PSV beim 7:1 gegen Rapid wie im Rausch – Nohns schnürt Dreierpack
Der PSV Neumünster hat am 13. Spieltag der Flens-Oberliga dem SC Rapid Lübeck eine ganz bittere Heimniederlage verpasst. Auch in der Höhe völlig verdient siegten die offensiv entfesselt aufspielenden Neumünsteraner mit 7:1 (3:1) bei einem defensiv oft überfordert wirkenden Aufsteiger. Überragender Mann bei den Gästen war Ben Luca Nohns, der drei Treffer erzielen konnte, obwohl er die Abfahrt mit dem Mannschaftsbus wegen einer Nachtschicht verschlafen hatte. Durch den Erfolg macht der PSV zwei Plätze gut und klettert auf den 7. Platz. Rapid Lübeck setzt seine Talfahrt fort und kassiert die dritte Niederlage in Folge. Dabei schluckte der Aufsteiger 17 Gegentreffer. Rapid fällt um zwei Plätze und rutscht auf den 8. Platz.
Rapid-Trainer Dario Bilic musste notgedrungen seine Innenverteidigung umbauen. Unter anderem fehlten Raphael Teiss und Mario Nagel. Dafür rückte mit Aidan Cann ein Stürmer in die Innenverteidigung. Ebenso fehlte der gesperrte Kevin Knott. Auch die Gäste hatten mit Fyn Claasen, Grady Zinkondo und Tobias Foelster den verletzungsbedingten Ausfall einiger Stammkräfte zu beklagen. Zudem fehlte Ayoub Assameur mit Gelbsperre.
Das Spiel war gerade erst angepffiffen, da hatte Rapid nach 13 Sekunden durch Jonas Dürr, der aus spitzem Winkel nur äußerst knapp verzog, die erste gute Gelegenheit der Gastgeber.
Jonas Dürr (Rapid Lübeck) gegen Calvin Ehlert (PSV Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich
Schreckmoment für Rapid – Torhüter Galtsews Knie verdreht
Dennoch begann das Spiel für die Gastgeber maximal bitter. Bereits nach fünf Minuten musste Torhüter Maksim Galtsew den Platz verlassen, nachdem er sich bei einem Klärungsversuch ohne Gegnereinwirkung das Knie verdreht hatte. Für Galtsew, der mit einem Rettungswagen in das Krankenhaus gebracht werden musste, kam mit Stefan Ponomarenko der dritte Torhüter der Lübecker.
Dürr trifft zur frühen Führung
Doch diesen herben Rückschlag steckte Rapid zunächst erstaunlich gut weg. Nach schöner Vorarbeit über die linke Seite durch Tino Arp und Lasse Meier konnte Jonas Dürr (7.) völlig ungedeckt zum Führungstreffer vollenden.
Jesper Tiedemann, Timo Barendt und Ben Luca Nohns (PSV Neumünster) hatten Grund ausgiebig zu feiern. © 2026 Olaf Wegerich
Nohns mit dem schnellen Ausgleich
Doch die Antwort der Gäste, die wieder einmal von einer lautstarken Fangruppe begleitet wurden, ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem langen Ball von Tom Zarpe rutscht der Ball durch und Ben Luca Nohns (9.) trifft aus halbrechter Position durch die Beine von Torhüter Stefan Ponomarenko zum 1:1-Ausgleich. Keine 120 Sekunden währte die Freude über die frühe Führung.
Tiedemann mit dem Führungstreffer
Und der PSV setzte gegen defensiv sehr anfällige Lübecker weiter konsequent nach. Nach einem verunglückten und zu kurz geratenen Abschlag von Torhüter Stefan Ponomarenko traf Jesper Tiedemann (12.) aus halblinker Position mit einem Flachschuss in die kurze Ecke zur erstmaligen Führung.
Jesper Tiedemann (PSV Neumünster) gegen Ivan Taritas (Rapid Lübeck). © 2026 Olaf Wegerich
Nohns baut die Führung aus
Auch beim nächsten Gegentreffer sieht die Lübecker Hintermannschaft nicht gut aus, und nach einem langen Ball von Salih Ramo hinter die Kette ist erneut Ben Luca Nohns (25.) frei durch und trifft mit einem Lupfer gegen den zu zögerlich aus seinem Tor eilenden Ponomarenko in die lange Ecke zum 3:1 für die Gäste.
Trotz vieler Unzulänglichkeiten und massiver Zuordnungsprobleme in der Lübecker Abwehrformation blieben die Gastgeber, die heute auf ihren beruflich verhinderten Trainer Christian Arp verzichten mussten (der ja mit Dario Bilic ein gleichberechtigtes Trainerduo bildet), offensiv weiter brandgefährlich und stellten die PSV-Abwehr vor allem über die pfeilschnellen Jonas Dürr und Tino Arp vor einige Probleme.
Doch der Unterschied an diesem für die Gastgeber gebrauchten Tag war, dass der PSV sich im Gegensatz zu den Lübeckern keine groben Abwehrschnitzer erlaubte und trotz erneuter Umstellungen durch die Ausfälle von Zinkondo und Foelster hinten sehr kompakt stand.
Zudem präsentierten sich die Gäste sehr effektiv bei den zahlreichen Umschaltmomenten, bei denen sich immer wieder riesige Löcher durch falsche Abstände und viel zu hohes Anlaufen trotz Zwei-Tore-Rückstand auftaten.
Timo Barendt (PSV Neumünster) ist Emmanuel Rivera entwischt und scheitert an Torhüter Stefan Ponomarenko (Rapid Lübeck). © 2026 Olaf Wegerich
PSV verpasst die Vorentscheidung
So hätte der PSV bereits zur Pause für klare Verhältnisse sorgen können, doch Timo Barendt scheiterte frei stehend vor dem glänzend parierenden Stefan Ponomarenko und Jesper Tiedemann traf nach schöner Vorarbeit von Marvin Ehlert nur den Innenpfosten.
Rivera sieht Ampelkarte
Vergleichbare Chancen von der Qualität her hatte Rapid bis zur Pause trotz vieler guter Ansätze aber nicht vorzuweisen. In der Nachspielzeit kommt es dann noch knüppeldick für die Lübecker, als Emmanuel Rivera (45.+2) nach einem Foul an dem durchgebrochenen Marvin Ehlert kurz vor der Strafraumgrenze wegen einer Notbremse die Ampelkarte sieht. Die Lübecker monierten, dass hier eine Abseitsstellung von Marvin Ehlert vorlegen haben soll, doch das sah der souverän leitende Schiedsrichter Hauke Moje vom Osterrönfelder TSV anders.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb Rapid seiner Linie treu und änderte an der offensiven Herangehensweise nichts. Anstatt auf defensive Stabilität zu setzen, offenbarten die Lübecker große Abwehrschwächen und liefen wiederholt in das offene Messer, was der PSV, der sich nun in einen Rausch spielte, nahezu gnadenlos ausnutzte.
Jesper Tiedemann (PSV Neumünster) scheitert kurz vor der Pause am Innenpfosten. © 2026 Olaf Wegerich
Tiedemann baut die Führung aus
Auch beim vierten Treffer werden die Lübecker klassisch ausgekontert, als Ben Luca Nohns sich auf der linken Außenbahn durchsetzen kann und flach in das Zentrum passt, wo der mitgelaufene Jesper Tiedemann (52.) aus wenigen Metern zum 4:1 trifft.
Barendt verwandelt Handelfmeter
Auch beim fünften Gegentreffer bleibt Rapid zu zögerlich. Dabei wird Abwehrspieler Aidan Cann aus wenigen Metern am Arm getroffen und den fälligen Handelfmeter verwandelt Timo Barendt (59.) sicher zum 5:1 für den PSV.
Ben Luca Nohns (PSV Neumünster) auf dem Weg zu seinem dritten Treffer ist Lasse Meier (Rapid Lübeck) enteilt. © 2026 Olaf Wegerich
Nohns macht mit Dreierpack das halbe Dutzend voll
Die Tore fallen jetzt wie reife Früchte. Auch beim sechsten Gegentreffer, als Ben Luca Nohns aus der eigenen Hälfte einen Sololauf startet und dabei seinen Gegenspieler abschüttelt, verteidigen die Lübecker vogelwild. Nohns (66.), trotz Nachtschicht hellwach auf dem Platz, lässt den Ball einmal auftropfen und macht dann aus halbrechter Position mit einem satten Schuss in das lange Eck das halbe Dutzend voll.
Marvin Ehlert trifft zum Endstand
Auch der siebte Treffer der Gäste ist schön herausgespielt. Eine flache Hereingabe von der linken Seite durch Jesper Tiedemann verwandelt Marvin Ehlert (72.) zum 7:1-Endstand.
Hätte der PSV auch in den Schlussminuten so konsequent weiterspielt, wäre bei einer Vielzahl weiterer Großchancen, die teils fahrlässig ungenutzt blieben, auch ein zweistelliger Sieg im Bereich des Möglichen gewesen.
Rapid, das trotz des deutlichen Rückstands weiter fair dagegenhielt und von seiner offensiven Ausrichtung nicht abrückte, hatte im zweiten Durchgang nur eine echte Torchance zur Ergebniskosmetik.
Fazit: Es bleibt den Lübeckern – die in den ersten Wochen nach dem Aufstieg mit ihrem Offensivfußball für viel Furore sorgten – nur zu wünschen, dass sie ihre defensiven Probleme schnellstmöglich in den Griff bekommen. Mit dem PSV ist wieder zu rechnen. Trotz einiger schwerwiegender Ausfälle zeigt die Formkurve eine klar aufsteigende Tendenz.
Jonas Dürr (Rapid Lübeck) gegen Meiko Werner (PSV Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich
Stimmen zum Spiel
SC Rapid Lübeck: Galtsew (5. Ponomarenko) – Meier, Rivera, Spiecker, Cann (57. Sefer) – Bilic, Taritas, Betani-Baku (76. Kozodoiev), Arp, Voeks.
Trainer: Dario Bilic.
PSV Neumünster: Körtzinger – Werner (62. Imasün), Ramo (74. Laurenz Kulig), Eberhardt, Zarpe – Calvin Ehlert, Marvin Ehlert – Tiedemann, Barendt (74. Mehanovic), Youri von der Mehden (62. Vitali von der Mehden) – Nohns (69. Rune Kulig).
Trainer: Nils Voss und Dennis Buthmann.
Schiedsrichter: Hauke Moje (Osterrönfelder TSV).
Assistenten: Maik Tams und Jesper Rieckmann.
Zuschauer: 130 auf dem Kunstrasenplatz am Kasernenbrink in Lübeck.
Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte gegen Emmanuel Rivera (45.+2) vom SC Rapid Lübeck wegen Notbremse (Anmerkung: im Text als Ampelkarte / Notbremse bezeichnet; regeltechnisch ist eine Notbremse Rot, bei Gelb-Rot gilt sie als Ampelkarte).
Tore: 1:0 Jonas Dürr (7.), 1:1 Ben Luca Nohns (9.), 1:2 Jesper Tiedemann (12.), 1:3 Ben Luca Nohns (25.), 1:4 Jesper Tiedemann (52.), 1:5 Timo Barendt (59.), 1:6 Ben Luca Nohns (66.), 1:7 Marvin Ehlert (72.).
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