwartet auf dem 2. Platz steht, ist das gute Abschneiden des Oldenburger SV schon etwas überraschend. Seit Florian Stahl am 1.7.2025 bei den Ostholsteinern das Traineramt übernommen hat, ist dort auch im Umfeld eine gewisse Aufbruchsstimmung entstanden, die sich nun auch in den Ergebnissen niederschlägt. Am Wochenende glänzte der OSV mit einem auch in der Höhe absolut verdienten 4:0-Erfolg gegen den Heider SV.

Eine der tragenden Säulen auf dem Platz beim Oldenburger SV ist Rico Mielke (geb. Bork) – zugleich als Kapitän verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz –, der sogar drei Spielzeiten in der Regionalliga vorweisen kann. Der gebürtige Oldenburger ist auch in dieser Saison ein großer Stabilisator und konnte bei elf Einsätzen bereits sieben Treffer erzielen.

Ein guter Grund also, bei Rico Mielke einmal nachzufragen, wie der aktuelle Höhenflug zu bewerten ist und was beim Blick auf seine Karriere hängen geblieben ist.

Du hast als Fußballer schon einiges erlebt und mit Eutin 08 und Norderstedt sogar über 100 Spiele in der Regionalliga absolviert. Was ist bei dir aus der Zeit hängen geblieben und wie profitierst du aktuell von deiner Erfahrung?

Ein bisschen was von der Fußballwelt habe ich gesehen, das stimmt. Von der Zeit ist natürlich einiges hängen geblieben. Neben den unfassbar vielen tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte, habe ich natürlich auch vor allem durch die Zeit in Norderstedt und die dortigen Trainer (Olufemi Smith/Jens Martens) einiges gelernt. Taktisch-inhaltlich war das sehr hilfreich und auch im Umgang innerhalb einer Gruppe konnte ich dort viel mitnehmen, was heute sicherlich in der Gesamtheit einen Teil zu meinen Leistungen beiträgt. Die Erfahrung spielt sicherlich auch eine große Rolle. In jungen Jahren war ich oft sehr wild in den Aktionen, habe viele Sachen instinktiv gemacht und habe den Fußball an erster Stelle gesehen. Heute genieße ich viel mehr die Zeit auf dem Platz und sehe nicht alles so verbissen. Ich glaube, der Mix aus Erfahrung und einer gewissen Lockerheit hilft ungemein, um auf dem Platz davon zu profitieren.

Mit deinem jetzigen Trainer Florian Stahl hast du sogar gemeinsam bei Eutin in der Regionalliga gespielt. Wie unterscheidet sich Stahler als Spieler und Trainer?

Ich würde gar nicht mal sagen, dass Stahler sich als Spieler und Trainer groß unterscheidet. Er arbeitet sehr akribisch, sehr detailliert und investiert wirklich viel in den Fußball. Stahler war damals als Spieler auch sehr ehrgeizig und hat alles für den Erfolg getan. Da sind heute gewisse Parallelen zu erkennen. Die Art und Weise, wie er diese Gruppe zusammenhält und uns mit ins Boot nimmt, ist schon super. Ich glaube, die Tatsache, dass er selbst ein Fußballverrückter ist und sein Leben lang dem Fußball verbunden ist, hilft ihm, eine sehr gute Balance zwischen Disziplin, Ehrgeiz und der entsprechenden Lockerheit zu finden.

Rico Mielke © 2025 Olaf Wegerich

Für dich und den Oldenburger SV läuft es aktuell richtig gut. Wie ist der Höhenflug zu erklären?

Wir sind im Vergleich zu den letzten Jahren wirklich gut in die Saison gestartet. Qualitativ haben wir uns in der Breite verbessert und wirklich ein paar sehr gute Jungs und zwei, drei sehr erfahrene Spieler in die Truppe bekommen. Im Fußball wird oft vergessen, dass eine Mannschaft mit einem neuen Trainer etwas Zeit braucht. Oft wird der Trainer rausgeschmissen und ein Plan über den Haufen geworfen. Das ist beim OSV Gott sei Dank noch ein wenig anders. Stahler und der Verein haben im letzten Jahr schon einige Sachen angepackt und vorangebracht. Diese Entwicklung und der Prozess sind nicht innerhalb von Wochen zu erkennen, das braucht ein wenig Zeit. In Ansätzen kann man das heute dann doch schon besser erkennen. Wir tun aber gut daran, bei uns zu bleiben und nicht auf Sachen von draußen zu achten. Wir stehen nach 11 Spieltagen gut da, aber die Saison ist noch lang und die Liga eng beisammen.

Hinter Holstein Kiel, dem TSB Flensburg und zusammen mit dem VfR Neumünster habt ihr die meisten Treffer geschossen. Ist das auch eure Spielphilosophie, immer offensiven Fußball spielen zu wollen?

Ich glaube, es gibt kaum Mannschaften oder Spieler, die nicht gerne offensiven Fußball spielen oder spielen wollen. Der OSV ist, glaube ich, seit Jahren bekannt dafür, dass bei den Spielen immer etwas los ist und die Identität schon eher im offensiven Fußball liegt. Der Verein, der Trainer und die Mannschaft haben natürlich Spaß daran, Tore zu schießen und Spiele zu gewinnen. Und Gewinnen geht halt nur, wenn du ein Tor mehr schießt als der Gegner.

Rico Mielke im Spiel beim Heider SV. © 2026 Olaf Wegerich

Nun geht es für euch zum VfR nach Neumünster. Ihr gehört selbst zur erweiterten Spitzengruppe. Wie siehst du die Ausgangslage vor dem Spiel?

Die Aussage ist nett formuliert, aber wir müssen schon realistisch bleiben. Die erweiterte Spitzengruppe ist für uns kein Thema. Wir sind sehr darauf fixiert, in diesem Jahr nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, und wollen früher den Klassenerhalt sichern als die letzten Jahre. Die Ausgangslage ist aus meiner Sicht ziemlich klar: Der VfR ist in diesem Spiel der klare Favorit und muss dieses Spiel für sich entscheiden, wenn sie weiter ganz oben mitspielen wollen. Wir haben dort nichts zu verlieren. Wir versuchen, wie in jedem Spiel, alles an Herz auf dem Platz zu lassen, und hoffen natürlich, etwas mit nach Oldenburg zu nehmen.


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